WM, Mexiko

Und darauf einen Whiskey: Mexiko siegt wie im Rausch

01.07.2026 - 08:37:00 | dpa.de

Mexiko rastet aus. Die Nationalmannschaft bricht einen 40 Jahre alten Fluch. «Und wenn doch!», heißt es im WM-Mitgastgeberland mit Blick auf den Titel. Ein Deutschland-Schreck ist nun auch raus.

  • Mexikos Team feiert einen berauschenden WM-Abend. - Bild: Ricardo Mazalan/AP/dpa
    Mexikos Team feiert einen berauschenden WM-Abend. - Bild: Ricardo Mazalan/AP/dpa
  • Für die Ehrenrunde nahmen sich die Mexikaner besonders viel Zeit.  - Bild: Fernando Llano/AP/dpa
    Für die Ehrenrunde nahmen sich die Mexikaner besonders viel Zeit. - Bild: Fernando Llano/AP/dpa
  • Raúl Jiménez (r) traf zum vorentscheidenden 2:0. - Bild: Natacha Pisarenko/AP/dpa
    Raúl Jiménez (r) traf zum vorentscheidenden 2:0. - Bild: Natacha Pisarenko/AP/dpa
  • Mexikos Coach Javier Aguirre kann es selbst kaum fassen.  - Bild: Eduardo Verdugo/AP/dpa
    Mexikos Coach Javier Aguirre kann es selbst kaum fassen. - Bild: Eduardo Verdugo/AP/dpa
Mexikos Team feiert einen berauschenden WM-Abend. - Bild: Ricardo Mazalan/AP/dpa Für die Ehrenrunde nahmen sich die Mexikaner besonders viel Zeit.  - Bild: Fernando Llano/AP/dpa Raúl Jiménez (r) traf zum vorentscheidenden 2:0. - Bild: Natacha Pisarenko/AP/dpa Mexikos Coach Javier Aguirre kann es selbst kaum fassen.  - Bild: Eduardo Verdugo/AP/dpa

Über die Lautsprecher dröhnte «El Rey», der König. Auf den immer noch vollen Rängen der mexikanischen WM-Festung sangen die 80.000 Fans aus vollen Kehlen, auf der Prachtstraße Reforma feierten rund eine Million Menschen ihre Fußball-Helden nach dem ersten Sieg in einem Weltmeisterschafts-K.-o.-Spiel seit 40 Jahren. «Wir hatten schon große Siege, aber keinen wie diesen», sagte Trainer Javier Aguirre und wollte sich nach einem rundum gelungenen Abend noch ein Glas Whiskey gönnen. 

Seismische Ausschläge beim Jubel in Mexiko-Stadt

Der WM-Mitgastgeber darf nach einem phasenweise berauschenden Auftritt beim 2:0 gegen Deutschland-Bezwinger Ecuador mehr denn je von einem unvergesslichen WM-Sommer mit womöglich einem goldenen Sehnsuchtspokal träumen. Nun wartet im Achtelfinale England mit Thomas Tuchel oder die Demokratische Republik Kongo. 

«Um Weltmeister zu werden, muss man jeden Gegner schlagen, und darauf konzentrieren wir uns», tönte Stürmer Santiago Giménez bereits. Und der britische «Guardian» warnte: «Die Spieler von Javier Aguirre haben Ecuador mit einer atemberaubenden Leistung in der ersten Halbzeit auseinandergenommen, und nach dieser Vorstellung wehe dem, der als Nächstes auf sie trifft.» 

Der vierte Sieg im vierten WM-Spiel erneut ohne Gegentor hat Eindruck hinterlassen und Vorfreude geweckt. «Es wird wieder ein Wahnsinnsspiel werden», prophezeite Frankreichs Sportblatt «L'Équipe» unabhängig vom Gegner. Auch diese Partie wird in im Aztekenstadion steigen, wo «El Tri» noch kein einziges WM-Spiel verloren hat. 

Quiñones kontert Kritiker wegen Geburtslandes Kolumbien

Die beeindruckende Wucht des Stimmungstempels überträgt sich auf die Mannschaft. Medienberichten zufolge schlugen sogar Seismographen in der Metropole beim Treffer von Julián Quiñones in der 22. Minute aus. «Die harte Arbeit, der Zusammenhalt, unsere Familie – wir wissen, wie wir bisher gespielt haben», sagte Quiñones. 

Dass manche Mexikaner seinen Einsatz für die Nationalmannschaft angesichts seines Geburtslandes Kolumbien auch kritisch sehen, wollte er an diesem Jubelabend nicht weiter kommentieren: «Ich sage niemandem, er soll schweigen. Wenn ich schon nichts gesagt habe, als man mich kritisiert hat, werde ich es erst recht jetzt nicht tun», betonte der Angreifer, der das Tor zum 2:0-Endstand durch Raúl Jiménez (31.) auch noch vorbereitet hatte.

1986 hatte Mexiko zuletzt ein Alles-oder-Nichts-Spiel gewonnen. Es war am 15. Juni 1986, ebenfalls im Aztekenstadion, Mexiko besiegte Bulgarien 2:0 im Achtelfinale. In der Runde der besten Acht war Schluss gegen Deutschland im Elfmeterschießen von Monterrey. 

«Es mussten 40 lange Jahre voller Frust, schmerzhafter Rückschläge und Enttäuschungen vergehen, bis die mexikanische Nationalmannschaft endlich ein K.-o.-Spiel bei einer FIFA-Weltmeisterschaft gewinnen konnte», schrieb die mexikanische Zeitung «Esto». 

Lob und verbale Verneigung von internationalen Fußball-Legenden 

Die Erwartungen in Mexiko aber steigen mit jedem Sieg. Längst heißt es überall: «Und wenn doch!» Wenn Mexiko Weltmeister würde? Zum ersten Mal? 

Selbst Fußball-Größen wie Zlatan Ibrahimovic oder Thierry Henry waren hoch angetan vom Auftritt der Mexikaner. «Sie haben vom ersten Moment an gezeigt, wer der Boss im Ring ist. Mit den beiden Toren war das Spiel durch. Das war Mexikos beste Leistung», urteilte Schwedens einstiger Superstar Ibrahimovic als Experte des Senders Fox Sports. «Wow. Die ersten 30 Minuten waren einfach nur wow. Das ist genau das, wie du das Publikum mitnehmen willst», meinte Frankreichs ehemaliger Welt- und Europameister Henry. 

Erst Gewitter, dann wirbelt Wunder-Teenager Mora

Mexiko ließ sich weder von der einstündigen Verspätung nach einem schweren Gewitter aus dem Konzept bringen, noch von der einmal mehr gewaltigen Atmosphäre im ausverkauften Aztekenstadion mit 80.824 Zuschauern zu sehr antreiben. 

Gilberto Mora, Mexikos 17 Jahre alter Wunder-Teenager, wirbelte. Die Mannschaft spielte sich Chancen heraus, kontrollierte den Ball und ließ Ecuador, das durch ein 2:1 im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland gerade noch den Sprung in die K.-o.-Runde geschafft hatte, fast keine Chance. In der zweiten Halbzeit bewiesen die Mexikaner, die bei dieser WM in bisher vier Spielen kein Gegentor kassiert haben, auch Verwalter-Qualitäten. 

Als dann der Abpfiff ertönte, wollten die Spieler gar nicht vom Platz. Sie genossen jeden Schritt ihrer Ehrenrunde. «Wir sind bereit für alles, was wir uns vornehmen», sagte Mittelfeldspieler Erik Lira.

«Diese Erfahrung, die ich seit etwa einem Monat mache, werde ich für den Rest meines Lebens in Erinnerung behalten. Das hätte ich mir nie träumen lassen», betonte der Profi von CD Cruz Azul und machte auch noch den Fans eine Liebeserklärung: «Wir profitieren ziemlich stark von unserem Heimvorteil: Man steht auf dem Platz, schaut nach draußen und sieht bedingungslose Unterstützung. Das liebe ich.»

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