Wer wird Nachfolger von UN-Generalsekretär Guterres?
01.04.2026 - 04:45:07 | dpa.deDie Herausforderungen für den künftigen UN-Generalsekretär sind riesig: Es gibt zahlreiche Krisen, Konflikte und Kriege in einer immer unübersichtlicheren Welt. Zugleich sinkt das Budget der Organisation dramatisch.
Ende 2026 läuft die zweite und letzte Amtszeit von António Guterres an der Spitze der Vereinten Nationen aus. Gesucht wird ein Nachfolger des Portugiesen, der den Posten seit 2017 innehat - oder eine Nachfolgerin. Noch nie in der gut 80-jährigen Geschichte der UN gab es eine Frau in dem Amt.
Bis heute können Nominierungen eingereicht werden. Wie geht es dann weiter?
Wer sind die Kandidaten und Kandidatinnen?
MICHELLE BACHELET: Die 74-jährige frühere chilenische Präsidentin, die schon in verschiedenen Funktionen für die UN gearbeitet hat, wurde von Chile gemeinsam mit Brasilien und Mexiko nominiert. Ihr chilenisches Heimatland zog die Unterstützung für Bachelet unter dem neuen rechtspolitischen Präsidenten José Antonio Kast später wieder zurück.
RAFAEL GROSSI: Der 65 Jahre alte Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wurde von seinem Heimatland Argentinien nominiert.
REBECA GRYNSPAN: Die 70 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftlerin und frühere Vizepräsidentin von Costa Rica wurde von ihrem Heimatland nominiert.
MACKY SALL: Der 64 Jahre alte frühere Präsident des Senegals wurde von Burundi nominiert.
Wer waren die bisherigen Generalsekretäre?
Vor Guterres gab es schon acht: Trygve Lie aus Norwegen (1946-1952), Dag Hammarskjöld aus Schweden (1953-1961), U Thant aus dem heutigen Myanmar (1961-1971), Kurt Waldheim aus Österreich (1972-1981), Javier Pèrez de Cuèllar aus Peru (1982-1991), Boutros Boutros-Ghali aus Ägypten (1992-1996), Kofi Annan aus Ghana (1997-2006) und Ban Ki Moon aus Südkorea (2007-2016).
Was sind die Kriterien für eine Kandidatur?
Grundsätzlich kann sich jeder für den Posten bewerben - er oder sie muss aber von einem Mitgliedsland offiziell nominiert werden. Traditionell rotiert das Amt zwischen den Weltregionen und diesmal wäre Lateinamerika an der Reihe. Das ist allerdings nicht offiziell festgeschrieben und es gab bereits Stimmen, die das offen halten wollen.
Was beim Blick auf die bisherigen Generalsekretäre auffällt: Bislang wurden die Vereinten Nationen noch nie von einer Frau geführt. Das kritisieren viele Beobachter und wünschen sich eine weibliche Guterres-Nachfolge. Sehr deutlich hat sich die ehemalige deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) in diese Richtung geäußert. In ihrer aktuellen Position als Präsidentin der UN-Generalversammlung hat sie bei dem Prozess zumindest logistisch und hinter den Kulissen ein Wort mitzureden.
Wie läuft der Auswahlprozess ab?
Offiziell begonnen hat der Prozess mit einem Brief von Baerbock und dem Vorsitzenden des UN-Sicherheitsrates - zum damaligen Zeitpunkt der UN-Botschafter von Sierra Leone, Michael Imran Kanu - an die Mitgliedsstaaten am 25. November 2025. Seitdem durften Nominierungen offiziell eingereicht werden, konnten aber auch jederzeit wieder zurückgezogen werden.
Jetzt, da sich eine Gruppe von Kandidaten und Kandidatinnen gefunden hat, soll es Mitte April Vorstellungs- und Dialogrunden geben, die per Livestream übertragen werden. Schließlich berät der Sicherheitsrat und einigt sich auf eine Person - die von der Generalversammlung dann noch offiziell per Abstimmung abgesegnet werden muss. Gegen Herbstbeginn dürfte es ein Ergebnis geben.
Gibt es Kritik am Auswahlprozess - oder Reformvorschläge?
Es gibt viel Kritik und auch viele Reformvorschläge - es hat sich aber auch schon viel getan. Am häufigsten wurde stets kritisiert, dass der Prozess zu intransparent sei. Daraufhin wurden die Vorstellungs- und Dialogrunden eingeführt, zudem muss nun jeder Kandidat für jeden einsehbar seinen Lebenslauf sowie einen kurzen Abriss über seine finanzielle Situation und ein Papier zu seiner Vision für das neue Amt vorlegen.
Trotzdem: Entschieden werde letztendlich doch im Sicherheitsrat hinter verschlossenen Türen und vor allem mal wieder von den fünf Veto-Mächten Russland, USA, Frankreich, China und Großbritannien, kritisieren viele UN-Beobachter. Das lasse den Großteil der Mitgliedsstaaten außen vor. Der frühere UN-Generalsekretär Ban schlug kürzlich etwa vor, dem UN-Chef künftig nur noch eine, dafür aber eine siebenjährige Amtszeit zu gewähren. Damit sei er unabhängiger von den Veto-Mächten, die auch bei der Entscheidung über eine zweite Amtszeit das Sagen haben.
Wie wird die Arbeit vom derzeitigen UN-Chef Guterres bewertet?
Der Portugiese bekommt von vielen Seiten Lob für seine Arbeit und sein großes Engagement. So steuerte er die Vereinten Nationen beispielsweise durch die Corona-Pandemie und muss die Organisation derzeit durch die wohl größte Budgetkrise ihrer 80-jährigen Geschichte führen. Für sein letztes Jahr hat er angekündigt, das Budget um rund 15 und die Zahl der Mitarbeiter um fast 20 Prozent kürzen zu müssen, vor allem auch wegen der nachlassenden Unterstützung der USA.
Aber immer wieder merkte Guterres auch, wie schwierig die Arbeit als oberster UN-Diplomat sein kann. Vor allem mit Israel eckte der Portugiese immer wieder an.
Wer auch immer ihm nachfolgt - was sind die Herausforderungen?
Die Herausforderungen sind riesig - und vielleicht kniffliger denn je. Vom nächsten UN-Generalsekretär wird erwartet, eine immer stärker gespaltene Welt, in der es immer mehr Zweifel und Kritik am Multilateralismus gibt, zusammenzuhalten und wieder enger zusammenzuführen. Kriege, Konflikte und Krisen müssen gelöst werden - ob Iran, Gaza, Ukraine oder Sudan - und der Bedarf an humanitärer Hilfe nimmt stetig zu.
Darüber dürfen die großen Herausforderungen wie die Klimakrise oder die Künstliche Intelligenz nicht vergessen werden - und all das mit dramatisch sinkendem Budget. Die finanzielle Situation sei «sehr schwierig», sagte ein Sprecher von Guterres jüngst. «Unser Finanzverantwortlicher schläft, glaube ich, überhaupt nicht mehr während er versucht, hier im Gebäude das Licht anzubehalten.»
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
Für. Immer. Kostenlos.

