Ukraine, Russland

Wie wirkt sich der Iran-Krieg auf den Ukraine-Konflikt aus?

05.03.2026 - 05:00:19 | dpa.de

Der Krieg im Nahen Osten wirkt sich auch auf Russlands Invasion in der Ukraine aus. Moskau und Kiew bekommen dabei die Folgen auf unterschiedliche Weise zu spüren.

Der Iran-Krieg gefährdet auch den ukrainischen Nachschub mit US-amerikanischen Patriot-Raketen. (Archivbild) - Foto: Jens Büttner/dpa
Der Iran-Krieg gefährdet auch den ukrainischen Nachschub mit US-amerikanischen Patriot-Raketen. (Archivbild) - Foto: Jens Büttner/dpa

Der Krieg im Iran stellt das Kampfgeschehen in der Ukraine derzeit in den Schatten. Auch wenn Moskau und Kiew an dem Konflikt im Nahen Osten nicht direkt beteiligt sind, betreffen die Ereignisse dort aber die Kriegsparteien ganz konkret. Zu den Folgen der Angriffe von USA und Israel gegen den Iran auf den Ukraine-Krieg einige Fragen und Antworten:

Wie wichtig ist der Iran für Russland als Verbündeter im Ukraine-Krieg?

Der Iran war vor allem in den ersten Kriegsjahren als Waffenlieferant im Ukraine-Krieg wichtig. Moskau, das die Entwicklung von Drohnen verschlafen hatte, erhielt ab Sommer 2022 Kampfdrohnen des Typs Shahed aus Teheran. Iraner haben russische Soldaten beim Umgang damit trainiert. Später half das Land beim Aufbau einer Drohnenproduktion in Russland. 

Zu den iranischen Lieferungen zählten auch Patronen und Artilleriemunition sowie - Medienberichten zufolge - ab 2024 sogar Raketen. 2025 schlossen beide Seiten eine «strategische Partnerschaft», wobei etwa ein Drittel des 47 Paragrafen umfassenden Vertrags der Kooperation bei Militär, Rüstung und Sicherheit gewidmet ist. Der genaue Umfang der gegenseitigen Waffenlieferungen bleibt im Dunkeln. 

Muss Russland nun Ressourcen für den Iran aufwenden?

Zumindest sieht die strategische Partnerschaft kein verpflichtendes militärisches Eingreifen Russlands auf der Seite des Irans vor. Kurz vor dem Angriff der USA und Israels sollen verstärkt russische Waffenlieferungen an den Iran gegangen sein. Kriegsentscheidend seien diese allerdings nicht, meint Nikita Smagin, Autor eines Blogs der US-Denkfabrik Carnegie. Auch für den Krieg in der Ukraine dürften diese Lieferungen unbedeutend sein, da Moskau bereits vorher den Bedürfnissen der Front alles andere untergeordnet hat.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat der Krieg im Nahen Osten für Russland?

Während Russland die Angriffe der USA und Israels politisch verurteilte, dürfte es wirtschaftlich davon profitieren. Die Öl- und Gaspreise sind wegen der Unsicherheit im Nahen Osten drastisch gestiegen. Russland könnte auch die Exportmengen steigern - für Ausfuhren etwa nach China, Indien oder in die Türkei. Für den von einem hohen Defizit gezeichneten russischen Etat ist das gut - mehr als ein Viertel der geplanten Einnahmen stammt aus dem Verkauf fossiler Rohstoffe. Damit hätte Russland dann auch wieder mehr Mittel zur Finanzierung seines Kriegs. Denn bei den Ausgaben gehen knapp 40 Prozent des Haushalts in Militär, Rüstung und nationale Sicherheit.

Muss die Ukraine nun um westliche Militärhilfen fürchten?

In Kiew ist die Angst da, bei einem sich hinziehenden Iran-Krieg wichtige Unterstützung zu verlieren. «Ja, fraglos beunruhigt uns diese Frage, und daher sind wir im Kontakt mit unseren Partnern», sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montag. Es gab Telefonate mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU). 

Neben der finanziellen Unterstützung betrifft dies insbesondere die wichtigen Lieferungen für Flugabwehrraketen, die auch am Golf für die US-amerikanischen Patriot-Systeme gebraucht werden. Mit diesen schoss die ukrainische Flugabwehr bisher russische ballistische Raketen ab; Verzögerungen beim Nachschub hatten im Januar nach Angaben aus Kiew verheerende Folgen.

Kann die Ukraine mit ihren Kenntnissen im Drohnenkampf im Iran-Krieg eingreifen?

Nach dem Beginn iranischer Drohnenangriffe auf die Golf-Staaten schlug Selenskyj vor, ukrainische Drohnenabwehrexperten an den Persischen Golf zu entsenden. Doch machte er dafür eine Waffenruhe in der Ukraine zur Voraussetzung. Dafür sollten aus seiner Sicht die Golfmonarchien ihre guten Beziehungen zu Russland einsetzen. Seine Initiativen laufen aber bisher ins Leere.

«Wenn wir zum Beispiel über Waffen im Krieg sprechen, an denen wir einen Mangel haben, dann sind das PAC-3-Abfangraketen (für Patriot-Systeme), und wenn sie uns diese geben, geben wir ihnen Abfangdrohnen. Das ist ein gleichwertiger Tausch», sagte Selenskyj vor wenigen Tagen. Angesichts der Bedrohungslage am Golf durch iranische ballistische Raketen ist dies allerdings ein Vorschlag, der kaum aufgegriffen werden dürfte.

Wie geht es mit den Friedensgesprächen weiter?

Ungelegen kommen die Kriegshandlungen am Golf auch für die seit Wochen laufenden Gespräche über ein Ende des Kriegs in der Ukraine. Zuletzt trafen sich die Unterhändler in Genf (Schweiz) und davor in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate). Wann und wo es eine Fortsetzung der Gespräche geben könnte, ist vorerst nicht bekannt. Die USA sind als bisherige Vermittler bei den Ukraine-Verhandlungen zwar von beiden Seiten weiter erwünscht, aber nun auch mit ihrem Krieg beschäftigt.

Nach Äußerungen Selenskyjs sollte die nächste Runde der trilateralen Gespräche mit Russland und den USA am Donnerstag oder Freitag in Abu Dhabi stattfinden. Angesichts der Sicherheitslage in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat der Kreml schon abgewinkt. Die Alternative in Genf lehnte Moskau wegen der «unzureichenden Neutralität» der Schweiz und wohl auch der schwierigen Logistik ebenfalls ab, weil der europäische Luftraum für russische Flugzeuge gesperrt ist und Sonderflüge ausgehandelt werden müssen.

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