WHO, Krise

WHO warnt vor globaler Krise der psychischen Gesundheit

16.02.2026 - 18:39:12 | boerse-global.de

Die WHO fordert einen Paradigmenwechsel, da fast eine Milliarde Menschen betroffen sind, aber nur zwei Prozent der Gesundheitsbudgets für psychische Versorgung ausgegeben werden.

Fast eine Milliarde Menschen leben mit einer psychischen Erkrankung – doch die Versorgungssysteme sind dramatisch unterfinanziert. Das zeigt der neue Fokus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf psychische Gesundheit, der Anfang Februar vorgestellt wurde. Die Organisation schlägt Alarm und fordert einen grundlegenden Wandel.

Besonders die COVID-19-Pandemie hat die Lage verschärft. Sie ließ Angstzustände und Depressionen im ersten Jahr schätzungsweise um 25 Prozent ansteigen. Diese Effekte halten an. Besorgniserregend ist die Situation bei jungen Menschen: In der europäischen WHO-Region lebt jedes siebte Kind oder Jugendlicher mit einer psychischen Erkrankung. Suizid bleibt eine der häufigsten Todesursachen in der Altersgruppe von 15 bis 29 Jahren.

Trotz des enormen Bedarfs fließen weltweit durchschnittlich nur zwei Prozent der Gesundheitsbudgets in die psychische Versorgung. Diese Kluft zwischen körperlicher und seelischer Gesundheit muss sich schließen, so die dringende Botschaft.

Digitale Hilfen – aber nicht für alle

Digitale Technologien gelten als große Hoffnung, um Versorgungslücken zu schließen. Apps, digitale Therapeutika (DTx) und Virtual-Reality-Therapien boomen und bieten niederschwelligen Zugang zu Unterstützung.

Doch diese Revolution birgt eine Gefahr: Sie könnte bestehende Ungleichheiten verschärfen. Während in reichen Ländern massiv in „Mental Health Tech“ investiert wird, fehlt ärmeren Regionen oft die grundlegende Infrastruktur. Experten warnen vor einer wachsenden digitalen Kluft in der Gesundheitsversorgung. Zudem mangelt es bei vielen Apps an globaler Regulierung, was Fragen zu Datenschutz und Wirksamkeit aufwirft.

Ein Paradigmenwechsel ist nötig

Angesichts dieser komplexen Herausforderungen fordert die WHO einen radikalen Kurswechsel. Psychische Gesundheit dürfe kein isoliertes Gesundheitsproblem mehr sein. Nötig sei ein „Whole-of-Government“-Ansatz, der psychisches Wohlbefinden in allen Politikbereichen verankert – von der Bildung über die Arbeitswelt bis zur sozialen Sicherheit.

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Dieser Ansatz ist auch wirtschaftlich geboten. Allein Angststörungen und Depressionen kosten die Weltwirtschaft schätzungsweise eine Billion US-Dollar pro Jahr durch Produktivitätsverluste. Investitionen in psychische Gesundheit sind daher keine Wohltätigkeit, sondern eine Notwendigkeit.

Der Appell: Gleiche Priorität für die Seele

Die WHO fordert nun konkrete Taten:
* Eine deutliche Aufstockung der Finanzmittel, besonders in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.
* Die Integration psychischer Dienste in die allgemeine Gesundheitsversorgung.
* Mehr Forschung und bessere Daten, um politische Entscheidungen zu untermauern.

Die Botschaft ist eindeutig: Der psychischen Gesundheit muss weltweit endlich die gleiche Priorität eingeräumt werden wie der körperlichen. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Weltgemeinschaft diesen Appell ernst nimmt.

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