Belgien, Quellensteuer

Belgien erhöht Quellensteuer: 18% auf Dividenden ab Juli

10.06.2026 - 04:09:13 | boerse-global.de

Belgien verschärft die Besteuerung von Unternehmensgewinnen. Neue Regeln treffen besonders KMU und schaffen eine Anti-Missbrauchsklausel.

Belgien erhöht Steuern auf Dividenden und Reserven ab Juli 2026
Belgien - Ein Stapel belgischer Euro-Münzen mit einem digitalen Steuerformular darüber, symbolisiert erhöhte Besteuerung von Unternehmensreserven. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Zum 1. Juli 2026 verteuert Belgien die Ausschüttung von Unternehmensgewinnen deutlich. Grundlage ist eine neue Programmwetz, die Ende Mai verabschiedet und am 1. Juni im Staatsblatt veröffentlicht wurde. Besonders kleine und mittlere Unternehmen sind betroffen, die bisher von vergünstigten Steuersätzen auf Dividenden und Reserven profitierten.

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VVPRbis-Dividenden werden teurer

Die Reform hebt die Quellensteuer für das sogenannte VVPRbis-Regime von 15 auf 18 Prozent an. Unternehmen können Ausschüttungen bis zum 30. Juni noch zum alten Satz vornehmen. „Bei einer Dividende von 100.000 Euro liegt die Mehrbelastung bei 3.000 Euro“, rechnet Anwalt Thierry Litannie vor.

Auch die Abgaben auf Liquidationsreserven steigen. Bei Ausschüttung nach drei Jahren erhöht sich der ergänzende Quellensteuersatz von 6,5 auf 9,8 Prozent. Die effektive Gesamtsteuerbelastung liegt dann bei rund 18 Prozent. Die genaue Höhe hängt vom Geschäftsjahr ab – unterschieden wird zwischen Zeiträumen vor und nach dem 31. Dezember 2025.

Neue „Anti-Phoenix-Regel“ gegen Steuertricks

Ein Kernstück der Gesetzgebung ist eine Anti-Missbrauchsbestimmung gegen Firmenneugründungen. Sie richtet sich gegen die Praxis, Unternehmen zu liquidieren und kurz darauf mit identischen Aktivitäten neu zu gründen – nur um von steuerlich begünstigten Ausschüttungen zu profitieren.

Wird innerhalb von drei Jahren nach einer Liquidation eine ähnliche Tätigkeit wieder aufgenommen, stuft die Regelung die vorangegangene Ausschüttung als ordentliche Dividende ein. Dann fallen 30 Prozent Steuern an. Experten raten Unternehmen, ihre Strukturen vor dem Juli-Stichtag zu prüfen.

Steuerpolitik unter De Wever

Die Maßnahmen ergänzen die weitreichenden Änderungen seit Januar 2026. Bereits zum Jahreswechsel wurde eine Kapitalertragsteuer von 10 Prozent auf Finanzanlagen eingeführt. Der jährliche Freibetrag liegt bei 10.000 Euro und kann auf 15.000 Euro steigen. Für interne Mehrwerte gelten 33 Prozent ohne Freibetrag, für wesentliche Beteiligungen Sonderregeln mit Freibeträgen von bis zu einer Million Euro über fünf Jahre.

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Finanzminister Jan Jambon prüft weitere Reformen. Diskutiert wird ein steuerlich begünstigtes Anlagekonto nach schwedischem Vorbild. Es könnte die Börsensteuer von 0,35 Prozent und die Quellensteuer von 30 Prozent durch eine jährliche Pauschalgebühr ersetzen. Ziel: Privates Sparkapital von rund 300 Milliarden Euro soll verstärkt in den Aktienmarkt fließen.

Gig-Economy verliert Sonderstatus

Das Finanzministerium hat auch den steuerlichen Rahmen für Lieferplattformen verschärft. Jambon verlängerte die Vorabbescheide für Uber Eats und Deliveroo nicht. Damit entfällt für Fahrradkuriere der bisherige P2P-Status, der Einkünfte bis 7.890 Euro pro Jahr ohne Sozialversicherungsbeiträge und bei geringer Besteuerung ermöglichte.

Mehr als 85 Prozent der Kuriere arbeiteten unter diesem Regime, so Behördenangaben. Gewerkschaften wie die BTB-ABVV begrüßen die Neuregelung als Schritt gegen die Ausbeutung schutzbedürftiger Arbeitskräfte.

Rentenreform sorgt für operative Umstellungen

Nach der Rentenreform Ende Mai wurden zahlreiche Prognosen auf dem Portal „MyPension“ vorübergehend deaktiviert. Das gesetzliche Rentendatum bleibt einsehbar, detaillierte Daten zu Rentenhöhen sollen aber erst im Herbst 2026 oder in der zweiten Jahreshälfte 2027 wieder verfügbar sein. Eine wesentliche Änderung: Die Mindestarbeitsdauer für das letzte Berufsjahr wurde von 104 auf 156 Tage angehoben.

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