Fachkräfte, Regierung

Österreich setzt auf Fachkräfte statt 4-Tage-Woche

19.02.2026 - 21:00:12

Die österreichische Regierung konzentriert ihre Arbeitsmarktpolitik auf eine dreigliedrige Fachkräftestrategie, um den Personalmangel zu bekämpfen. Die Debatte um eine generelle Arbeitszeitverkürzung wird vorerst zurückgestellt.

Die österreichische Regierung verschiebt den Fokus der Arbeitsmarktpolitik. Arbeitsministerin Korinna Schumann kündigte diese Woche eine umfassende Fachkräftestrategie an. Damit reagiert die Koalition auf den akuten Personalmangel von rund 200.000 Stellen. Die hitzige Debatte um eine generelle 4-Tage-Woche rückt vorerst in den Hintergrund.

Drei Säulen gegen den Personalmangel

Ab März entwickelt die Regierung eine Offensive auf drei Ebenen: eine Qualifizierungsoffensive, die Stärkung der Lehrausbildung und die gezielte Anwerbung internationaler Talente. „Es geht darum, das inländische Potenzial besser auszuschöpfen und den Standort attraktiver zu machen“, so Schumann. Nicht das vorhandene Arbeitsvolumen neu zu verteilen, sondern es durch mehr qualifizierte Kräfte zu erhöhen – das ist der neue Ansatz.

Doch reichen arbeitsmarktpolitische Maßnahmen allein? Die Ministerin betont, dass auch Rahmenbedingungen wie Kinderbetreuung und Mobilität verbessert werden müssen. Ein klares Signal an die Wirtschaft, die eine pauschale Arbeitszeitverkürzung als Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit sieht.

Sozialpartner in Grundsatzfrage zerstritten

Während die Regierung ihren Kurs ändert, bleiben die Fronten zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern verhärtet. Arbeiterkammer (AK) und Gewerkschaftsbund (ÖGB) fordern weiter eine Reduktion der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich. Sie argumentieren mit besserer Gesundheit, mehr Work-Life-Balance und einer gerechteren Verteilung von Arbeit. Ein Modell der Voestalpine, bei dem kürzere Zeiten zu Neueinstellungen führten, dient als Vorbild.

Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) hält dagegen. Sie bezeichnet eine generelle Verkürzung als „volkswirtschaftliches Todesurteil“. Diese würde den Fachkräftemangel verschärfen und die Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Stattdessen fordert die WKO Anreize für mehr Arbeitsstunden, etwa durch steuerlich begünstigte Überstunden.

Flexibilität statt pauschaler Lösungen

Bereits umgesetzte Gesetzesänderungen zeigen die Richtung der Regierung. Seit Jahresbeginn müssen Arbeitgeber die Wochenarbeitszeit melden, was Kontrollen erleichtert. Überstunden wurden steuerlich attraktiver gemacht. Neue Modelle wie die „Teilpension“ sollen ältere Arbeitnehmer länger im Beruf halten.

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Die Botschaft ist klar: Der Fokus liegt auf Flexibilität und der Mobilisierung aller Reserven. Die angekündigte Fachkräftestrategie wird nun in den kommenden Monaten mit den Sozialpartnern ausgearbeitet. Ihr Erfolg könnte die Debatte um die 4-Tage-Woche entscheidend beeinflussen – oder sie im Herbst in den Kollektivvertragsverhandlungen wieder auf die Spitze treiben.

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