Gold, Zentralbanken

Gold: Zentralbanken kaufen 345 Tonnen

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 04:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Goldpreis legt leicht zu, während hohe Zinserwartungen belasten. Zentralbankkäufe und geopolitische Risiken stützen den Markt weiterhin.

Goldpreis unter Druck: Fed-Zinssorgen treffen auf Zentralbankkäufe
Stapel von Goldbarren auf einem dunklen Holztisch in einem Tresorraum. Illustration mit AI erstellt.

Die US-Notenbank Federal Reserve hält die Edelmetallmärkte nach ihrer jüngsten Zinsentscheidung in Atem. Es mehren sich die Warnungen vor einer hartnäckigen Teuerung.

Für das zinslose Edelmetall bedeutet dieser straffere Kurs spürbaren Gegenwind. Am Dienstag schloss der Goldpreis bei 4.360,58 USD je Feinunze, was einem verhaltenen Tagesplus von 0,5 Prozent entsprach.

Fed-Vertreter dämpfen Zinshoffnungen

Mehrere Vertreter der Notenbank bekräftigten zu Wochenbeginn ihre Entschlossenheit im Kampf gegen die Teuerungsrisiken. Laut Alberto Musalem von der St. Louis Fed könnte eine anhaltend robuste Nachfrage weitere Zinsschritte erfordern. Beide halten eine längere Phase restriktiver Zinsen für denkbar.

An den Terminmärkten schlägt sich diese Haltung deutlich nieder. Laut Daten der CME Group preisen Händler die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinsanhebung bis Dezember mit rund 90 Prozent ein.

Diese Erwartungshaltung stützt die Renditen von Staatsanleihen und verleiht der US-Währung zusätzlichen Auftrieb. Für internationale Investoren steigen damit die Opportunitätskosten, da zinslose Edelmetalle im Vergleich zu festverzinslichen Papieren an relativer Attraktivität verlieren. Spekulatives Kapital zog sich in den vergangenen Handelstagen daher spürbar aus dem Markt zurück.

Zentralbanken federn den Zinsdruck ab

Gleichzeitig verhindern fundamentale Faktoren einen tieferen Einbruch der Notierungen. Allen voran stützt der offizielle Sektor den Markt weiterhin in beachtlichem Ausmaß. Nach Angaben des World Gold Council summierten sich die weltweiten Nettoankäufe der Zentralbanken im ersten Halbjahr auf 345 Tonnen. Vor allem Schwellenländer diversifizieren ihre Währungsreserven gezielt abseits westlicher Staatsanleihen.

Diese Käufe erfolgen strategisch und weitgehend unabhängig von kurzfristigen Zins- oder Wechselkursbewegungen. Neben den Notenbanken griffen zuletzt auch Privatanleger und physisch gedeckte Indexfonds wieder beherzter zu. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten verloren nach diplomatischen Signalen rund um die Straße von Hormus zuletzt etwas an Schärfe. Dennoch bleibt das übergeordnete Sicherheitsbedürfnis der Marktteilnehmer hoch.

Analysten zwischen Anpassung und Optimismus

Bei den Prognosen der großen Banken zeigt sich entsprechend ein geteiltes Bild. Das Analysehaus Bernstein senkte seine langfristige Zielmarke für das Jahr 2030 von 6.100 auf 5.600 USD je Feinunze. Das Haus führte diesen Schritt rein auf das veränderte Zinsumfeld zurück. Bernstein-Analyst Bob Brackett betonte, dass die physische Nachfrage der Notenbanken der eigentliche Motor des Marktes bleibe.

Deutlich optimistischer positioniert sich Standard Chartered. Rohstoffexpertin Suki Cooper verwies auf die Widerstandsfähigkeit der Anlageklasse gegenüber steigenden Nominalrenditen. Nach ihrer Einschätzung greifen die traditionellen Korrelationen zwischen Realzinsen und dem Goldpreis nur noch eingeschränkt.

Konsolidierung unterhalb der Höchststände

Vom bisherigen Rekordniveau bleibt der Markt dennoch spürbar entfernt. Mit einem Abstand von 22 Prozent zum 52-Wochen-Hoch konsolidiert das Edelmetall seine vorangegangene Rekordjagd. Vor der nächsten Zinsentscheidung Ende Oktober rücken vor allem die kommenden US-Inflations- und Arbeitsmarktdaten in den Fokus. Sollte der Preisdruck hoch bleiben, dürften die Zinssorgen das Geschehen am Goldmarkt weiterhin dominieren.

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