Sicherheitschecks, SÜG-Verfahren

Sicherheitschecks bremsen Einstellung: SÜG-Verfahren dauern 4–6 Monate

04.07.2026 - 03:40:19 | boerse-global.de

KI-Kenntnisse steigern Gehälter deutlich, doch Sicherheitschecks und Spezialisierung verlängern die Besetzungszeiten massiv.

Deutscher Arbeitsmarkt 2026: KI-Boom trifft auf lange Einstellungsprozesse
Sicherheitschecks - Eine Hand hält eine Lupe über Dokumenten, die Sicherheitsüberprüfungen und lange Bearbeitungszeiten symbolisieren. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Arbeitsmarkt im ersten Halbjahr 2026 zeigt ein gespaltenes Bild: KI beschleunigt Bewerbungsprozesse, gleichzeitig bremsen Sicherheitschecks und Spezialisierungsanforderungen die Einstellung massiv aus.

KI-Kompetenzen zahlen sich aus – aber die Suche dauert

Eine Analyse von Randstad untersuchte rund 2,4 Millionen Stellenanzeigen zwischen 2021 und Frühjahr 2026. Das Ergebnis: Fachkräfte mit KI-Kenntnissen verdienen deutlich mehr. Softwareingenieure starten mit durchschnittlich 60.000 Euro – ohne KI-Bezug sind es nur 50.000 Euro. Bei Finanzanalysten beträgt die Differenz sogar 12.500 Euro.

Besonders gefragt sind Prompt-Ingenieure. Sie verdienen in Deutschland im Schnitt 83.000 Euro, knapp unter dem Niveau im Vereinigten Königreich mit 85.800 Euro.

Doch die hohen Gehälter haben einen Haken: Unternehmen brauchen Geduld. Die Suche nach einem KI-Architekten dauert in Deutschland durchschnittlich 69 Tage. In den Niederlanden oder Belgien sind ähnliche Positionen nach rund 32 Tagen besetzt. Bei Machine-Learning-Ingenieuren liegt die Besetzungszeit hierzulande bei 56 Tagen.

„Doomjobbing": Wenn beide Seiten automatisieren

Parallel zur Spezialisierung hat sich die Bewerbungsdynamik grundlegend verändert. Die „Talent Trends-Studie 2026" der PageGroup zeigt: 67 Prozent der Jobsuchenden in Deutschland nutzen KI-Tools für Bewerbungen. Auf Arbeitgeberseite setzen 55 Prozent auf KI im Recruiting – vor allem zur Erstellung von Stellenanzeigen (79 Prozent) oder zur Prüfung von Lebensläufen (58 Prozent).

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Die beidseitige Automatisierung erzeugt eine neue Problematik: „Doomjobbing". Branchenberichte beschreiben eine Spirale aus massenhaften, KI-generierten Bewerbungen und ebenso automatisierten Absagen. Ein dokumentierter Fall zeigt einen IT-Experten aus den USA, der eine automatisierte Absage nur sechs Minuten nach dem Absenden seiner Unterlagen an einem späten Sonntagabend erhielt.

James Reed von Reed Recruitment warnt vor der zunehmenden Austauschbarkeit der Kandidaten. Eine LinkedIn-Studie belegt zudem: Die Anzahl der Bewerber pro Stelle hat sich in den USA seit 2022 verdoppelt. 65 Prozent der Arbeitnehmer empfinden die Jobsuche dadurch als schwieriger.

Ein Extrembeispiel: Eine KI-Forscherin mit Promotion von der University of Washington absolvierte 57 Vorstellungsgespräche bei elf Unternehmen, bevor sie eine Stelle bei OpenAI antrat.

Sicherheitschecks bremsen den Prozess aus

Neben der fachlichen Auswahl verzögern regulatorische Anforderungen die Einstellung massiv. Sicherheitsüberprüfungen nach dem Sicherheitsüberprüfungsgesetz (SÜG) in der Stufe Ü2 dauern regulär vier bis sechs Monate. Der Prüfaufwand stieg seit November 2024, weil die Liste der Staaten mit besonderen Sicherheitsrisiken erweitert wurde – unter anderem um China, den Iran, Nordkorea und Afghanistan.

Dienstleister wie die Validato AG versuchen, diese Prozesse durch digitale Vorprüfungen und OSINT-Analysen zu verkürzen. Das Ziel: die Rückfragenquote bei Behörden senken und Verfahren durch besser vorbereitete Anträge optimieren. Solche Hintergrundprüfungen gewinnen auch im Kontext von Richtlinien wie ISO-27001, NIS2 oder DORA an Bedeutung.

Zurück zum persönlichen Kontakt

Um den negativen Effekten der Automatisierung entgegenzuwirken, setzen Unternehmen verstärkt auf niedrigschwellige Angebote und persönlichen Kontakt. Bei einem Netzwerktreffen im Kreis Pinneberg diskutierten Personalverantwortliche über Corporate Influencer und die Optimierung der „Candidate Journey".

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Branchenkenner empfehlen Bewerbern zunehmend, den direkten Kontakt zu suchen, statt sich ausschließlich auf Online-Portale zu verlassen. Die PageGroup berichtet: 73 Prozent der Unternehmen bieten inzwischen spezifische KI-Trainings an. 72 Prozent der Arbeitgeber befürworten den KI-Einsatz grundsätzlich – sofern die Individualität der Bewerber erkennbar bleibt.

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