Arbeitsmarkt-Reform, Befristung

Arbeitsmarkt-Reform: Befristung auf 48 Monate, Kündigungsschutz weg

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 07:33 Uhr, Redaktion boerse-global.de

BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner stellt sich hinter die 34 Maßnahmen umfassenden Reformen der Bundesregierung, sieht aber weiteren Handlungsbedarf für einen Aufschwung.

BDI-Chefin verteidigt Reformpaket: Arbeitsmarkt und Rente im Fokus
Abstrakte Darstellung von Wirtschaftsreformen und Industriepolitik mit sich kreuzenden Linien und sanften Farbverläufen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), hat die jüngsten Reformbeschlüsse der Bundesregierung am Freitag gegen Kritik in Schutz genommen. Sie warnte davor, das Paket als bloßen Minimalkonsens abzutun. Gleichzeitig räumte sie ein: Die Maßnahmen reichten für einen umfassenden Wirtschaftsaufschwung noch nicht aus.

Das Reformwerk umfasst 34 Einzelmaßnahmen in den Bereichen Arbeitsmarkt, Rente und Bürokratieabbau. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte es am Donnerstag im Bundestag präsentiert.

Flexiblere Regeln am Arbeitsmarkt

Ein Kernstück der Reformen: die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Juristen zufolge soll die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverhältnissen auf bis zu 48 Monate ausgeweitet werden. Bis zu sechs Verlängerungen wären innerhalb dieses Zeitraums möglich.

Geplant ist zudem, den Kündigungsschutz für Hochverdiener zu streichen – und zwar ab einem Bruttojahreseinkommen von über 177.000 Euro. Auch beim betrieblichen Gesundheitsmanagement gibt es Änderungen: Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden. Stattdessen gilt eine Verpflichtung zur Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag. Der BDI begrüßt diesen Schritt.

Weitere Erleichterungen betreffen die Einführung von KI-Systemen in Unternehmen sowie steuerliche Begünstigungen von Abfindungen bei schnellen Jobwechseln.

Rentenreform: Größter Umbau seit 20 Jahren

Die Bundesregierung bezeichnet das Vorhaben als die größte Rentenreform seit zwei Jahrzehnten. Wesentlicher Bestandteil ist der Übergang zu einer stärker kapitalmarktgestützten Altersvorsorge. Trotz dieser Eingriffe bleiben die Sozialabgaben laut aktuellen Kalkulationen bei 43 Prozent.

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Kritik kommt von der Wirtschaft – vor allem an der steuerlichen Komponente. Der BDI bemängelt die weiterhin fehlende vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Mit einem Entlastungsvolumen von rund zehn Milliarden Euro bleibe das Paket hinter den Erwartungen zurück.

Auch die geplante Reichensteuer sorgt für Unmut: Sie sieht einen Spitzensteuersatz von 44 Prozent ab einem Einkommen von 200.000 Euro vor.

Mittelstand: Förderstopp sorgt für Ärger

Parallel zur Reformdebatte brodelt es in den Wirtschaftsverbänden. Grund ist der Antragsstopp für das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM), den die Regierung am 7. Juli verhängt hatte. BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch spricht von einem „falschen Signal für den Innovationsstandort“.

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fordert eine Rücknahme des Stopps. Das Programm sei für Forschung und Entwicklung im Mittelstand essenziell. Eine Wiederaufnahme der Förderung wird frühestens für Anfang 2027 in Aussicht gestellt.

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Ökonomen uneins über Wirkung

Die wirtschaftswissenschaftliche Bewertung des Gesamtpakets fällt gespalten aus. Experten des Ifo-Instituts loben die Flexibilisierung am Arbeitsmarkt, vermissen aber eine langfristige Strategie zum Subventionsabbau.

Vertreter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) warnen dagegen: Die Rentenreform könnte in ihrer jetzigen Form bis zu 250.000 Arbeitsplätze kosten. Mit messbaren Wachstumseffekten rechnen sie nicht.

Die Bundesregierung hält an ihren Prognosen fest. Für 2026 erwartet sie ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. Für 2027 sagt sie eine Beschleunigung auf 0,9 Prozent voraus. Der aktuelle Bundeshaushalt sieht Ausgaben von 555 Milliarden Euro vor. Kritiker weisen auf die zunehmende Finanzierung durch Kredite hin.

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