WM, USA

Messi tanzt auch ohne Tor: Argentinien im Halbfinale

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 07:33 Uhr, dpa.de

Die Argentinier müssen auch gegen die Schweiz schuften - und erneut in die Verlängerung. Superstar Lionel Messi trifft diesmal nicht, ein Kollege dafür traumhaft. Ein Platzverweis sorgt für Tränen.

  • Auch ohne eigenes Tor überglücklich: Lionel Messi. - Bild: Tom Weller/dpa
    Auch ohne eigenes Tor überglücklich: Lionel Messi. - Bild: Tom Weller/dpa
  • Lionel Messi (l.) und seine Argentinier stehen im Halbfinale. - Bild: Tom Weller/dpa
    Lionel Messi (l.) und seine Argentinier stehen im Halbfinale. - Bild: Tom Weller/dpa
  • Traf früh per Kopf: Argentiniens Alexis Mac Allister. - Bild: Tom Weller/dpa
    Traf früh per Kopf: Argentiniens Alexis Mac Allister. - Bild: Tom Weller/dpa
Auch ohne eigenes Tor überglücklich: Lionel Messi. - Bild: Tom Weller/dpa Lionel Messi (l.) und seine Argentinier stehen im Halbfinale. - Bild: Tom Weller/dpa Traf früh per Kopf: Argentiniens Alexis Mac Allister. - Bild: Tom Weller/dpa

Lionel Messi hüpfte oberkörperfrei auf und ab und wedelte mit seinem Trikot, dann tanzten Argentiniens Fußball-Stars Arm in Arm vor ihren Fans. Messis grandiose Tor-Serie ist zwar beendet, aber der Titel-Traum lebt: Argentinien hat auch ohne einen weiteren Geniestreich seines Superstars das Halbfinale der WM gegen England erreicht. Wenn auch mit reichlich Mühe.

Álvarez trifft traumhaft

«Wir mussten viel leiden», sagte Trainer Luis Scaloni nach dem 3:1 (1:1, 1:0) nach Verlängerung im Viertelfinale gegen die Schweiz. «Das ganze Spiel war sehr schwierig», meinte Torschütze Julián Álvarez. «Wir sind extrem glücklich.»

Kapitän Messi blieb nach neun WM-Spielen in Serie mit mindestens einem eigenen Treffer erstmals wieder ohne Tor. Dafür trafen andere - und wie. Für die Entscheidung sorgten Álvarez mit einem Traumtor (112. Minute) und Lautaro Martínez nach einem Konter (120.+1).

Der 39-jährige Messi hatte im Football-Tempel der Kansas City Chiefs das 1:0 durch Alexis Mac Allister (10.) per Eckball vorbereitet. Dan Ndoye erzielte vor 69.045 Zuschauern den zwischenzeitlichen Ausgleich (67.).

Schweizer Ärger über Platzverweis

In der 72. Minute sah Breel Embolo nach einer Schwalbe und einem VAR-Einsatz die Gelb-Rote Karte. Die Verwarnung für Argentiniens Leandro Paredes wurde zurückgenommen und der Schweizer vom Platz gestellt. Der frühere Schalker und Gladbacher vergoss Tränen, musste von den Kollegen getröstet werden.

«Er ist am Boden zerstört. Es tut uns weh, es tut ihm weh, dass wir auf diese Weise ein Mann weniger auf dem Platz waren», sagte Trainer Murat Yakin. Man sei durch einen Fehler des Schiedsrichter-Gespanns bestraft worden. Auch andere Schweizer kritisierten die Entscheidung der Unparteiischen scharf.

Argentinien nun gegen England

In der Runde der besten Vier wartet auf die Argentinier am Mittwoch in Atlanta England als Gegner. Die Three Lions hatten zuvor Norwegen mit 2:1 nach Verlängerung besiegt. Für die Schweiz war schon das erstmalige Erreichen des Viertelfinals seit der Heim-WM 1954 ein großer Erfolg. 

Nach zwei Zitter-Siegen in den ersten beiden K.-o.-Runden gegen die Außenseiter Kap Verde und Ägypten hatte Argentinien wieder viel Mühe. Messi kam zum 15. Mal in einem K.-o.-Spiel bei Weltmeisterschaften zum Einsatz und überflügelte den deutschen Ex-Weltmeister und Ex-WM-Rekordtorjäger Miroslav Klose auch in dieser Statistik. 

Guter Start für Schweiz, aber auch früher Schock

Im 100. Spiel dieser XXL-WM erwischten die Schweizer eigentlich einen guten Start. Nachdem sie aber zwei, drei gute Angriffe ungenutzt gelassen hatten, schlug der Weltmeister eiskalt zu: Nach einem Eckball von Messi köpfte Mac Allister den Ball unhaltbar für den Schweizer Torwart Gregor Kobel ins Netz. Die vielen argentinischen Fans auf den Tribünen feierten den Treffer frenetisch. 

Manche Fans hatten sich Sorgen gemacht, Messi könnte angesichts der Belastungen in seinem sechsten Spiel dieser WM körperliche Probleme bekommen. «Er ist fit», hatte Trainer Lionel Scaloni schon vor dem Spiel gesagt. Messi würde auch nicht weniger rennen als zuvor: «Es ist wie immer, er ist immer bereit und das Team unterstützt ihn sehr.»

So war es auch gegen die Schweiz. Messi war weitestgehend von Defensivaufgaben befreit und ging mehr auf dem Rasen, als dass er sprintete. Doch ab und zu blitzte seine Genialität auf. 

Manzambi fehlt den Schweizern

Die Schweizer hatten am frühen Rückstand sichtlich zu knabbern. Von der anfänglichen Energie war lange kaum noch etwas zu sehen. Erst ein Fehler der Argentinier ermöglichte Embolo eine Chance, als er alleine aufs Tor zulief, Keeper Emiliano Martínez ihn aber vor dem Schuss stoppte (32.). 

Der Außenseiter musste auf seinen Top-Torjäger Johan Manzambi verzichten, der nach einer Knieverletzung nicht rechtzeitig fit wurde. Der 20-Jährige, der vor einem 60-Millionen-Euro-Wechsel vom SC Freiburg zu Newcastle United steht, fehlte dem Schweizer Team mit seiner Schnelligkeit vor allem bei Kontern.

Ndoye trifft - doch Embolo fliegt

Nach dem Seitenwechsel wurden die Schweizer stärker - und belohnten sich. Ndoye traf nach feinem Zusammenspiel mit Ricardo Rodriguez per Flachschuss zum 1:1. Mit Embolos Platzverweis nahm die Partie aber die nächste Wendung.

Die Argentinier drückten in der Nachspielzeit. Messi schoss knapp am Tor vorbei, Kobel parierte stark gegen Lisandro Martinez. In der Verlängerung streifte ein Schuss von Thiago Almada noch leicht den Außenpfosten (95.). Dann erzielte Álvarez mit einem herrlichen Schlenzer das 2:1, Martínez beseitigte die letzten Zweifel. Auf den Rängen ging die argentinische Party los.

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