Arbeitszeit-Reform: Bas kündigt Gesetzentwurf für Flexibilisierung an
11.06.2026 - 06:30:41 | boerse-global.de
Bei einem Spitzentreffen im Kanzleramt diskutierten die Partner über Arbeitszeitflexibilisierung, Minijob-Reformen und schärfere Regeln für die Grundsicherung. Die Fronten sind verhärtet – besonders bei der Steuerpolitik und Arbeitszeitgestaltung.
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Flexiblere Arbeitszeiten: Bas kündigt Gesetzentwurf an
Bundesarbeitsministerin Bas will noch im Juni einen Gesetzentwurf vorlegen. Geplant ist der Wechsel von der täglichen zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Das soll Unternehmen mehr Flexibilität geben. Doch die Ministerin warnt: Arbeitnehmer ohne Tarifvertrag könnten benachteiligt werden.
Die Gewerkschaften laufen Sturm. Der DGB befürchtet, dass Arbeitstage von über zwölf Stunden möglich werden – mit negativen Folgen für Work-Life-Balance und Unfallrisiko.
EU mahnt: Entgelttransparenz nicht umgesetzt
Parallel droht Ärger aus Brüssel. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie hätte Deutschland bis zum 7. Juni umsetzen müssen. Passiert ist nichts. Ein Vertragsverletzungsverfahren steht im Raum. Die Regierung will die Richtlinie nun bis Anfang 2027 umsetzen – Ziel: den Gender Pay Gap von 15,6 Prozent (2024) zu schließen.
Minijobs: Neue Grenzen, alte Rechte
Seit Januar gelten neue Regeln für Minijobber. Der Mindestlohn stieg auf 13,90 Euro, die Verdienstgrenze auf 603 Euro monatlich. Nächste Stufe: 14,60 Euro Mindestlohn sind bereits beschlossen.
Arbeitszeitkonten sind auch bei Minijobs erlaubt – mit Haken. Die Jahresbetrachtung ist entscheidend: Maximal 7.236 Euro regelmäßiges Entgelt sind drin. Guthaben müssen abgebaut werden, dauerhafter Aufbau ist tabu. Die Rechte auf Urlaub und Lohnfortzahlung bleiben bestehen.
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Grundsicherung: Härtere Regeln ab Juli
Zum 1. Juli wird das Bürgergeld durch eine neue Grundsicherung ersetzt. Für Alleinstehende bedeutet das mehr Druck: Die Aufnahme einer Vollzeitstelle wird strenger geprüft. Minijobs und Teilzeitmodelle stehen unter Behörden-Verdacht.
Eltern im Grundsicherungsbezug trifft es besonders. Sie müssen ihre Kinder ab dem 14. Lebensmonat betreuen lassen – sonst drohen Kürzungen von bis zu 30 Prozent oder der komplette Entzug der Leistungen.
Wirtschaft bremst: Einstellungsbereitschaft auf Tiefstand
Die Reformdebatte trifft auf eine abkühlende Konjunktur. Das Arbeitsmarktbarometer der ManpowerGroup zeigt fürs dritte Quartal 2026 einen Einbruch: Der Netto-Beschäftigungsausblick fiel auf 6 Prozent – der schlechteste Wert seit Frühjahr 2021.
Besonders düster sieht es im verarbeitenden Gewerbe aus: minus 13 Prozent. Einziger Lichtblick: Bau und Immobilien mit plus 24 Prozent. Unternehmen nennen wirtschaftliche Herausforderungen und sinkende Nachfrage als Hauptgründe.
Der Koalitionsausschuss will am 1. Juli über konkrete Eckpunkte entscheiden. Bis zur Sommerpause Mitte Juli sollen erste Gesetze stehen. Ob das gelingt, ist offen.
