Kuba, USA

Warum Ex-Präsident Raúl Castro in Kuba so wichtig ist

22.05.2026 - 04:09:03 | dpa.de

Der Revolutionär bleibt trotz fehlender Ämter eine zentrale Figur in Kuba – sowohl für die Regierung als auch im Umgang mit Washington. Die Anklage der USA gegen ihn verschärft die Spannungen.

  • Raúl Castro wird am 3. Juni 95 Jahre alt. (Archivbild) - Foto: Ismael Francisco/AP/dpa
    Raúl Castro wird am 3. Juni 95 Jahre alt. (Archivbild) - Foto: Ismael Francisco/AP/dpa
  • Die Brüder Fidel (l) und Raúl Castro (r) waren die Anführer der kubanischen Revolution. (Archivbild) - Foto: Alejandro Ernesto/EPA/dpa
    Die Brüder Fidel (l) und Raúl Castro (r) waren die Anführer der kubanischen Revolution. (Archivbild) - Foto: Alejandro Ernesto/EPA/dpa
  • Das kubanische Militär kontrolliert den Großteil der Wirtschaft auf Kuba - auch den Tourismus. (Archivbild) - Foto: Ramon Espinosa/AP/dpa
    Das kubanische Militär kontrolliert den Großteil der Wirtschaft auf Kuba - auch den Tourismus. (Archivbild) - Foto: Ramon Espinosa/AP/dpa
  • Der frühere US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle waren 2016 in Havanna zu Besuch. (Archivbild)  - Foto: picture alliance / dpa
    Der frühere US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle waren 2016 in Havanna zu Besuch. (Archivbild) - Foto: picture alliance / dpa
Raúl Castro wird am 3. Juni 95 Jahre alt. (Archivbild) - Foto: Ismael Francisco/AP/dpa Die Brüder Fidel (l) und Raúl Castro (r) waren die Anführer der kubanischen Revolution. (Archivbild) - Foto: Alejandro Ernesto/EPA/dpa Das kubanische Militär kontrolliert den Großteil der Wirtschaft auf Kuba - auch den Tourismus. (Archivbild) - Foto: Ramon Espinosa/AP/dpa Der frühere US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle waren 2016 in Havanna zu Besuch. (Archivbild)  - Foto: picture alliance / dpa

Raúl Castro ist ein Kämpfer der ersten Stunde: Er war schon dabei, als sein Bruder Fidel Castro die Karibikinsel Kuba im Jahr 1959 in einen sozialistischen Brückenkopf direkt vor den Toren der USA verwandelte. Fast sieben Jahrzehnte später will sich US-Präsident Donald Trump das Ärgernis 145 Kilometer entfernt von Florida endgültig vom Leib schaffen, und der 94 Jahre alte kubanische Ex-Präsident steht wieder im Fokus des Konflikts mit den Vereinigten Staaten. Warum ist er so wichtig?

Obwohl Raúl Castro sich – abgesehen von seinem eher symbolischen Sitz in der Nationalversammlung – schon seit einigen Jahren aus der aktiven Politik zurückgezogen hat, fiel sein Name zuletzt immer wieder. Sei es im Zusammenhang mit vertraulichen Gesprächen zwischen der US-Regierung und Havanna oder wegen der Anklage, die die USA kürzlich gegen den General a.D. erhoben haben. 

Dabei geht es um den Abschuss von zwei Cessna-Flugzeugen einer exilkubanischen Organisation durch die kubanische Luftwaffe im Jahr 1996, bei dem vier Menschen ums Leben kamen. Castro war damals Verteidigungsminister. Der amtierende US-Justizminister Todd Blanche will ihn dafür in den Vereinigten Staaten vor Gericht bringen. «Wir erwarten, dass er sich entweder freiwillig oder auf andere Weise hier einfinden wird», sagte er in Miami. Nähere Angaben dazu machte er nicht. 

Der jüngere Bruder des verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro ist in Kuba nicht irgendjemanden. «Raúl es Raúl» (Raúl ist Raúl), heißt es derzeit oft in den sozialen Netzwerken der kubanischen Regierung als Reaktion auf die Anklage der USA. Er steht für das politische Erbe seiner Familie, die das Schicksal der Insel über ein halbes Jahrhundert prägte.

Raúl Castro war bei der Landung der Jacht «Granma» zu Beginn der Revolution in Kuba mit der ersten Handvoll Rebellen sowie als Guerillakämpfer gegen die Diktatur von Fulgencio Batista in den Bergen der Sierra Maestra dabei. Später wurde er mächtiger Militärchef und Präsident. Er gilt weiterhin als Schlüsselfigur auf der Insel, obwohl er seit einigen Jahren weder ein Regierungsamt noch eine Führungsposition in der Kommunistischen Partei innehat.

Raúl Castro hat Einfluss auf die Wirtschaft und das Militär 

Raúl Castro regierte Kuba ab 2006 zunächst provisorisch, später offiziell zwischen 2008 und 2018. Während seiner Amtszeit kam es zu einigen wirtschaftlichen Reformen sowie zu einem vorsichtigen Tauwetter in den Beziehungen zur US-Regierung unter dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama. 2016 empfing er Obama in Havanna zum ersten Besuch eines US-Präsidenten auf Kuba seit mehr als 80 Jahren.

 

Als langjähriger Verteidigungsminister von 1959 bis 2008 und bedeutendster verbliebener Vertreter der Guerillageneration verfügt Raúl Castro über großen Einfluss innerhalb des Militärs. Er prägte auch die heutige Wirtschaftsstruktur Kubas, in der das Militär über den Konzern Gaesa große Teile der Wirtschaft kontrolliert – darunter Tourismus, Bauwesen, Hafenlogistik und Finanzdienstleistungen.

Rubio ist vom Verlauf der Verhandlungen enttäuscht 

Nach Einschätzung von Experten wollen die USA mit den Vorwürfen gegen Raúl Castro den Druck auf Kuba weiter erhöhen, um wirtschaftliche und politische Reformen im Sinne der US-Interessen zu forcieren. US-Außenminister Marco Rubio zeigte sich zuletzt wenig optimistisch hinsichtlich einer Einigung mit Havanna. «Die Wahrscheinlichkeit, dass das geschieht, ist angesichts der Menschen, mit denen wir es derzeit zu tun haben, nicht hoch», sagte er. Einer dieser Menschen, auf die er sich bezieht, dürfte Raúl Castro sein. 

Im März sagte der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel, dass Castro an der Gestaltung des Verhandlungsprozesses mit Washington beteiligt sei. Ein Enkel Castros, der als sein engster Vertrauter gilt, soll Medienberichten zufolge Washingtons Hauptansprechpartner sein – oder gewesen sein. Ohne Castros Zustimmung dürfte sich derzeit auf dem Verhandlungstisch wenig bewegen.

Kuba-Experte: Die Fronten dürften sich verhärten

Die US-Enttäuschung über die Verhandlungen, die kaum vorankommen, und die Anklage fallen zeitlich zusammen. Einige Kuba-Experten halten einen US-Militäreinsatz wie im Januar in Venezuela zur Gefangennahme des inzwischen entmachteten Staatschefs Nicolás Maduro für unwahrscheinlich. Auch Rubio bevorzugt eine friedliche Lösung. «Das ist immer unsere Präferenz», sagte der US-Außenminister.

Die Anklage gegen Raúl Castro dürfte die Fronten allerdings weiter verhärten, wie der mexikanische Kuba-Experte Ricardo Pascoe im Podcast «Broojula» sagte. Nicht nur unter den Exilkubanern in Miami, sondern auch auf Kuba hat sich die Rhetorik verschärft. 

Kuba hat heute zu einer Kundgebung vor der US-Botschaft in Havanna zur Unterstützung von Castro aufgerufen. Die «Helden des Vaterlandes» dürfe man nicht missachten, schrieb Präsident Díaz-Canel auf der Plattform X in Bezug auf Castro. Der erneute Angriff der USA habe die Kubaner noch enger zusammengebracht, und den antiimperialistischen Geist des Landes gestärkt, sagte er. «Der General ist Kuba, und Kuba verdient Respekt.»

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | ausland | 69396231 |

Weitere Meldungen

Rubio: Einigung mit Kuba ist aktuell unwahrscheinlich. US-Außenminister Rubio gibt nun einen Einblick, wie es dabei aus seiner Sicht läuft. Die USA erhöhen seit Monaten den Druck auf Kuba und führen auch seit längerem Gespräche mit Havanna. (Ausland, 21.05.2026 - 18:29) weiterlesen...

USA verschärfen Druck auf Kuba mit Klage gegen Ex-Staatschef. Havanna wittert hinter der Anklage gegen Raúl Castro einen Vorwand. Donald Trumps Regierung lässt Kubas Ex-Präsidenten in die USA zitieren - freiwillig oder «auf andere Weise». (Ausland, 21.05.2026 - 02:33) weiterlesen...

USA erheben Anklage gegen den Kubas Ex-Präsidenten Raúl Castro Das US-Justizministerium hat den ehemaligen kubanischen Präsidenten Raúl Castro angeklagt.Die Vorwürfe gegen den Bruder von Fidel Castro wurde am Mittwoch veröffentlicht. (Ausland, 20.05.2026 - 20:12) weiterlesen...

USA kündigen Klage gegen Kubas Ex-Staatschef Raúl Castro an. Jetzt kommt der nächste Schlag. Donald Trump hat eine Übernahme Kubas ins Spiel gebracht - und den Druck auf die sozialistische Karibikinsel massiv erhöht. (Ausland, 20.05.2026 - 20:03) weiterlesen...

US-Regierung: Klage gegen Kubas Ex-Staatschef Raúl Castro (Ausland, 20.05.2026 - 19:42) weiterlesen...

USA bieten Kubanern neue Art der Beziehung an. Washington will ein neues Kapitel aufschlagen - direkt mit den Bürgern, nicht mit der kommunistischen Regierung. Am Unabhängigkeitstag wendet sich US-Außenminister Rubio direkt an die Kubaner. (Ausland, 20.05.2026 - 16:03) weiterlesen...