Arbeitszeit-Konflikt: Mercedes fordert 40-Stunden-Woche ohne mehr Lohn
23.06.2026 - 08:48:36 | boerse-global.de
Mit dem Programm „Next Level Performance“ will Mercedes-Benz jährlich fünf Milliarden Euro einsparen. Grund sind Absatzrückgänge in China und Europa – der Gewinn brach im ersten Quartal 2025 um 43 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro ein.
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Abfindungen für 40.000 Verwaltungsmitarbeiter
Ein zentraler Hebel: ein freiwilliges Abfindungsprogramm. Es richtet sich an rund 40.000 Beschäftigte in der Verwaltung und läuft noch bis März 2026. Ein früherer „Turbo-Zeitraum“ mit Extra-Zahlungen – etwa sechs Bruttomonatsgehälter und zehn Prozent mehr Grundsumme – endete bereits im Juli 2025.
Die Angebote gelten als sehr großzügig. Beispiel: Eine 47-jährige Mitarbeiterin mit zehn Jahren Betriebszugehörigkeit und rund 7.417 Euro Bruttogehalt konnte über 346.000 Euro Abfindung erhalten. Mercedes betont, sozialverträglich vorzugehen.
Seit Anfang 2025 gilt zudem eine steuerliche Änderung: Die Fünftelregelung zur Steuermilderung wird nicht mehr automatisch vom Arbeitgeber angewandt. Betroffene müssen sie selbst über die Steuererklärung beantragen.
Debatte um die 40-Stunden-Woche
Im Juni 2026 bekam die Diskussion um Arbeitskosten neuen Schwung. Aufsichtsratschef Martin Brudermüller fordert öffentlich die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche – ohne Lohnausgleich. Seine Begründung: Der Standort Deutschland verliere an Wettbewerbsfähigkeit. „Die Arbeit ist hierzulande zu teuer geworden“, so Brudermüller, der seit April 2024 im Amt ist.
Er stellt zwei Optionen zur Wahl: Gehaltskürzung oder längere Arbeitszeit bei gleichem Gehalt. Ersteres hält er für schwer umsetzbar. Außerdem plädiert er für eine längere Lebensarbeitszeit, um die Sozialsysteme zu sichern.
Das Unternehmen bestätigt: Es laufen Gespräche mit Arbeitnehmervertretern. Eine Entscheidung könnte in der nächsten Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie im Herbst 2026 fallen.
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KI als Produktivitätsbooster
Neben Personalabbau setzt Mercedes auf Technologie. Personalchefin Britta Seeger gab bekannt: 60 Prozent der Belegschaft nutzen bereits täglich Künstliche Intelligenz. Bis Ende 2026 soll die Quote auf 70 Prozent steigen. KI sei Werkzeug zur Produktivitätssteigerung – nicht primär Instrument zum Stellenabbau.
Gleichzeitig hält der Konzern an einer flexiblen Antriebsstrategie fest. Brudermüller verteidigt den Kurs, Verbrenner bis weit in die 2030er-Jahre anzubieten. Das ergänzt die Strategie von Konzernchef Ola Källenius: Premiumfahrzeuge in allen Preisklassen. Der Absatz von Elektroautos war 2024 um 24 Prozent eingebrochen.
Aktie unter Druck
Die wirtschaftliche Lage zeigt sich auch an der Börse. Im Juni 2026 notierte die Mercedes-Aktie bei rund 44 bis 48 Euro – ein deutlicher Rückgang zum Vorjahr. Analysten senkten die Kursziele und warnen vor Margenrisiken in der gesamten Branche.
Die Pkw-Marge lag im ersten Quartal 2025 bei 4,1 Prozent – im Vorjahreszeitraum waren es noch 7,3 Prozent. Der Konzern steht vor der Herausforderung, den Sparkurs umzusetzen, ohne die Beschäftigungsgarantien zu verletzen. Diese schließen betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis 2034 aus.
