Pakistan drängt auf neue Iran-USA-Gespräche
14.04.2026 - 15:16:24 | dpa.deNach den abgebrochenen Friedensgesprächen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran arbeitet Pakistan an einer Wiederaufnahme der Verhandlungen. Islamabad wolle die Gespräche so bald wie möglich, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus pakistanischen Diplomatenkreisen.
Auch China, Ägypten, Saudi-Arabien und die Türkei seien mit beiden Kriegsparteien im Gespräch. Die Länder hätten einen Vorschlag eingebracht, noch in dieser Woche in Islamabad weiterzuverhandeln, hieß es. Den Angaben zufolge hat China dem Iran geraten, sich auf weitere Gespräche einzulassen. Eine offizielle Bestätigung über neue Verhandlungen liegt bisher nicht vor. UN-Generalsekretär António Guterres sagte in New York: «Die Anzeichen deuten darauf hin, dass es höchst wahrscheinlich ist, dass diese Gespräche wieder aufgenommen werden.» Unbestätigten Berichten zufolge steht ein zweites Treffen an diesem Donnerstag im Raum.
Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron rief US-Präsident Donald Trump und den iranischen Präsidenten Massud Peseschkian in Telefonaten zur Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen auf. Es müssten Missverständnisse ausgeräumt und weitere Eskalationen vermieden werden, so Macron.
USA und Iran liegen noch weit auseinander
Die USA und der Iran hatten am Wochenende in Islamabad erstmals seit Kriegsbeginn direkte Gespräche unter Vermittlung Pakistans geführt, die ohne greifbares Ergebnis zu Ende gingen. US-Vizepräsident JD Vance sprach danach dennoch von echten Fortschritten. Er sieht jedoch den Iran am Zug, beim Thema Atomprogramm einzulenken. Medienberichten zufolge liegen die Forderungen der beiden Seiten weit auseinander.
Den USA geht es laut Vance vor allem um zwei Dinge: hochangereichertes Uran außer Landes zu schaffen und Teheran daran zu hindern, erneut Uran anzureichern. In diesen beiden Punkten seien die Iraner auf die USA zugegangen. «Aber sie haben sich nicht weit genug bewegt», sagte Vance. Ob und wann es zu weiteren Verhandlungen kommt, ließ er auf Nachfrage offen.
Die iranische Seite sprach unter anderem von «überzogenen Forderungen» der USA. Der iranische Präsident Massud Peseschkian machte erneut die USA für das Scheitern der Friedensgespräche verantwortlich. Übertriebene Forderungen und der «mangelnde politische Wille hochrangiger US-Beamter» hätten eine Einigung verhindert, sagte Peseschkian laut einem Bericht des staatlichen englischsprachigen Senders PressTV im Telefonat mit Frankreichs Präsident Macron.
Streit um Straße von Hormus
US-Präsident Donald Trump verschärft derweil die Gangart gegen die Führung in Teheran. Er verwehrt Schiffen in der Straße von Hormus die Passage, sofern sie iranische Häfen als Ziel oder Startpunkt haben. Zuvor hatten die Machthaber in Teheran die für den internationalen Öltransport wichtige Meerenge bereits weitestgehend blockiert. Wie Macron betonte, sei die Wiedereröffnung der Straße von Hormus ohne Bedingungen, Kontrollen und Mautgebühren eine der Voraussetzungen für die Wiederaufnahme von Verhandlungen zur Beendigung des Iran-Kriegs.
Frankreich und Großbritannien organisierten am Freitag eine Videokonferenz von nicht am Konflikt beteiligten Ländern, um über eine rein defensive Mission zu beraten, die eine freie Schifffahrt durch die Straße von Hormus ermöglichen soll, sobald die Sicherheitslage dies zulässt. Macron hatte zuletzt von einem guten Dutzend Länder gesprochen, die sich an einer solchen Initiative beteiligen wollten. Wer genau bei der Konferenz dabei ist, blieb zunächst unklar.
In der Hoffnung auf eine Einigung zwischen den USA und dem Iran sanken unterdessen die Ölpreise leicht. Am Morgen wurden für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee 98,62 US-Dollar gezahlt und damit 0,74 Prozent weniger als am Vortag. Noch stärker fiel der Preis für Rohöl aus den USA. Hier ging die Notierung am Morgen um 1,72 Prozent auf 97,38 Dollar zurück.
Weltbank warnt vor negativen Folgen des Kriegs
Weltbank-Vorstand Paschal Donohoe warnte angesichts des Iran-Krieges vor dem Verlust von Millionen von Arbeitsplätzen und einem erschwerten Zugang zu Nahrungsmitteln in Schwellen- und Entwicklungsländern. «Wir sind sehr besorgt über die Auswirkungen, die dieser Konflikt auf die Verfügbarkeit und die Preise von Lebensmitteln haben könnte», sagte der Ex-Chef der Eurogruppe der Deutschen Presse-Agentur. Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen könnten bis Mitte 2026 bis zu 45 Millionen Menschen zusätzlich wegen des Krieges hungern.
Im Zuge des Nahost-Konfliktes könnten Donohoe zufolge zudem bis zu 15 Millionen Jobs verloren gehen. «Jeder Tag, an dem der Konflikt andauert, bringt uns näher an das obere Ende unserer Schadensprognosen», sagte er.
Donohoe: Vor der Inflation ist nach der Inflation
Die Schwellen- und Entwicklungsländer müssten sich auf einen zusätzlichen Inflationsschock von bis zu knapp vier Prozent einstellen. Viele Länder, die sich erst vom vergangenen Inflationsanstieg erholt hatten, seien nun erneut mit einer drastischen Teuerungsrate konfrontiert, sagte Donohoe. Grund dafür ist die anziehende Inflation infolge der Sperre der Straße von Hormus, die einen Einbruch des Rohstoffangebots zur Folge hat.
Kurzfristig sei die Weltbank in der Lage, betroffenen Regierungen mit 20 bis 25 Milliarden US-Dollar unter die Arme zu greifen, sagte der frühere irische Finanzminister. Die Mittel zur Stabilisierung von Haushalten und Sicherung der Grundversorgung müssten dafür aus anderen Investments umverteilt werden.
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