Arbeitsrecht-Reform: Attestpflicht ab erstem Krankheitstag geplant
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 05:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Kernstück: eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag. Bundeskanzler Merz begründet den Schritt mit dem Ziel, den hohen Krankenstand zu senken. Die telefonische Krankschreibung soll fallen.
Reformpaket spaltet Verbände
Innerhalb der Koalition und bei Fachverbänden stoßen die Pläne auf geteiltes Echo. Der Hausärzteverband warnt vor einem massiven Ansturm auf die Praxen – die telefonische Krankschreibung mache nur einen Bruchteil der Fälle aus. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung rechnet mit mindestens 30 Millionen zusätzlichen Praxisbesuchen pro Jahr.
Das Paket enthält weitere Punkte: Lockerungen beim Kündigungsschutz für Hochverdiener mit einem Jahresbruttoeinkommen von mehr als 177.500 Euro. Erleichterungen bei der sachgrundlosen Befristung – künftig soll sie für bis zu 48 Monate möglich sein. Für 2027 sind zudem Anpassungen bei der Beitragsbemessungsgrenze und Zuzahlungen für Medikamente geplant.
Kritik kommt vom Arbeitnehmerflügel der CDU sowie von der SPD, die eine flexiblere Umsetzung fordert. Branchenkenner favorisieren stattdessen eine Stärkung des betrieblichen Gesundheitsmanagements, um die Ursachen für Fehlzeiten direkt am Arbeitsplatz anzugehen.
Langzeiterkrankungen treiben Kosten
Analysen des BKK Dachverbands zeigen: Besonders lange Ausfallzeiten belasten die Krankenkassen massiv. Das Krankengeld ist mit 21,6 Milliarden Euro zur größten Ausgabeposition geworden – ein Anstieg von mehr als 24 Prozent innerhalb von zehn Jahren. 2025 entfiel über ein Viertel aller Fehltage auf Bezieher von Krankengeld.
Die Haupttreiber: Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychische Leiden. Letztere machen zwar nur 5,4 Prozent der Fälle aus, führen aber im Durchschnitt zu Ausfallzeiten von mehr als fünf Wochen. Der allgemeine Krankenstand lag 2025 stabil bei 6,1 Prozent. Die AOK verzeichnete im Schnitt 23,3 Krankheitstage je versicherten Beschäftigten.
Wer die Auswirkungen der Attestpflicht ab Tag 1 für sein Unternehmen einordnen will, findet in diesem kostenlosen Report die wichtigsten Strategie-Hebel – von der Gefährdungsbeurteilung bis zur betrieblichen Krankenversicherung. Jetzt kostenlosen BGM-Report anfordern
Zusätzlich belasten versicherungsfremde Leistungen die Beitragszahler der gesetzlichen Krankenversicherung. 2024 summierten sie sich auf rund 58 Milliarden Euro – etwa die beitragsfreie Mitversicherung und Defizite bei Krankenhausinvestitionen. Die staatlichen Steuerzuschüsse betrugen lediglich 14,5 Milliarden Euro. Beitragszahler mussten Schätzungen zufolge rund 32 Milliarden Euro für diese gesamtgesellschaftlichen Aufgaben mitfinanzieren.
Betriebliche Vorsorge als Wettbewerbsvorteil
Immer mehr Unternehmen setzen auf präventive Konzepte gegen Stress und psychische Belastungen. „Betriebe müssen früher ansetzen, um die Resilienz ihrer Mitarbeiter zu fördern“, sagt Lea Feder von der JETZT Performance GmbH. Eine rein reaktive Handlungsweise bei bereits eingetretenen Erkrankungen greife zu kurz. Führungskräfte spielten eine entscheidende Rolle für die Unternehmenskultur.
Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) gewinnt als Ergänzung zum Gesundheitsmanagement an Bedeutung. Sie ermöglicht Beschäftigten oft einen schnelleren Zugang zu Fachärzten oder psychologischer Beratung. Während gesetzlich Versicherte teilweise sechs bis zwölf Monate auf einen Therapieplatz warten, kann die bKV eine Versorgung innerhalb weniger Wochen bieten. Zudem sind Unternehmen gesetzlich zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen verpflichtet.
DAK verlängert Frist für Förderpreis
Psychische Erkrankungen verursachen im Schnitt über fünf Wochen Ausfallzeit – und die Attestpflicht ab Tag 1 wird den Druck auf Ihre Personalplanung weiter erhöhen. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie mit einer Muster-Gefährdungsbeurteilung und gezielter Prävention gegensteuern. Präventions-Leitfaden jetzt sichern
Die DAK-Gesundheit hat die Anmeldefrist für den Deutschen BGM-Förderpreis bis zum 18. Juli 2026 verlängert. Das Motto: „Neue Wege zur gesunden Arbeit – digital, gesund, menschlich, zukunftsfähig“. Prämiert werden Konzepte, die sich durch Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit auszeichnen.
Der Preis umfasst Sachleistungen im Gesamtwert von 60.000 Euro, verteilt auf die drei Erstplatzierten. Die Preisverleihung ist für den 29. September 2026 in Köln geplant. Solche Initiativen unterstreichen den Trend: Gesundheit am Arbeitsplatz gilt nicht mehr nur als Kostenfaktor, sondern als strategische Investition in Produktivität und Mitarbeiterbindung.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
