Zollgebühren, Kategorie

Zollgebühren ab Juli: EU führt 3-Euro-Pauschale pro Kategorie ein

23.06.2026 - 08:48:36 | boerse-global.de

Ab Juli 2026 entfällt die Zollfreigrenze für Kleinsendungen. Neue Pauschalgebühren und steigende Bürokratie belasten Händler und Plattformen.

EU-Zollreform 2026: Neue Abgaben für Temu, Shein & Co.
Zollgebühren - Eine Weltkarte mit Verbindungslinien zwischen Kontinenten, umgeben von Schifffahrtscontainern und digitalen Symbolen, die den globalen Handel darstellen. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ab dem 1. Juli 2026 entfällt in der EU die Zollfreigrenze für Kleinsendungen unter 150 Euro. Stattdessen wird eine pauschale Zollabgabe von 3 Euro pro Warenkategorie fällig. Bestellt ein Kunde fünf verschiedene Artikel aus unterschiedlichen Kategorien, können bis zu 15 Euro Zollgebühren anfallen.

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Betroffen: Temu, Shein und Co.

Große E-Commerce-Plattformen wie Temu, Shein, AliExpress und Trendyol trifft die Neuregelung direkt. Auch Amazon kündigte an, ab Juli eine entsprechende Pflichtgebühr für Verkäufer zu erheben, die Waren aus Nicht-EU-Ländern an EU-Kunden versenden.

Um die Kosten zu umgehen, empfiehlt sich für Händler die Lagerung innerhalb europäischer Versandnetzwerke. Eine Übergangsregelung gilt bis zum 1. Juli 2028. Doch weitere Belastungen zeichnen sich ab: Ab November 2026 könnte eine zusätzliche EU-Bearbeitungsgebühr folgen, während Österreich bereits für Oktober eine eigene Paketabgabe plant.

Klarheit bei der Margenbesteuerung

Ein Urteil des Finanzgerichts Niedersachsen (Az. 5 K 42/25) sorgt für neue Regeln bei Reiseleistungen. Das Gericht entschied bereits im November 2025, dass die Margenbesteuerung nach § 25 UStG auch für Reiseveranstalter gilt, die ihren Sitz außerhalb der EU haben.

Die Entscheidung widerspricht der bisherigen Anwendung des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses. Die Richter stellten klar: Die Sonderregelung greift unabhängig vom Sitz des Unternehmers, sofern die Leistungen im EU-Gebiet erbracht werden. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Kalkulation internationaler Reiseanbieter.

Bildungsleistungen: Steuerfrei oder nicht?

Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat die Kriterien für die Umsatzsteuerbefreiung von Bildungsleistungen präzisiert. Steuerfrei bleiben Leistungen, die direkt auf eine staatliche Prüfung oder einen Beruf vorbereiten – etwa berufsbezogener Sprach-, Musik- oder Tanzunterricht.

Rein freizeitorientierte Angebote sowie aufgezeichnete Online-Kurse, Streaming-Dienste und Lern-Apps sind dagegen grundsätzlich steuerpflichtig. Für gewerbliche Anbieter gilt eine Übergangsregelung bis zum 31. Dezember 2027.

Landwirtschaft: Neue Steuersätze für Maschinen

Zum 1. Juli 2026 ändern sich auch die Regeln für die deutsche Landwirtschaft. Für pauschalierende Landwirte gilt beim Verkauf von Maschinen künftig der Regelsteuersatz von 19 Prozent.

Besonders bei Inzahlungnahmen im Rahmen eines Neukaufs ist Vorsicht geboten: Rechtlich liegen zwei getrennte Geschäfte vor. Da Pauschalierer beim Kauf kein Vorsteuerabzugsrecht haben, diskutieren Branchenkreise die freiwillige Option zur Regelbesteuerung als möglichen Ausweg.

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Globaler Steuerwandel: Vietnam und Deutschland

Auch außerhalb Europas entwickeln sich die steuerlichen Standards weiter. In Vietnam trat am 22. Juni 2026 ein neues Dekret in Kraft, das den Vorsteuerabzug bei Ratenkäufen oder Zahlungsaufschüben ab 5 Millionen Vietnamesischen Dong erleichtert.

In Deutschland kritisierte die Bundessteuerberaterkammer Mitte Juni den Entwurf des Jahressteuergesetzes 2026. Während die Reform der umsatzsteuerlichen Organschaft begrüßt wurde, hagelte es Kritik an den geplanten KI-Regelungen in der Abgabenordnung. Die Kammer mahnte: Die Bestimmungen seien zu unbestimmt und sollten aus dem aktuellen Verfahren ausgegliedert werden.

Zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum am 23. Juni 2016 bleibt die Bilanz für den grenzüberschreitenden Handel zudem angespannt. Wirtschaftsvertreter aus exportorientierten Regionen wie Baden-Württemberg beklagen weiterhin hohe Bürokratiekosten durch neue Handelsgrenzen.

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