Gold: China kauft 15 Tonnen
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 23:00 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Juli 2026 nachgibt, bauen mehrere Notenbanken ihre Bestände in ungebrochenem Tempo aus. Die Feinunze notiert aktuell bei 4.118,80 US-Dollar und verliert damit 0,33 Prozent im Tagesvergleich, nachdem sie am Donnerstag noch mit 4.132,40 US-Dollar aus dem Handel gegangen war. Auf Wochensicht steht ein Minus von 1,64 Prozent zu Buche, während sich der Preis auf Monatssicht mit einem leichten Plus von 0,60 Prozent stabilisiert. Seit Jahresbeginn bleibt aber ein Rückgang von 5,14 Prozent stehen.
Kurskorrektur trotz Nahost-Eskalation
Bemerkenswert ist, dass selbst neue Spannungen zwischen den USA und dem Iran den Goldpreis kaum stützen. Trotz laufender Angriffe setzen beide Seiten technische Gespräche fort, wobei Washington dem Iran die Entwicklung von Atomwaffen untersagt und dem Land zugleich eine Öl-Lizenz entzogen hat. Die Lage rund um die Straße von Hormus bleibt angespannt, dennoch beruhigt sich der Ölmarkt tendenziell. Als Belastungsfaktor wirken stattdessen mehrere Fed-Vertreter: Chicago-Fed-Präsident Goolsbee warnte, dass Erwartungen rund um den KI-Boom die Inflation weiter anheizen könnten, Fed-Gouverneurin Cook signalisierte Bereitschaft zu einer Zinserhöhung, sollte sich der Preisdruck nicht abschwächen, und auch Vize Jefferson sowie Minneapolis-Fed-Chef Kashkari betonten aufwärtsgerichtete Inflationsrisiken. Damit rutschte Gold bereits den dritten Handelstag in Folge ab. Der UBS-Chefanlagestratege Mark Haefele rechnet dennoch mittelfristig mit fallenden US-Anleiherenditen, da die Ölpreise seiner Einschätzung nach unter den Kriegshöchstständen bleiben dürften und sich die Inflation im Jahresverlauf abschwächen sollte – ein Umfeld, das Gold grundsätzlich Rückenwind geben könnte.
Der Blick auf die technischen Marken zeigt das Ausmaß der Korrektur: Vom 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar, erreicht am 29. Januar 2026, trennen den Goldpreis inzwischen 26,80 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 3.901,30 US-Dollar vom 28. Oktober 2025 beträgt der Abstand dagegen nur noch 5,58 Prozent. Auch die gleitenden Durchschnitte signalisieren fortgesetzten Abwärtsdruck: Der 50-Tage-Schnitt liegt bei 4.365,31 US-Dollar, der 200-Tage-Durchschnitt bei 4.539,07 US-Dollar – jeweils deutlich über dem aktuellen Niveau. Der RSI von 43,4 deutet auf eine neutrale bis leicht angeschlagene Marktverfassung hin, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität mit 27,01 Prozent das nervöse Umfeld unterstreicht.
Notenbanken bauen Bestände weiter aus
Während private Anleger zurückhaltender werden, kaufen offizielle Institutionen unbeirrt weiter. China hat im Juni rund 480.000 Unzen beziehungsweise etwa 15 Tonnen Gold erworben – der größte Monatszukauf seit Oktober 2023 und bereits der 20. Monat in Folge mit steigenden Reserven. Die gesamten chinesischen Goldbestände belaufen sich damit auf rund 2.346 Tonnen. Polens Notenbank NBP hat laut Kitco News seit Jahresbeginn 2026 bis zum 10. Juli 82 Tonnen zugekauft, davon rund 19 Tonnen allein im Juni. Notenbankgouverneur Glapi?ski begründete dies damit, gezielt bei Preisrückgängen zuzugreifen; Polen strebt einen Bestand von 700 Tonnen an und liegt aktuell bei 632,4 Tonnen. Eine Umfrage des World Gold Council zufolge planen 45 Prozent der Zentralbanken, ihre Goldreserven weiter aufzustocken.
Parallel dazu verschiebt sich die Lagerung physischer Bestände. Indien hat im laufenden Finanzjahr 2026 mehr als 168 Tonnen Gold zurückgeholt und den im Ausland gehaltenen Anteil von 55 auf 22 Prozent gesenkt. Frankreich zog 129 Tonnen aus dem New Yorker Fed-Tresor ab und lagert dort inzwischen kein Gold mehr. Die Bestände der New York Fed sind damit auf rund 6.330 Tonnen gesunken, verglichen mit 13.000 Tonnen im Jahr 1973. Mittlerweile verwahren 59 Prozent der Zentralbanken ihr Gold im eigenen Land, gegenüber 41 Prozent im Jahr 2024.
Analysten uneins über die nächste Etappe
Die Prognosen der Investmentbanken gehen inzwischen weit auseinander. Laut Goldreporter reicht die Spanne von der Deutschen Bank mit 4.000 US-Dollar bis zur UBS mit 6.200 US-Dollar, während JP Morgan sein Ziel von ursprünglich 5.708 auf 5.243 US-Dollar gesenkt hat. Die Analysten von DBS zeigen sich dagegen zunehmend optimistisch und haben ihre Kursziele angehoben: 5.000 US-Dollar für das dritte Quartal 2026, 5.300 US-Dollar für das vierte Quartal, gefolgt von 5.600 und 5.900 US-Dollar in den ersten beiden Quartalen 2027. Das Analysehaus Metals Focus rechnet für den Sommer zunächst mit einer Konsolidierungsphase, sieht danach aber Raum für eine deutliche Erholung, gestützt von US-Geldpolitik, geopolitischen Spannungen und dem anhaltenden KI-Investitionsboom, der die Inflation hochhalte. In Indien reagieren Juweliere auf die Preisschwankungen bereits mit Rabatten von bis zu 19 US-Dollar je Unze – ein Zeichen dafür, dass die kurzfristige Nachfrage auf Konsumentenebene unter der Volatilität leidet, während die strukturelle Nachfrage der Zentralbanken unvermindert anhält.
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