BGM-Förderung, Euro

BGM-Förderung: Bis zu 600 Euro pro Mitarbeiter für Prävention

04.07.2026 - 03:40:19 | boerse-global.de

Trotz geplanter AU-Pflicht ab Tag eins forcieren Unternehmen betriebliches Gesundheitsmanagement und flexible Arbeitsmodelle zur Senkung von Fehlzeiten.

Krankenstand in Deutschland: Firmen setzen auf Prävention statt Pflicht
BGM-Förderung - Eine Gruppe von Mitarbeitern nimmt an einer betrieblichen Gesundheitsübung in einem modernen Büro teil, symbolisiert BGM und Mitarbeiterbindung. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während die Politik über schärfere Nachweispflichten bei Krankschreibungen debattiert, setzen Unternehmen zunehmend auf Prävention und flexible Arbeitsmodelle.

Die Bundesregierung plant eine Reform der Krankmeldung: Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) soll künftig bereits ab dem ersten Tag nötig sein. Auch die telefonische Krankschreibung steht zur Disposition. Der Hintergrund: 2025 lag der Krankenstand bei 5,4 Prozent – durchschnittlich 19,5 Fehltage pro Mitarbeiter. Hauptursachen sind Atemwegserkrankungen und psychische Leiden, die um 6,9 Prozent zunahmen.

Kritik an den Plänen

Der Hausärzteverband warnt vor überfüllten Praxen. Die Vorsitzende Buhlinger-Göpfarth betont, es gebe keinen Beleg dafür, dass Fehlzeiten primär auf mangelnde Arbeitsmoral zurückgehen. Tatsächlich machen Langzeiterkrankungen wie Rückenleiden oder psychische Probleme fast 44 Prozent der Krankheitstage aus. Experten sehen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) einen wirksameren Hebel. Unternehmen können dafür steuerfreie Förderungen von bis zu 600 Euro pro Mitarbeiter und Jahr nutzen.

Work-Life-Balance als Trumpf

In der Schweiz gewinnt die strukturelle Ermöglichung von Erholung massiv an Bedeutung. Laut einer aktuellen Studie gewichten vier von fünf Arbeitnehmenden die Work-Life-Balance höher als die eigene Karriere. Schweizer Arbeitgeber setzen daher auf verbindliche Erreichbarkeitsregeln nach Feierabend, Schulungen für Führungskräfte und flexible Vertretungsregelungen.

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Auch die psychische Gesundheit rückt in den Fokus. In Nordrhein-Westfalen starteten Anfang Juli spezielle Programme für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Sie bieten neben medizinischer Vorsorge auch Beratung bei Pflegefällen in der Familie oder finanziellen Sorgen – bereits ab monatlichen Beiträgen von 100 Euro.

Neue Kooperationen und Versorgungsmodelle

Die Versicherungswirtschaft baut ihre Angebote für Firmenkunden aus. Seit dem 2. Juli 2026 kooperiert die ARAG Krankenversicherung mit dem Dienstleister Evela Health. Das Programm bietet vollversicherten Kundinnen eine spezialisierte Unterstützung während der Wechseljahre – mit digitalen Kursen und persönlicher Beratung.

Gleichzeitig entstehen neue ambulante Versorgungsmodelle. Das Resort Hof Weissbad erweiterte sein Angebot unter der Marke Appenzell Health. Es richtet sich auch an Unternehmen und kombiniert medizinische Kompetenz mit kurzen Auszeiten zur Regeneration. Die Betriebliche Krankenversicherung (bKV) wird zunehmend als strategisches Instrument zur Fachkräftesicherung wahrgenommen.

Struktur statt individueller Appelle

In Luxemburg wird die aktuelle Praxis kritisch hinterfragt. Fachleute mahnen, dass sich BGM zu oft auf das individuelle Verhalten der Mitarbeiter konzentriert, statt die Arbeitsbedingungen selbst zu verbessern. Gefordert wird eine stärkere Fokusverschiebung hin zur Verhältnisprävention – etwa durch Partizipation der Beschäftigten an Gestaltungsprozessen und konsequente psychische Gefährdungsbeurteilungen.

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Ein erfolgreiches BGM müsse sowohl „Top-Down“ durch die Geschäftsführung getragen als auch „Bottom-Up“ durch die Belegschaft mitgestaltet werden. Nur eine feste Verankerung im Managementsystem und regelmäßige Evaluation könnten langfristig helfen, Fehlzeiten als Frühwarnindikator für suboptimale Arbeitsbedingungen zu nutzen.

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