Arbeitssicherheit, Grenzwert

Arbeitssicherheit: Grenzwert für Betreuung verdoppelt sich auf 20

17.06.2026 - 18:26:38 | boerse-global.de

Dekra startet Livestream-Inspektionen, neue DGUV-Regeln und NIS-2-Vorgaben verändern die Chemiebranche grundlegend.

Chemieindustrie: Neue Sicherheitsregeln und ferngesteuerte Inspektionen
Arbeitssicherheit - Ingenieure überwachen in einem Kontrollraum eine Chemieanlage, symbolisierend Mitarbeiterbeteiligung und digitale Sicherheitsprozesse. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Technologien, reformierte Unfallverhütungsvorschriften und verschärfte IT-Sicherheitsanforderungen verändern das operative Geschäft grundlegend.

Ferngesteuerte Inspektionen per Livestream

Die Dekra bietet seit Mitte Juni 2026 einen weltweiten Service für Remote Assisted Inspection (RAI) an. Experten begleiten Inspektionen per Livestream von jedem beliebigen Standort aus. Die Plattform ermöglicht verzögerungsfreies Streaming und Videoaufzeichnung.

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Mobile Endgeräte, Drohnen oder Smart-Brillen lassen sich direkt in den Prozess einbinden. Getestet wurde das Verfahren bereits bei Projekten im Nahen Osten und in China. Das Ziel: Hochspezialisiertes Fachwissen ohne Reiseaufwand an den Einsatzort bringen. Gerade bei komplexen chemischen Anlagen soll das die Sicherheit und Reaktionsgeschwindigkeit erhöhen.

Neue Regeln für Arbeitssicherheit

Seit Anfang des Jahres gilt die reformierte DGUV Vorschrift 2. Eine wesentliche Änderung: Der Grenzwert für eine vereinfachte betriebsärztliche Betreuung stieg von 10 auf 20 Beschäftigte.

Die Reform öffnet den Zugang für Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Künftig dürfen auch Absolventen der Physik, Chemie, Biologie, Humanmedizin, Ergonomie oder Arbeitspsychologie diese Funktion übernehmen. Für Betriebsärzte und Sicherheitsfachkräfte besteht eine explizite Fortbildungspflicht.

Ein digitales Novum: Die telemedizinische Betreuung ist nun explizit erlaubt. Sind die spezifischen Betriebsverhältnisse bekannt, darf der digitale Anteil bis zu einem Drittel betragen – in Ausnahmefällen sogar bis zu 50 Prozent.

IT-Sicherheit wird Chefsache

Die NIS-2-Richtlinie treibt den digitalen Schutz voran. Seit Ende 2025 sind schätzungsweise 30.000 Unternehmen in Deutschland zu erweiterten IT-Risikomanagement-Maßnahmen und strikten Meldeprozessen verpflichtet. Branchenexperten warnen: Die Geschäftsleitung haftet bei Versäumnissen persönlich.

Für kleine und mittlere Industrieunternehmen stehen Betroffenheitsprüfungen und die Implementierung des IT-Grundschutzes im Vordergrund. Die Richtlinie zielt darauf ab, kritische Infrastrukturen widerstandsfähiger gegen Cyberangriffe zu machen.

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Standortsicherung durch Übernahme

Die Bedeutung stabiler Sicherheitsstrukturen zeigt ein aktueller Eigentümerwechsel: Mitte Juni übernahm Westlake Vinnolit den Produktionsstandort der Vynova Wilhelmshaven GmbH. Im Zuge des Insolvenzverfahrens sicherte das rund 350 Arbeitsplätze.

Für den Käufer stärkt die Übernahme die globale Chlorvinyl-Produktion. Der Tiefwasserhafen gilt als strategischer Vorteil. Die Fortführung unter neuer Eigentümerstruktur unterstreicht: An chemischen Großstandorten bleiben Compliance und Sicherheit oberste Priorität.

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