Venezuela-Oppositionsführerin María Corina Machado plant baldige Rückkehr und Präsidentschaftskandidatur
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 02:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die venezolanische Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado will möglichst bald nach Venezuela zurückkehren, um den politischen Wandel in ihrem Heimatland aktiv mitzugestalten.
Machado sieht Zeitpunkt für Rückkehr gekommen
„Der Zeitpunkt für meine Rückkehr ist gekommen“, sagte die liberale Politikerin in einem Interview des „Wall Street Journal“. Sie betonte, sie könne den politischen Prozess nicht von außen leiten. Einen konkreten Termin nannte die 58-Jährige allerdings nicht. Der Startbefehl zur Abreise könne „in zehn Minuten oder in zehn Tagen kommen - oder noch später“ erfolgen.
Machado hält sich derzeit in Panama-Stadt auf. Sie hatte Venezuela im Dezember des vergangenen Jahres heimlich verlassen, um an der Nobelpreisverleihung in Oslo teilzunehmen. Seitdem ist sie nicht mehr in ihre Heimat zurückgekehrt.
Debatte um Rückkehr und Rolle der USA
Im Juni wollte Machado nach dem Erdbeben in Venezuela in ihr Heimatland zurückkehren. Die US-Regierung, die eng mit der Regierung der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez zusammenarbeitet, hielt diesen Schritt Medienberichten zufolge zunächst für unangebracht. Mittlerweile erklärte US-Außenminister Marco Rubio jedoch, Machado könne jederzeit nach Venezuela zurückkehren.
Gleichzeitig bemüht sich die Oppositionsführerin nach eigenen Angaben darum, Befürchtungen in Washington zu zerstreuen, ihre Anwesenheit könne den Übergangsprozess stören. „Genau das Gegenteil ist der Fall“, sagte sie.
Pläne für Präsidentschaftswahlen und Bürgerversammlungen
Für ihre Rückkehr hat Machado nach eigenen Angaben konkrete Pläne. Oberste Priorität ihres Teams sei es, die Voraussetzungen für rasche Präsidentschaftswahlen zu schaffen, bei denen sie selbst kandidieren will. Dafür müssten die Wählerverzeichnisse aktualisiert werden.
Nach Machados Vorstellungen sollen Tausende Bürgerversammlungen im ganzen Land stattfinden, um Ideen für einen nationalen Übergangsplan zu sammeln. Sie kündigte an, im Rahmen ihres Wahlkampfes alle 23 Bundesstaaten Venezuelas zu bereisen.
Kritik an Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez
In ihren jüngsten Äußerungen zeigt sich Machado zunehmend direkt in ihrer Kritik an der Chefin der Übergangsregierung. Sie erklärte, Delcy Rodríguez stehe für Chaos und alles, was diese bisher getan habe, sei unter Zwang erfolgt. Damit verstärkt die Oppositionspolitikerin den politischen Gegensatz, während sie zugleich auf ihre baldige Rückkehr vorbereitet.
Oppositionsführerin im Exil
María Corina Machado gilt seit Jahren als eine der zentralen Figuren der venezolanischen Opposition gegen das autoritär regierende Lager um die Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez. Ihr Aufenthalt außerhalb des Landes und die nun angekündigte Rückkehr markieren einen sensiblen Moment, weil die politische Führung Venezuelas Oppositionsakteure in der Vergangenheit immer wieder mit Repressionen, Entzug politischer Rechte und juristischen Verfahren konfrontiert hat. Die Tatsache, dass Machado als Friedensnobelpreisträgerin internationale Aufmerksamkeit genießt, verstärkt den politischen Druck auf Caracas.
Übergangsprozess und Präsidentschaftswahlen
Die von Machado betonte Priorität schneller Präsidentschaftswahlen und aktualisierter Wählerverzeichnisse zeigt, wie zentral die Frage eines legitimen und anerkannten Wahlprozesses für die Stabilität Venezuelas ist. In den vergangenen Jahren waren Wahlen immer wieder Gegenstand internationaler Kritik, etwa wegen ungleicher Wettbewerbsbedingungen, eingeschränkter Medienfreiheit und mangelnder Transparenz. Dass Machado ihren Anspruch auf eine Kandidatur klar formuliert und gleichzeitig Bürgerversammlungen und eine Tour durch alle 23 Bundesstaaten plant, deutet auf eine Mobilisierung der Zivilgesellschaft hin, die über klassische Parteistrukturen hinausgeht.
Internationale Dimension und mögliche Folgen
Die Rolle der USA, die zunächst von einer Rückkehr angesichts des Erdbebens abrieten und nun durch Außenminister Marco Rubio signalisieren, Machado könne jederzeit heimkehren, macht deutlich, wie stark der venezolanische Übergangsprozess außenpolitisch eingebettet ist. Für Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass sich die Lage im Land, aber auch in der Region, in kurzer Zeit verändern kann: Mögliche Präsidentschaftswahlen unter Beteiligung Machados könnten den Kurs Venezuelas bei Wirtschaft, Migration und internationalen Bündnissen neu ausrichten. Zugleich bleibt offen, wie die Übergangsregierung auf eine Rückkehr einer profilierten Oppositionsführerin reagiert und ob dies den Konflikt eher entschärft oder neue Spannungen auslöst.
