Bundesgericht stärkt Rechte von Arbeitnehmern nach Arbeitsunfällen
03.02.2026 - 22:40:12Ein Bauarbeiter erhält nach schwerem Unfall seinen 13. Monatsgehalt – das Bundesarbeitsgericht entscheidet mit Signalwirkung für Millionen Beschäftigte. Der Grund: Die Fahrt zur Baustelle im Firmenwagen gilt als Teil der Arbeit.
Entscheidung mit weitreichenden Folgen
Das höchste deutsche Arbeitsgericht hat die Rechte von Beschäftigten gestärkt, die auf dem Weg zu externen Arbeitsstätten verunglücken. Im konkreten Fall ging es um einen Bauarbeiter, der 2021 schwer verletzt wurde, als der Firmenwagen auf dem Weg zur Autobahnbaustelle A3 verunglückte. Sein Arbeitgeber verweigerte daraufhin das vertraglich vereinbarte 13. Monatsgehalt – mit der Begründung, es handele sich um einen normalen Wegeunfall.
Doch das Gericht sah das anders. „Die Fahrt zur wechselnden Baustelle im bereitgestellten Fahrzeug ist kein privater Arbeitsweg, sondern betriebliche Tätigkeit“, so die Richter. Damit erfüllte der Unfall die Bedingungen des Tarifvertrags, der Ausnahmen für Arbeitsunfälle vorsieht.
Viele Arbeitgeber unterschätzen, welche Klauseln in Arbeitsverträgen akute Risiken bergen. Dieses BAG-Urteil macht deutlich: Eine enge oder unklare Formulierung zu „Wegeunfall“ oder Sonderzahlungen kann über Ansprüche wie das 13. Monatsgehalt entscheiden. Das kostenlose E‑Book erklärt praxisnah, welche Klauseln Sie jetzt prüfen und wie Sie Verträge rechtssicher anpassen – inklusive 19 fertiger Musterformulierungen für Arbeitsverträge. 19 fertige Muster-Formulierungen für rechtssichere Arbeitsverträge herunterladen
Der entscheidende Unterschied: Betriebsweg statt Wegeunfall
Im Kern der Entscheidung steht eine klare rechtliche Unterscheidung. Während ein Wegeunfall den direkten Weg zwischen Wohnung und regulärem Arbeitsort betrifft, handelt es sich bei einem Betriebsweg um eine Fahrt im unmittelbaren betrieblichen Interesse.
„Gerade in Branchen wie dem Baugewerbe, wo an wechselnden, oft abgelegenen Orten gearbeitet wird, ist die Anreise integraler Bestandteil der Tätigkeit“, begründete das Gericht. Die Tatsache, dass der Arbeitgeber den Transport organisierte und das Fahrzeug stellte, unterstrich diesen Status zusätzlich.
Mehr als nur Leistungsprämie: Der Charakter von Sonderzahlungen
Die Entscheidung berührt auch grundsätzliche Fragen zum Wesen von Sonderzahlungen. Im deutschen Arbeitsrecht haben Zusatzzahlungen wie das 13. Monatsgehalt häufig einen Doppelcharakter: Sie belohnen nicht nur erbrachte Leistungen, sondern auch die Betriebstreue.
Wäre die Zahlung rein leistungsbezogen, könnte ein Arbeitgeber bei Ausfallzeiten kürzen. Doch wenn sie auch die Loyalität zum Unternehmen honoriert, entfällt dieser Anspruch nicht automatisch – schon gar nicht, wenn die Arbeitsunfähigkeit aus einem betrieblichen Risiko resultiert.
Branchenübergreifende Konsequenzen
Rechtsexperten sehen in dem Urteil Signalwirkung weit über das Baugewerbe hinaus. Betroffen sind alle Branchen, in denen Beschäftigte zu wechselnden Kundenstandorten, abgelegenen Projekten oder externen Einsatzorten mit firmenorganisiertem Transport fahren.
„Das mit notwendigen Dienstreisen verbundene Risiko liegt beim Arbeitgeber“, macht das Urteil deutlich. Eine Verweigerung vertraglich zugesicherter Boni aufgrund einer engen Auslegung von „Arbeitsunfall“ ist in solchen Situationen nicht mehr haltbar.
Neue Maßstäbe für Tarifverhandlungen
Das Urteil setzt einen klaren Maßstab für die Auslegung von Arbeitsunfall-Klauseln in Tarifverträgen. Es ist zu erwarten, dass künftige Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden diese geklärte Definition von Betriebsweg berücksichtigen werden.
Unternehmen sollten ihre bestehenden Vereinbarungen und internen Richtlinien überprüfen, um sie mit dieser Rechtsprechung in Einklang zu bringen. Das Urteil unterstreicht den Grundsatz: Der Weg zur Arbeit kann im rechtlichen Sinne durchaus die Arbeit selbst sein.
PS: Unternehmen, Betriebsräte und Personaler sollten jetzt handeln – hierzu gibt es einen praxisorientierten Leitfaden mit konkreten Formulierungsvorschlägen für Tarif- und Betriebsvereinbarungen. Der Leitfaden zeigt, wie Sie interne Regelungen schnell prüfen und rechtssicher anpassen, um Nachzahlungen und Streitfälle zu vermeiden. Jetzt kostenlosen Arbeitsvertrag-Guide mit Musterformulierungen sichern


