Berlin, Israel

Viele Tausend in Berlin gegen Gaza-Krieg auf der Straße

27.09.2025 - 16:25:17 | dpa.de

Ein Bündnis von etwa 50 Organisationen hat zu Protesten gegen die israelische Kriegsführung aufgerufen. Ihre Forderungen richten sich auch an die Bundesregierung.

Menschen trugen Fahnen und Schilder. - Foto: Annette Riedl/dpa
Menschen trugen Fahnen und Schilder. - Foto: Annette Riedl/dpa

Viele Tausend Menschen haben in Berlin gegen die israelische Kriegsführung im Gazastreifen protestiert. Am frühen Nachmittag versammelten sich nach ersten Schätzungen der Polizei etwa 18.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor dem Roten Rathaus zu einer Demonstration, die zu einer Kundgebung am Großen Stern im Tiergarten führen soll. 

Zeitgleich zog eine kleinere Gaza-Demo mit etwa 1.200 Menschen durch Kreuzberg, wie eine Polizeisprecherin sagte. Wesentliche Zwischenfälle gab es nach ihren Worten zunächst nicht. Die Polizei hat nach eigenen Angaben im ganzen Stadtgebiet etwa 1.800 Beamte im Einsatz.

Breites Bündnis hat aufgerufen

Zu der Großdemonstration in der Innenstadt hat ein Bündnis von etwa 50 Gruppen aufgerufen, darunter propalästinensische Gruppen, Medico International, Amnesty International und die Partei Die Linke. Gefordert wird unter anderem ein sofortiger Stopp deutscher Waffenexporte an Israel, Zugang für humanitäre Hilfe nach Gaza sowie EU-Sanktionen gegen Israel. 

In Berlin-Mitte hielt zum Auftakt auch die Linken-Bundesvorsitzende Ines Schwerdtner eine kurze Rede. Sie sprach von einem Völkermord in Gaza und von einer Mitschuld der Bundesregierung. «Kanzler und Minister reden, aber sie handeln nicht. Sie sprechen von 'Staatsräson', während Krankenhäuser in Schutt und Asche gelegt werden. Sie schweigen zum Völkermord – und machen sich mitschuldig.»

Schwerdtner betonte, die Kritik richte sich gegen die israelische Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. «Aber unsere Solidarität gilt den Menschen – in Palästina wie in Israel, die sich gegen die extrem rechte Regierung stellen», sagte die Linken-Vorsitzende. Sie forderte «die Freilassung der Geiseln und aller politischen Gefangenen».

Israelische Regierung weist Kritik zurück

Die israelische Regierung weist den Vorwurf des Völkermords strikt zurück. Auslöser des Gazakriegs war der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem etwa 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Die israelische Regierung reagierte mit großflächigen Bombardements und einer Bodenoffensive. Tausende Menschen wurden getötet. 

Internationale Organisationen und die Vereinten Nationen haben für Teile des Gazastreifens eine Hungersnot erklärt und immer wieder direkt Israels Abriegelung des Gebiets für den Mangel an Nahrung verantwortlich gemacht. Israels Regierung sagt dagegen, es würden ausreichend Lebensmittel in den Gazastreifen gebracht und wirft der Hamas vor, humanitäre Hilfe abzugreifen.

Viele rote Fahnen

Auf der Großdemo in Berlin-Mitte wurde in Sprechchören «Free, free Palestine», «Viva Palestina» und «Hoch die internationale Solidarität» skandiert. Auf Plakaten waren Forderungen wie «Gaza – Stoppt das Massaker», «Nie wieder für alle» und «Freiheit für Palästina» zu sehen. Viele trugen rote Fahnen und palästinensische Flaggen. Von einer Bühne ermahnte ein Organisator die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, keine Zeichen verbotener Organisationen zu zeigen und keine Sprüche zu skandieren, die ein Einschreiten der Polizei zur Folge hätten.

Den Vorwurf des Völkermords erhebt auch der jüdische Musiker Michael Barenboim, einer der Initiatoren der Demonstration. «'All Eyes on Gaza' hat das Ziel, den Protest gegen den Völkermord in Gaza auf der Straße sichtbar zu machen», sagte Barenboim dem Sender rbb. «Ich halte das jetzt nicht für eine drastische Beschreibung, denn das ist der Begriff, den fast alle Menschenrechtsorganisationen, fast alle Experten benutzen.»

Es stelle sich auch die Frage, ob Deutschland sich mitschuldig mache, sagte Barenboim, Konzertmeister des von seinem Vater Daniel Barenboim gegründeten West-Eastern-Divan Orchestra. «Völkermord verhindern und bestrafen, ist die Pflicht von uns allen.»

Kundgebung bis in den Abend hinein

Die Kundgebung am Großen Stern im Tiergarten soll um 17.00 Uhr beginnen und sich bis in den Abend ziehen. Barenboim soll dort auftreten, ebenso wie die Hiphopper K.I.Z. und Pashanim. 

Die Veranstalter haben 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet, rechnen aber mit noch mehr Menschen. Die bisher größte Gaza-Demonstration in Berlin zählte nach ihren Angaben 50.000 Menschen.

Inflation diktiert die politischen Schlagzeilen. Wer schützt deine Ersparnisse?

Inflation diktiert die politischen Schlagzeilen. Wer schützt deine Ersparnisse?
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für immer kostenlos
politik | 68227669 |

Weitere Meldungen

Hamas-Waffenlager in Europa: Haftstrafen für vier Mitglieder. Deswegen Angeklagte bestreiten in Berlin, damit etwas zu tun zu haben. Das Gericht glaubt ihnen nicht. Die Terrormiliz Hamas soll Anschläge in Europa planen und dafür Waffendepots angelegt haben. (Politik, 25.03.2026 - 14:43) weiterlesen...

Waffenlager in Europa: Haftstrafen für Hamas-Mitgliedschaft. Mehrfach sind in Deutschland Verdächtige verhaftet worden, die Waffen beschafft haben sollen. Nun gibt es ein Urteil. Die Terrororganisation Hamas ist nicht nur im Gazastreifen aktiv. (Politik, 25.03.2026 - 11:46) weiterlesen...

Mehrjährige Haftstrafen wegen Hamas-Mitgliedschaft (Politik, 25.03.2026 - 11:21) weiterlesen...

Klage von jüdischem Studenten gegen Uni abgewiesen. Ein jüdischer Student fühlt sich nicht mehr sicher und zieht vor Gericht. Der Gaza-Krieg sorgt auch an Berliner Hochschulen regelmäßig zu Protesten. (Politik, 23.03.2026 - 14:29) weiterlesen...

Klage von jüdischem Studenten gegen Uni - Urteil angekündigt. Sie haben nicht genug gegen antisemitische Diskriminierung unternommen, meint er. Ein jüdischer Student will nach Angriffen die FU in die Pflicht nehmen und zieht vor Gericht. (Politik, 23.03.2026 - 13:14) weiterlesen...

Gericht prüft Klage von jüdischem Studenten gegen Uni Ein jüdischer Student klagt nach Angriffen gegen die FU: Hat die Hochschule genug gegen antisemitische Diskriminierung unternommen? Dieser Frage geht das Verwaltungsgericht nach. (Politik, 23.03.2026 - 03:30) weiterlesen...