Arbeitsszimmer, BFH

Arbeitsszimmer: BFH verschärft Aufzeichnungsfrist auf 10 Tage

23.06.2026 - 19:42:35 | boerse-global.de

BFH-Urteile verschärfen Anforderungen ans Arbeitszimmer, EuGH bremst Grunderwerbsteuer aus. Steuerpolitische Debatte um Subventionen und Steuersenkungen.

Steuerrecht 2026: BFH-Urteile und neue Regeln für Unternehmen
Arbeitsszimmer - Ein stilisierter, moderner Hammer schlägt auf einen Stapel juristischer Dokumente auf einem dunklen Holztisch. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Gerichtsurteile und Verwaltungsanweisungen bringen Unternehmen in Zugzwang.

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat im Juni 2026 seine Liste der anhängigen Revisionsverfahren aktualisiert. Im Fokus stehen Verfahren zum Vorsteuerabzug bei berichtigungsfähigen Rechnungen (V R 7/26, V R 6/26).

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Steuerberater beobachten einen Paradigmenwechsel: Der formaler Aufwand beim Vorsteuerabzug nimmt ab. Dafür steigt das Risiko für Unternehmen.

Weitere Verfahren betreffen die Energiepreispauschale für Rentner (X R 27/25) sowie Fragen zum Existenzminimum 2023 (III R 41/25). Auch die steuerliche Behandlung von Verlusten bei Kapitalanlagen und die Anrechnung US-amerikanischer Quellensteuer werden geprüft.

Strengere Regeln fürs Arbeitszimmer

Der BFH hat die Anforderungen an die Gewinnermittlung per Einnahmen-Überschussrechnung präzisiert. Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer müssen einzeln, getrennt und zeitnah aufgezeichnet werden.

Als zeitnah definiert das Gericht maximal einen Monat, konkret zehn Tage. Wer diese Frist versäumt, verliert den Steuerabzug.

Zudem sind Verspätungszuschläge für Gewinnfeststellungserklärungen gegen eine GbR auch dann zulässig, wenn einzelne Mitunternehmer keine Steuern zahlen müssen. Das entschied der BFH am 26. März 2026.

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Umsatzsteuer: Bildung und Landwirtschaft betroffen

Das Bundesfinanzministerium hat die Kriterien für die Umsatzsteuerbefreiung von Bildungsleistungen konkretisiert. Steuerfrei bleiben Leistungen mit direktem Bezug zu Schul- oder Hochschulunterricht.

Reine Freizeitangebote, Online-Aufzeichnungen ohne Interaktion und Fahrunterricht der Klassen B und C1 sind nicht befreit. Für betroffene Anbieter gilt eine Übergangsfrist bis Ende 2027.

In der Landwirtschaft ändert sich zum 1. Juli 2026 etwas Grundlegendes: Beim Verkauf von Maschinen gilt künftig der Regelsteuersatz von 19 Prozent. Pauschalierer können hier keine Vorsteuer geltend machen – es sei denn, sie optieren zur Regelbesteuerung.

EuGH bremst Grunderwerbsteuer aus

Der Europäische Gerichtshof hat die Grenzen für nationale Ergänzungstatbestände bei der Grunderwerbsteuer aufgezeigt. Pauschale Missbrauchsvermutungen bei konzerninternen Umstrukturierungen sind unverhältnismäßig.

Das Urteil vom 4. Juni 2026 (Rs. C-837/24) hat direkte Auswirkungen auf die Anwendung des deutschen Grunderwerbsteuergesetzes bei Anteilserwerben an Immobiliengesellschaften.

Streit um Steuersenkungen und Subventionen

Die steuerpolitische Debatte wird hitziger. Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats, fordert ein Ende der reduzierten Mehrwertsteuer in der Gastronomie.

Die Senkung von 19 auf 7 Prozent kostet jährlich rund 3,4 Milliarden Euro. Sie begünstigt vor allem große Ketten. Das Gastgewerbe meldete für April 2026 einen Höchststand bei den Insolvenzen.

Forscher des Ifo-Instituts und des PIK kritisieren die Steuersenkungen auf fossile Brennstoffe aus der Energiekrise. Von 187 Milliarden Euro entfielen 71 Milliarden auf Öl- und Erdgaskunden. Die Wissenschaftler empfehlen eine dauerhafte Senkung der Stromsteuer.

In Österreich sinkt zum 1. Juli 2026 die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel von 10 auf 4,9 Prozent. In Regionen wie dem Lavanttal sorgt der Umstellungsaufwand für geteilte Reaktionen. Zeitgleich wurde über die Senkung der Kammerumlage um 100 Millionen Euro beraten.

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