Deutschland, Hessen

BGH: Keine Werbung für Cannabis-Behandlung im Internet

26.03.2026 - 09:35:51 | dpa.de

Medizinisches Cannabis ist verschreibungspflichtig. Damit dürfen Anbieter nur bei einem kleinen Kreis dafür werben. Was das höchstrichterliche Urteil für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet.

Seit 2017 kann medizinisches Cannabis in Deutschland legal verschrieben werden. (Symbolbild) - Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Seit 2017 kann medizinisches Cannabis in Deutschland legal verschrieben werden. (Symbolbild) - Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Internetportale dürfen nicht für ärztliche Behandlungen mit medizinischem Cannabis werben. Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel sei in Deutschland verboten, erklärte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Dabei sei es ohne Belang, ob konkrete Produkte oder bestimmte Hersteller genannt werden, sagte der Vorsitzende Richter des ersten Zivilsenats, Thomas Koch. (Az. I ZR 74/25)

Unterlassungsklage der Wettbewerbszentrale 

Das Unternehmen Bloomwell mit Sitz in Frankfurt am Main bietet im Internet eine Vermittlung von Patienten an niedergelassene Ärzte für Behandlungen mit medizinischem Cannabis an und erhält von Ärzten eine Vergütung. Die Firma versteht ihr Angebot als Information über eine bestimmte Behandlungsform, und nicht als Werbung für ein Produkt. 

Die Wettbewerbszentrale war gegen Bloomwell vor Gericht gezogen, weil sie einen Verstoß gegen das Heilmittelwerberecht sieht. Für rezeptpflichtige Medikamente darf demzufolge nur bei Ärzten, Apothekern oder Arzneimittelhändlern geworben werden - nicht aber bei Patienten. Das Oberlandesgericht Frankfurt gab der Unterlassungsklage der Wettbewerbszentrale teils statt. Der BGH bestätigte die Entscheidung nun.

Bloomwell-Geschäftsführer Niklas Kouparanis sagte nach der Verkündung, dass mit der Entscheidung in die Informationsrechte der Verbraucher und Verbraucherinnen eingegriffen werde, da weniger Angaben zu medizinischen Cannabis veröffentlicht werden dürften. Aber immerhin sei die rechtliche Lage nun für das Unternehmen und die Wettbewerber geklärt. Aus seiner Sicht braucht es daher keine neuen Gesetze. 

Die Homepage vom Bloomwell sieht laut Kouparanis ohnehin nicht mehr so aus wie zum Zeitpunkt, als sie beanstandet wurde. «Diese Website, um die es dort geht, die existiert aktuell so nicht mehr.» Es seien nur wenige Änderungen nötig. Das Landgericht hatte 2024 ein erstes Urteil in dem Fall gesprochen. 

Bundesregierung plant Beschränkungen

Medizinisches Cannabis kann in Deutschland seit 2017 legal verschrieben werden. Laut Bundesärztekammer kann es bei dauerhaften Schmerzen helfen, bei Muskelkrämpfen bei Multipler Sklerose, Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie oder ungewolltem Gewichtsverlust, etwa bei Aids. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die psychoaktive Pflanze als Medikament künftig strenger regulieren, um Missbrauch einzudämmen.

Inflation diktiert die politischen Schlagzeilen. Wer schützt deine Ersparnisse?

Inflation diktiert die politischen Schlagzeilen. Wer schützt deine Ersparnisse?
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für immer kostenlos
politik | 68992375 |

Weitere Meldungen

BGH zieht klare Linie bei Cannabis-Werbung im Netz. Nun hat der BGH zwei Fälle geprüft. Werbung für medizinisches Cannabis und Online-Diagnosen aus Irland: Wie weit Unternehmen im Gesundheitsbereich gehen dürfen, beschäftigt immer wieder die Justiz. (Politik, 26.03.2026 - 11:54) weiterlesen...

Tarifgespräche für Chemiebranche gehen in heiße Phase. Die Kämpfe in Nahen Osten machen die Gespräche in dritter Runde nicht leichter. Arbeitgeber und Gewerkschafter verhandeln um mehr Geld für rund 585.000 Beschäftigte in der kriselnden Chemiebranche. (Wirtschaft, 24.03.2026 - 13:18) weiterlesen...

Commerzbank verlangt Klarheit von Unicredit. Besonders beim Thema Stellenabbau gibt es große Bedenken. Commerzbank-Chefin Orlopp fordert von Unicredit-Chef Orcel Klarheit über dessen Übernahmepläne. (Wirtschaft, 23.03.2026 - 15:21) weiterlesen...

ICE fährt gegen Baggerarm - Baggerfahrer verletzt. Die Bahnstrecke ist bis auf weiteres gesperrt. Schreck für die rund 650 Passagiere eines ICE bei Gelnhausen: Ihr Zug stößt mit einem Baggerarm zusammen, der Fahrer des Baufahrzeugs wird verletzt. (Unterhaltung, 23.03.2026 - 13:22) weiterlesen...

Baggerfahrer bei ICE-Unfall nahe Gelnhausen verletzt. Der Baggerfahrer ist leicht verletzt, Fahrgäste kamen nach ersten Erkenntnissen nicht zu Schaden. Nach einem Unfall eines ICE mit einem Bagger ist eine Bahnstrecke östlich von Frankfurt gesperrt. (Unterhaltung, 23.03.2026 - 11:32) weiterlesen...

Frühere Maple-Banker entgehen Cum-Ex-Prozess mit Geldauflage. Nun hat das Landgericht Frankfurt ein Verfahren gegen eine Millionenzahlung eingestellt. Die Maple Bank mit kanadischen Wurzeln spielte eine zentrale Rolle im Skandal mit illegalen Cum-Ex-Aktiendeals. (Wirtschaft, 23.03.2026 - 10:14) weiterlesen...