Arbeitszeit-Reform: Gastgewerbe drängt auf Wochenmodell statt Tagesgrenze
10.06.2026 - 04:18:12 | boerse-global.de
Kurz vor dem heutigen Reformgipfel im Kanzleramt hat das deutsche Gastgewerbe seine Forderungen nach flexibleren Arbeitszeiten bekräftigt. Wirtschaftsverbände drängen auf eine Wochenarbeitszeit statt der täglichen Höchstarbeitszeit. Die Gewerkschaften warnen vor einer Aushöhlung von Arbeitnehmerrechten.
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Wirtschaftliche Not spitzt sich zu
Die Lage im Gastgewerbe ist dramatisch. Laut DIHK-Konjunkturumfrage vom Frühsommer 2026 bewerten knapp zwei Drittel der Betriebe ihre Finanzlage als problematisch. Jedes zehnte Unternehmen berichtet von einer drohenden Insolvenz. Hauptursachen: die anhaltend hohen Energie- und Personalkosten.
Branchenübergreifend zeigt sich ein verhaltenes Bild. Nur 27 Prozent der Dienstleister bewerten ihre Lage als gut, 31 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung. Besonders deutlich wird der Strukturwandel in Thüringen: Zwischen 2019 und 2025 mussten dort 612 Gastronomiebetriebe schließen – rund 12 Prozent des Bestandes. Fehlende Nachfolgeregelungen erschweren das Fortbestehen vieler Betriebe. Bei rund 31 Prozent der Unternehmen steht in den kommenden zehn Jahren eine Übergabe an.
Dehoga warnt vor Klassenkampf
Jana Schimke, Hauptgeschäftsführerin des Branchenverbandes Dehoga, forderte am Dienstag ein klares Signal von der Politik. Die Einführung einer Wochenarbeitszeit müsse noch vor der parlamentarischen Sommerpause kommen. Sie warnte vor einem Klassenkampf durch die Gewerkschaften und lehnte den Vorschlag der DGB-Vorsitzenden Yasmin Fahimi für eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge ab. Der Grund: zusätzliche Bürokratie und Kosten für die Betriebe.
Unterstützung kommt vom DIHK. Bereichsleiter Dirk Binding mahnte eine rasche Umstellung auf die wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeit an. Auch die Familienunternehmer erhöhten den Druck. Präsidentin Marie-Christine Ostermann forderte in einem Schreiben an die Regierungsfraktionen sogar den Verzicht auf die Sommerpause. Nötig seien dringende Reformen bei Steuern, Renten und am Arbeitsmarkt.
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Gewerkschaften stellen sich quer
Die Gegenseite bezieht klare Position. DGB-Chefin Yasmin Fahimi bezeichnet die geplante Reform als ideologisch getriebenen Irrläufer. Eine Umstellung auf die Wochenarbeitszeit könne zu Schichten von bis zu 13 Stunden führen. Statt gesetzlicher Änderungen fordert sie: Stärkung von Tarifverträgen und Betriebsräten sowie massive Investitionen in die Energieinfrastruktur.
In Regierungskreisen kursiert der Verdacht, die Gewerkschaften könnten die Gespräche durch eine Blockadehaltung sabotieren. Der DGB hat bereits für Ende Juni zu einer Großdemonstration aufgerufen. Sollte es zu Kürzungen im Rentensystem oder zur Abschaffung des Acht-Stunden-Tages kommen, drohen Massenproteste.
Was vom Gipfel zu erwarten ist
Heute Abend treffen sich Vertreter der Koalition, der Arbeitgeberverbände und der Gewerkschaften im Kanzleramt. Angesetzt sind drei Stunden. Bundeskanzler Olaf Merz dämpfte im Vorfeld die Erwartungen: Es gehe primär um Austausch und Zuhören, nicht um fertige Konzepte.
Auch die Generalsekretäre von CDU und SPD, Carsten Linnemann und Matthias Klüssendorf, betonten den informellen Charakter. Die SPD drängt auf ein Wachstumspaket noch vor der Sommerpause. Eine formale Entscheidung ist aber erst für den Koalitionsausschuss am 30. Juni 2026 vorgesehen. Gesamtmetall-Präsident Stefan Dinglreiter fordert unterdessen eine schnelle Senkung der Arbeitskosten – die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Industrie stehe auf dem Spiel.
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