USA verweigerten jahrelang Rückgabe der NSDAP-Kartei
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 13:05 Uhr | dts-nachrichtenagentur.deDas geht aus Unterlagen hervor, die sich im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes und im Bundesarchiv finden, wie der "Spiegel" berichtet.
Demnach hatte die Regierung von Kanzler Helmut Schmidt (SPD) und Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) 1978 beschlossen, eine Rückgabe der Kartei und anderer NS-Dokumente anzustreben. Die Papiere wurden von den Amerikanern im Berlin Document Center (BDC) in West-Berlin aufbewahrt. 1980 vereinbarten Diplomaten aus Bonn und Washington einen Vertragsentwurf, den die Amerikaner jedoch nie unterschrieben. Ein US-Spitzendiplomat gestand später ein, das US-Außenministerium habe gehofft, eine Einigung über die Rückgabe des BDC werde nicht zustande kommen, und appellierte an die Deutschen, das BDC "möglichst zu vergessen".
US-Behörden suchten damals nach NS-Kriegsverbrechern in den USA und fürchteten, nur noch begrenzten oder gar keinen Zugang mehr zu den BDC-Unterlagen zu bekommen, wenn diese erst wieder in deutschem Besitz wären.
Als nach dem Mauerfall 1989 die Bundesregierung erneut auf eine Übergabe drängte, warnte der Berlin-Referent im US-Außenministerium, Charles Skinner, deutsche Diplomaten: Sein Ministerium wolle wirklich bei der Herstellung der deutschen Einheit helfen, die Deutschen sollten aber besser "vermeiden, dass in der amerikanischen Öffentlichkeit Themenkomplexe hochkommen, die dabei störend wirken".
Erst 1994 kam es zur Übergabe des BDC und der NSDAP-Kartei. Selbst zu diesem Zeitpunkt war das Misstrauen auf amerikanischer Seite groß, die Deutschen könnten die Kartei vernichten. Dieter Kastrup, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, versicherte daher in einem Brief an die US-Botschaft in Bonn, dass "alle Dokumente so erhalten bleiben, wie sie zum Zeitpunkt der Übergabe vorhanden sind".
