Arbeitsplatz-Ergonomie, DGUV-Regel

Arbeitsplatz-Ergonomie: Neue DGUV-Regel fordert 17-Zoll-Bildschirme

24.06.2026 - 21:51:19 | boerse-global.de

Die geplante Novelle des Behindertengleichstellungsgesetzes verpflichtet Unternehmen zu angemessenen Vorkehrungen, stößt aber auf breite Kritik.

BGG-Reform: Neue Pflichten für private Firmen ab 2026
Arbeitsplatz-Ergonomie - Eine vielfältige Gruppe von Menschen, darunter Menschen mit Behinderungen, arbeiten in einem modernen, barrierefreien Büro zusammen. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Erstmals soll ein Benachteiligungsverbot für private Anbieter kommen. Betroffen sind vor allem Einzelhandel, Gastronomie, Gesundheitswesen und Finanzsektor.

Der Gesetzesentwurf verpflichtet Unternehmen zu „angemessenen Vorkehrungen im Einzelfall“ – eine vollständige bauliche Umgestaltung ist nicht vorgesehen. Das reicht den Behindertenverbänden nicht.

Kritik von allen Seiten

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und das Deutsche Institut für Menschenrechte bezeichnen den Entwurf als unzureichend. Wirtschaftsverbände wie der Handelsverband Deutschland (HDE) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) warnen dagegen vor hohen Kosten. Schätzungen beziffern die jährliche Belastung auf rund 1,35 Millionen Euro – der HDE hält diese Zahlen für unrealistisch.

Ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs vom 21. Mai 2026 zeigt die derzeitige Rechtslage: Eine private Reha-Klinik durfte eine blinde Patientin abweisen. Das Gericht argumentierte, es handle sich nicht um ein Massengeschäft nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Eine Verpflichtung zu Anpassungsleistungen auf eigene Kosten bestehe nicht.

Modulare Ansätze in der Praxis

Dienstleister suchen nach Wegen, Barrierefreiheit effizient umzusetzen. Ein Praxisbericht zeigt, wie Agenturen mit modularen Bausteinen arbeiten. Statt einer sofortigen Komplettumstellung verankern sie Barrierefreiheit schrittweise im Arbeitsalltag.

Der digitale Nachholbedarf ist enorm. Ein Blick nach Österreich macht das deutlich: Ein Jahr nach Inkrafttreten des Barrierefreiheitsgesetzes (BaFG) am 28. Juni 2025 zieht die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen eine kritische Bilanz. Viele digitale Angebote bleiben unzugänglich – besonders bei Bezahlprozessen und Tastaturbedienbarkeit.

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Deutsche Webseiten besser als österreichische

Eine Analyse von Accessiway zeigt: Österreichische Webseiten haben im Schnitt 3,9 Barrieren. Deutschland kommt auf 3,2, Großbritannien auf 2,7. Seit Inkrafttreten des Gesetzes wurden in Österreich 84 Verfahren eingeleitet. Besonders Bankdienstleistungen stehen im Fokus der Prüfungen.

Neue Standards für gesundes Bauen

Neben der digitalen Barrierefreiheit gewinnen gesundheitliche Aspekte im Gebäudedesign an Bedeutung. Die Schadstoffkonzentration in Innenräumen kann laut Weltgesundheitsorganisation bis zu 30-mal höher sein als im Freien. Erste Projektentwickler setzen auf zertifiziertes allergikerfreundliches Bauen.

In München entsteht ein Holz-Hybrid-Bauvorhaben, das flüchtige organische Verbindungen (VOC) reduziert. Das betrifft eine große Zielgruppe: Bei rund 36 Prozent der Bevölkerung in Deutschland wurden Allergien diagnostiziert.

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Verschärfte Regeln für den Büroalltag

Die überarbeitete DGUV Regel 115-401 „Branche Bürobetriebe“ legt einen verstärkten Fokus auf psychische und physische Belastung. Die Richtlinien enthalten detaillierte Hinweise zur Arbeitsorganisation und Ergonomie. Unter anderem empfehlen sie eine Mindestbildschirmgröße von 17 Zoll, um die visuelle Belastung zu reduzieren.

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