Deutschland, Klima

Abschied vom Öl? Klimaschützer spüren Rückenwind

21.04.2026 - 14:15:34 | dpa.de

Der Kampf gegen die Erderwärmung steht weltweit unter Druck, das weiß auch Umweltminister Carsten Schneider. Bei einer internationalen Konferenz gibt er sich dennoch entschlossen.

  • Greenpeace fordert bei einer Aktion am Veranstaltungsort die Abkehr von fossilen Energien. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
    Greenpeace fordert bei einer Aktion am Veranstaltungsort die Abkehr von fossilen Energien. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
  • Umweltminister Carsten Schneider hat den Klimadialog eröffnet. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
    Umweltminister Carsten Schneider hat den Klimadialog eröffnet. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
  • Der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien ist ein Thema beim Petersberger Klimadialog. (Archivbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
    Der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien ist ein Thema beim Petersberger Klimadialog. (Archivbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
  • Der türkische Umweltminister Murat Kurum nutzt die Berliner Bühne für einen Appell. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
    Der türkische Umweltminister Murat Kurum nutzt die Berliner Bühne für einen Appell. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
Greenpeace fordert bei einer Aktion am Veranstaltungsort die Abkehr von fossilen Energien. - Foto: Kay Nietfeld/dpa Umweltminister Carsten Schneider hat den Klimadialog eröffnet. - Foto: Kay Nietfeld/dpa Der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien ist ein Thema beim Petersberger Klimadialog. (Archivbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa Der türkische Umweltminister Murat Kurum nutzt die Berliner Bühne für einen Appell. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

Die Greenpeace-Aktivisten in Kajaks auf dem Wasser beim Berliner Konferenzzentrum am Westhafen hatten eine klare Botschaft: «Befreit euch von fossilen Energien». Drinnen klang Umweltminister Carsten Schneider fast genauso deutlich. Die Abhängigkeit von fossiler Energie wie Öl, Gas oder Kohle sei ein nicht zu kalkulierendes Risiko, auch für Deutschland, sagte der SPD-Politiker zur Eröffnung des 17. Petersberger Klimadialogs. «Erneuerbare Energiequellen sind dagegen Sicherheitsenergien.»

Der Klimadialog, der die nächste Weltklimakonferenz in der Türkei im November vorbereitet, fällt zusammen mit der weltweiten Energiepreiskrise wegen des Iran-Kriegs. Nach Jahren mit vielen Rückschlägen im Kampf gegen die Überhitzung der Erde fühlen Klimaschützer in Deutschland und andere «Willige» so etwas wie den Rückenwind der besseren Argumente: Ökostrom helfe eben nicht nur dem Klima, sondern auch der Unabhängigkeit von teuren Importen.

«Klimapolitik liefert Lösungen»

So argumentierte Schneider schon kurz vor Beginn der zweitägigen Konferenz mit etwa 30 Staaten. «Die Klimapolitik liefert die Lösungen, damit die nächste fossile Energiekrise weniger weh tut», sagte der SPD-Politiker. Längst gebe es mit erneuerbaren Energien, Elektromobilität und Wärmepumpen gute Gegenmittel. Auf einer Pressekonferenz formulierte Schneider es so: «Ich bin mir deshalb sicher: Diese aktuelle fossile Energiekrise wird als Beschleuniger wirken.»

UN-Klimachef Simon Stiell sieht das ähnlich. «Die Zusammenarbeit für das Klima ist der Schlüssel, um die doppelte Gefahr der globalen Erwärmung und des Kostenchaos durch fossile Energien abzuwehren», sagte Stiell. «Saubere Energie bietet Sicherheit und Bezahlbarkeit und gibt den Nationen und Völkern ihre Souveränität zurück. Nie war es wichtiger, schneller ins Handeln zu kommen.» Wie Schneider bezeichnete Stiell die Wende hin zu sauberen Energien als unumkehrbar.

Erheblicher Zuwachs an Ökostrom

Die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien Irena lieferte passend dazu Rekordzahlen für den Ausbau von Ökostrom weltweit. 2025 seien global 15,5 Prozent oder 692 Gigawatt zugebaut worden, so dass die insgesamt installierte Leistung nun bei 5.149 Gigawatt liege, erklärte Irena-Chef Francesco La Camera. «Heute basiert die Hälfte der weltweit installierten Stromkapazität auf erneuerbaren Energien.» 

Drei Viertel der neuen Kapazität nutze Solarenergie, gefolgt in weitem Abstand von Windkraft, erklärte er weiter. Die Preise seien drastisch gesunken. Nummer eins bei Erneuerbaren sei Asien mit 2.891 Gigawatt Kapazität, dahinter komme Europa mit 934 Gigawatt.

Bemühungen reichen nicht

Die Klimaschützer machen sich also Mut. Im Konkreten ist der internationale Prozess aber seit Jahren schwierig, nicht erst seit US-Präsident Donald Trump zu Beginn seiner zweiten Amtszeit 2025 erneut aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 ausstieg. Die bisherigen Bemühungen aller Länder zur Senkung ihrer Treibhausgase reichen bei weitem nicht aus für das Ziel, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. 

Bei der Klimakonferenz im brasilianischen Belém im November 2025 gelang kein konkreter Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Energien. Offen ist, ob eine für nächste Woche geplante Konferenz zum selben Thema im kolumbianischen Santa Rosa viel bringen wird. 

Nächste Runde in Antalya

Der türkische Umweltminister Murat Kurum, der gemeinsam mit seinem australischen Kollegen Chris Bowen die nächste UN-Klimakonferenz in Antalya vorbereitet, nutzte die Berliner Bühne für eine Mahnung. Er appellierte an alle Länder, die fälligen Meldungen für ihre nationalen Klimaziele einzureichen - 43 Staaten fehlten noch. Zugleich müssten die Geldgeber ihre Finanzierungszusagen für den globalen Klimaschutz einhalten und die Finanztöpfe auffüllen.

UN-Klimachef Stiell nannte weitere konkrete Schritte: die Beschleunigung des Netzausbaus, die Verminderung von Methan als besonders schädliches Klimagas und die Versorgung mit klimaresistenten Lebensmitteln kombiniert mit weniger Lebensmittelverschwendung.

UN-Generalsekretär António Guterres formulierte es in einer kurzen Videobotschaft an die Teilnehmer des Klimadialogs plakativ: «Wir können die Fehler der Vergangenheit wiederholen, oder wir können eine Revolution der Erneuerbaren von der Kette lassen. Lassen Sie uns die richtige Wahl treffen, für die Stabilität des Klimas, für Energiesicherheit, für eine lebenswerte Zukunft.»

«Menschen wollen Fortschritte»

Gastgeber Schneider weiß, dass noch nicht ausgemacht ist, ob der vermeintliche Rückenwind in der Krise stärker trägt als der politische Gegenwind. Der Druck gegen Klimapolitik sei überall spürbar, sagte der SPD-Politiker. «Gleichzeitig wollen die Menschen, dass wir Fortschritte beim Klimaschutz machen.» In Deutschland hätten in einer Umfrage kürzlich 70 Prozent der Menschen gesagt, es sei richtig, bis 2045 klimaneutral zu werden. «Nur weil die Gegner oft lauter sind, heißt es nicht, dass sie die Mehrheit sind», sagte Schneider.

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