Arbeitsschutz Vietnam: Über 7.000 Unfälle 2025, neue Prävention ab Juli
28.06.2026 - 10:04:22 | boerse-global.de
Mit einer Reihe von Großveranstaltungen und neuen politischen Weichenstellungen treibt Vietnam die Gesundheit der Erwerbstätigen voran. Im Zentrum steht die Resolution 72-NQ/TW – ein grundlegender Wandel von der bloßen Krankheitsbehandlung hin zur proaktiven Prävention.
KI-Diagnosen und digitale Akten für Arbeiter
Am 28. Juni 2026 markierte der Tag der Gesundheitsförderung der Arbeitnehmer in Can Tho einen Meilenstein. Über 1.100 Beschäftigte erhielten kostenlose medizinische Untersuchungen. Besonders auffällig: die Integration digitaler Technologien. Zum Einsatz kamen KI-gestützte Diagnoseverfahren, die Daten landeten direkt in elektronischen Gesundheitsakten über das System VNeID.
Parallel startete das Zentrum für Gesundheitskommunikation im Juni das Programm zur proaktiven täglichen Gesundheitsvorsorge. Der Auftakt: ein Gemeinschaftslauf in Ho-Chi-Minh-Stadt mit 5.000 Teilnehmern. In Kooperation mit Samsung Electronics Vietnam will das Programm das Bewusstsein für digitales Gesundheitsmonitoring schärfen. Von Juli bis September sind zudem Workshops für Fachpersonal und Studierende in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt geplant.
Über 7.000 Arbeitsunfälle im Jahr 2025
Neben der allgemeinen Vorsorge rücken die Pflichten der Unternehmen in den Fokus. Bei einer Dialogkonferenz des Arbeitsschutzrates in Dong Nai am 26. Juni berieten Vertreter von über 160 Unternehmen über Sicherheitsstandards. Die Zahlen des Vorjahres zeigen die Dringlichkeit: Für 2025 wurden landesweit über 7.000 Arbeitsunfälle mit 658 Todesfällen verzeichnet. Allein in der Provinz Dong Nai gab es 1.334 Unfälle mit 24 Toten.
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Die Behörden sehen die Ursachen klar: Rund 60 Prozent der tödlichen Unfälle gehen auf Fahrlässigkeit der Arbeitgeber zurück, 40 Prozent auf Verstöße der Beschäftigten. Der Raffineriebetreiber BSR reagiert mit intensivierten Sicherheitsgesprächen. Im Juni führte das Unternehmen über 1.700 tägliche Kurzeinweisungen durch und warnte explizit vor Risiken wie Schlafmangel durch nächtliche Sportereignisse.
Neue Krankenhaus-Kapazitäten und Renten-Reform
Ein weiterer Pfeiler der Strategie: die Anpassung der sozialen Sicherungssysteme. Ab dem 1. Juli 2026 treten neue Regelungen zur Krankenversicherung in Kraft. Sie sehen erweiterte ambulante Leistungen und angepasste Beiträge vor. In der Provinz Ha Tinh sollen Zahlungen künftig vollständig bargeldlos abgewickelt werden.
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Das Innenministerium hat zudem eine Reform der Rentenberechnung vorgeschlagen. Geplant ist eine Rundung der Beitragsmonate – drei Monate würden dann als ein Vierteljahr gewertet. Der Entwurf soll im Oktober 2026 beraten werden und könnte zum 1. März 2027 in Kraft treten.
Um die medizinische Versorgung zu verbessern, nahm am 26. Juni eine neue Einrichtung des Bach Mai Krankenhauses in Ninh Binh mit 1.000 Betten den Betrieb auf. Die Klinik soll die zentralen Krankenhäuser entlasten und einen einheitlichen Qualitätsstandard im Roten-Fluss-Delta sichern. Gewerkschaftsberichte aus dem ersten Halbjahr 2026 zeigen zudem verstärkte Aktivitäten: vom Bau von Wohnraum bis zu Zehntausenden zusätzlichen Gesundheitschecks für Fabrikarbeiter.
