USA, Russland

Berichte: Laut CIA kein Angriff Kiews auf Putins Residenz

01.01.2026 - 05:41:43 | dpa.de

Nach Anschuldigungen Moskaus werden Erkenntnisse der US-Geheimdienste zum angeblichen Angriff der Ukraine auf Putins Residenz öffentlich. An den Fronten wird auch zum Jahreswechsel weiter gekämpft.

Die Ukraine hat nach Erkenntnissen von US-Sicherheitsbeamten nicht die Residenz von Kremlchef Putin angegriffen. (Archivfoto) - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa
Die Ukraine hat nach Erkenntnissen von US-Sicherheitsbeamten nicht die Residenz von Kremlchef Putin angegriffen. (Archivfoto) - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Der US-Geheimdienst CIA hat Medienberichten zufolge die Erkenntnis erlangt, dass die Ukraine weder den russischen Präsidenten Wladimir Putin ins Visier genommen noch eine seiner Residenzen angegriffen hat. Das berichteten das «Wall Street Journal» sowie die Sender PBS und CNN unter Berufung auf namentlich nicht genannte Vertreter der US-Regierung. Damit widerspricht der US-Auslandsgeheimdienst schweren Vorwürfen aus Moskau vom Montag. Zunächst hatte auch Präsident Donald Trump nach einem Gespräch mit Putin die Ukraine wegen des angeblichen Angriffs kritisiert.

Unterdessen begrüßten Putin und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj das neue Jahr mit sehr unterschiedlichen Erwartungen an die Zukunft. Die Kämpfe an der Front sowie gegenseitige Drohnenangriffe gingen auch in der Neujahrsnacht weiter. 

Russland legt angebliche Beweise für Angriff vor

Kiew hat vehement bestritten, eine Residenz Putins angegriffen zu haben. Die Ukraine sah in Moskaus Behauptung einen russischen Vorwand, den Krieg trotz laufender Verhandlungen um eine Friedenslösung weiter fortzusetzen und erneut auch Regierungsgebäude in Kiew angreifen zu wollen. 

Russland präsentierte am Mittwoch erstmals mögliche Beweise für den Angriff, darunter Reste einer mutmaßlich ukrainischen Drohne. Der ukrainische Auslandsgeheimdienst sprach von gefälschten Karten und Attrappen. Viele Experten bezweifeln ebenfalls, dass der von Russland geschilderte Angriff so stattgefunden hat. 

Trump von CIA-Chef über Erkenntnisse unterrichtet

Das «Wall Street Journal» berichtete unter Berufung auf US-Beamte, der umstrittene ukrainische Drohnenangriff habe einem militärischen Ziel in derselben Region wie Putins Residenz gegolten - allerdings nicht in der Nähe des Anwesens. Dies werde auch von einer Analyse der CIA belegt, hieß es.

Die Sender PBS und CNN berichteten, Trump sei am Mittwoch von CIA-Chef John Ratcliffe über die Erkenntnisse des Geheimdienstes unterrichtet worden. Am selben Tag (Ortszeit) teilte der US-Präsident dann überraschend einen sehr russlandkritischen Artikel auf seiner Plattform Truth Social. Das Boulevardblatt «New York Post» befasst sich in dem Kommentar mit «Putins "Angriffs-"Getöse» und bezeichnet den Kremlchef als die eigentliche Hürde auf dem Weg zum Frieden.

Unter anderem heißt es dort, jeder Angriff auf Putin sei «mehr als gerechtfertigt». «Wir brauchen seine Krokodilstränen nicht, stattdessen sollte der Druck erhöht werden». Es wird dafür plädiert, dass Russland keine weiteren Zugeständnisse gemacht werden sollten, sondern ein härteres Vorgehen nötig sei. 

Moskau sprach von «Terroranschlag» auf Putins Residenz

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte am Montag von einem versuchten «Terroranschlag» gesprochen. Er sprach von 91 ukrainischen Drohnen mit größerer Reichweite, die Russlands Flugabwehr abgeschossen habe. Putins außenpolitischer Berater, Juri Uschakow, sagte später, der Kremlchef habe Trump telefonisch über einen versuchten ukrainischen Drohnenangriff gegen seine Präsidentenresidenz im Gebiet Nowgorod informiert. Der Kreml hoffe auf Verständnis der USA, dass Russland nun seine Position bei den Verhandlungen überdenke. 

Laut russischen Medien handelt es sich bei dem behaupteten Angriffsziel um Putins Waldai-Residenz, die im Gebiet Nowgorod zwischen Moskau und St. Petersburg liegt. Dort soll Putin oft seine Wochenenden mit der Familie verbringen. Sein Privatleben aber hütet der Kreml wie ein Staatsgeheimnis. Für den russischen Präsidenten stehen in vielen Teilen des flächenmäßig größten Landes der Erde verschiedene Residenzen zur Verfügung. 

Neujahrsansprache Putins: Glauben an Sieg

Putin gab sich in seiner Neujahrsansprache siegessicher. «Ich gratuliere unseren Kämpfern und Kommandeuren zum beginnenden Neuen Jahr! Wir glauben an sie und an unseren Sieg», sagte Putin laut einem von Staatsmedien veröffentlichten Text der aufgezeichneten Videoansprache.

Die russischen Soldaten, denen die Ukraine Kriegsverbrechen vorwirft, bezeichnete Putin erneut als «Helden». Von den Verhandlungen mit den USA über eine Beendigung des Krieges oder der Hoffnung auch vieler Russen auf Frieden war keine Rede in der Botschaft.

Mit dem neuen Jahr erhöhte Russland die Mehrwertsteuer, um den Krieg finanzieren zu können. Ab heute greift die jüngst beschlossene Erhöhung der Steuer von 20 auf 22 Prozent.

Selenskyj glaubt an Frieden

Selenskyj hob in seiner Neujahrsbotschaft unterdessen seinen Glauben an den Frieden hervor. Das auslaufende Jahr sei geprägt gewesen «von der Treue und Standhaftigkeit, den Prinzipien und der täglichen Arbeit der Ukrainer», teilte er auf Facebook und der Plattform X mit. 

Man gehe nun gemeinsam weiter «mit dem, was uns zusammenhält: Erfahrung und Erinnerung, unsere Muttersprache, Hoffnung und Glaube.» Er erklärte: «Wir glauben an den Frieden, kämpfen dafür und arbeiten dafür.»

Angriffe auch in Neujahrsnacht

Sowohl Russland als auch die Ukraine überzogen das jeweilige Nachbarland in der Neujahrsnacht mit Drohnenangriffen. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete, eine Kampfdrohne sei kurz vor Mitternacht im Anflug auf die Hauptstadt abgeschossen worden. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, bis zum Abend seien Dutzende ukrainische Drohnen abgeschossen worden. In Kiew wurde kurz vor dem Jahreswechsel Luftalarm wegen anfliegender Drohnenschwärme ausgelöst. Im südlichen Odessa wurden Medienberichten zufolge erneut Energieanlagen getroffen.

Witkoff bespricht mit Europäern nächste Schritte

Nächste Schritte auf dem Weg zu einem Ende des Ukraine-Krieges besprach nach eigenen Angaben der US-Sondergesandte Steve Witkoff mit dem außenpolitischen Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Günter Sautter, und anderen Vertretern Europas. Dabei sei es unter anderem um eine Stärkung von Sicherheitsgarantien und die Entwicklung «effektiver Deeskalationsmechanismen» gegangen, schrieb Witkoff auf X. Das Telefonat bezeichnete er - wie auch schon frühere Begegnungen - als «produktiv».

Die Ukraine wehrt sich seit fast vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen den von Putin befohlenen Angriffskrieg gegen das Nachbarland.

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