Gold: Deutsche Bank sieht 4.600 Dollar
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 22:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gold trotzt am Montag einem Umfeld, das eigentlich für eine Verschnaufpause sprechen würde. Der Dollar zieht an, die US-Anleiherenditen steigen, und vor den anstehenden Inflationsdaten wird das Zinsrisiko wieder höher eingepreist. Trotzdem arbeitet sich der Goldterminmarkt erneut an die Marke von 4.400 Dollar heran — nach einem Wochenplus von rund sieben Prozent eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit.
Aktuell notiert die Feinunze bei etwa 4.369 Dollar. Silber zieht deutlich kräftiger an und springt um mehr als zwei Prozent auf über 65 Dollar. Zwei Faktoren halten den Goldpreis oben: die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus und die Erwartung einer lockereren Fed-Politik nach schwachen Arbeitsmarktdaten.
Hormus-Blockade und Fed-Daten als Treiber
Die US-Notenbank steht unter Druck. Der überraschende Verlust von 23.000 Stellen im Juli und nach unten revidierte Zahlen für Mai und Juni haben die Zinssenkungserwartungen befeuert. Gleichzeitig bleibt die Lage am Golf angespannt — Iran verhandelt zwar mit Oman über neue Schifffahrtsrouten, macht die vollständige Wiedereröffnung der Straße von Hormus aber von US-Zugeständnissen abhängig, etwa der Aufhebung von Sanktionen. Die politische Unsicherheit hält die Nachfrage nach dem sicheren Hafen hoch, während steigende Ölpreise das Aufwärtspotenzial von Gold zugleich begrenzen.
Im Fokus der Woche steht die US-Verbraucherpreisstatistik. Sie dürfte darüber entscheiden, wie stark die Fed ihren geldpolitischen Kurs tatsächlich lockert — und damit, wie viel Rückenwind Gold über niedrigere Realzinsen erhält.
Deutsche Bank bekräftigt Jahresendziel
Die Deutsche Bank hält an ihrem Kursziel von 4.600 Dollar zum Jahresende fest. Stratege Michael Hseuh beschreibt den Goldmarkt seit August 2024 als in einer "explosiven" Preisphase befindlich, die seiner Einschätzung nach anhält. Ausgehend vom aktuellen Niveau entspräche das Ziel einem Potenzial von rund sechs Prozent.
Hseuh stützt seine Prognose auf drei Modelle mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Ein Vergleich mit inflationsbereinigten Wachstumsraten anderer Rohstoffe liefert rechnerisch nur rund 2.600 Dollar. Ein ökonometrischer Bubble-Test verortet mögliche Wendepunkte bei 3.700 und 6.400 Dollar. Ein Fair-Value-Modell kommt auf 4.700 Dollar, wurde aber wegen nachlassender Notenbank-Käufe nach unten korrigiert — weshalb die Bank letztlich bei 4.600 Dollar bleibt.
Genau dieser Punkt könnte zum entscheidenden Faktor werden. Laut einer Umfrage des World Gold Council erwarten 89 Prozent der globalen Zentralbanken, ihre Goldreserven im kommenden Jahr auszubauen, ein Rekordanteil von 45 Prozent plant konkret eigene Zukäufe. Ob sich dieser Trend in den kommenden Monaten fortsetzt, dürfte mitentscheiden, ob das Deutsche-Bank-Ziel von 4.600 Dollar bis Jahresende erreichbar bleibt.
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