USA, Israel

Irans Führung weiter im Visier - USA mit neuen Kriegsgründen

03.03.2026 - 15:39:56 | dpa.de

Der Krieg gegen den Iran ist in vollem Gange - und in vielen Teilen des Nahen Ostens sind die Folgen zu spüren. Neue Äußerungen der US-Regierung werfen Fragen zur Begründung der Angriffe auf.

  • Nach Angaben des Roten Halbmonds hat es in mehr als 150 Städten Angriffe gegeben. - Foto: Vahid Salemi/AP/dpa
    Nach Angaben des Roten Halbmonds hat es in mehr als 150 Städten Angriffe gegeben. - Foto: Vahid Salemi/AP/dpa
  • Nach der Tötung Chameneis muss sich der iranische Machtapparat neu aufstellen. - Foto: -/Iranian Presidency Office Apaim/APA Images via ZUMA Press Wire/dpa
    Nach der Tötung Chameneis muss sich der iranische Machtapparat neu aufstellen. - Foto: -/Iranian Presidency Office Apaim/APA Images via ZUMA Press Wire/dpa
  • Auch in Israel gab es wieder Raketenalarm - und Verletzte durch Trümmerteile. - Foto: Leo Correa/AP/dpa
    Auch in Israel gab es wieder Raketenalarm - und Verletzte durch Trümmerteile. - Foto: Leo Correa/AP/dpa
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Israel hat bei neuen Angriffen auf Teheran wieder den iranischen Machtapparat ins Visier genommen. Seit Beginn der Angriffe an der Seite der USA am Samstag kamen in dem Land nach Angaben der Hilfsorganisation Roter Halbmond fast 800 Menschen ums Leben. Äußerungen von US-Regierungsmitgliedern warfen neue Fragen zur Begründung der Angriffe auf - insbesondere, ob sich die USA von Israel in den Krieg hineinziehen lassen haben, der schon jetzt Folgen für einen großen Teil des Nahen Ostens hat. 

Bei iranischen Gegenangriffen auf Israel gab es Verletzte durch Raketentrümmer. Auch in den Golfstaaten sorgen sie weiter für Verwerfungen. Die US-Botschaften in Saudi-Arabien und Kuwait blieben vorerst geschlossen. In Riad hatte es einen Drohnenangriff gegeben. 

US-Begründung für Angriffe wirft Fragen auf

So kurz nach Kriegsausbruch hat Bundeskanzler Friedrich Merz als erster europäischer Regierungschef die Gelegenheit, mit US-Präsident Donald Trump persönlich über die Entwicklungen im Nahen Osten zu reden. In Deutschland gibt es die Erwartung, dass Merz mit Trump darüber spricht, was die USA zu den Angriffen bewogen hat und was sie bezwecken wollen. Trump hatte am Samstag gesagt, die iranische Raketenbedrohung solle beseitigt und die Marine zerstört werden. Das Land dürfe außerdem keine Atomwaffen haben. 

Verteidigungsminister Pete Hegseth wiederholte diese Gründe am Montag. US-Außenminister Marco Rubio sagte Journalisten: «Die unmittelbare Gefahr bestand darin, dass wir wussten, dass der Iran, wenn er angegriffen würde – und wir gingen davon aus, dass er angegriffen werden würde –, sofort gegen uns vorgehen würde.» Die USA hätten gewusst, dass Israel eingreifen würde. «Wir wussten, dass dies einen Angriff auf die amerikanischen Streitkräfte auslösen würde», führte Rubio weiter aus. 

Fox News konfrontierte den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu mit der Frage, ob er Trump in den Krieg «hineingezogen» habe. Netanjahu lachte und sagte, das sei «lächerlich». «Donald Trump ist der stärkste Anführer der Welt. Er tut das, was er für richtig für Amerika hält», sagte Netanjahu. 

Angriff auf Regierungsgebäude in Teheran

Bei einem israelischen Angriff war am Samstag auch Irans Staatsoberhaupt und Religionsführer Ajatollah Chamenei getötet worden. Schnell soll ein Nachfolger gefunden werden, doch die andauernden Angriffe dürften den Prozess erschweren. In der Nacht hätten Kampfflugzeuge in Teheran das Präsidentenbüro attackiert, teilte die israelische Armee mit. Angegriffen worden seien auch Orte, an denen der mächtige Sicherheitsrat tagt, und ein Gebäude des Expertenrats. Das Gremium aus 88 Geistlichen soll Chameneis Nachfolger bestimmen. Auch tagsüber berichteten Einwohner der Hauptstadt von heftigen Explosionen, nachdem Israel eine neue Angriffsserie gestartet hatte. 

Bewohner der Metropole, in der rund 15 Millionen Menschen leben, berichteten von einer schlaflosen Nacht. «Die Fenster haben gezittert und das Geräusch von Kampfjets war am Himmel zu hören», sagte Mohammed, ein 34 Jahre alter Journalist. Es seien die bislang schwersten Bombardierungen gewesen. «Aber ich habe das Gefühl, dass noch schwierigere solcher Nächte kommen und ich mich irgendwie darauf vorbereiten muss.»

UN: Angriff auf Schule im Iran könnte Kriegsverbrechen sei

Die Hilfsorganisation Roter Halbmond sprach von Angriffen in mehr als 150 Städten im Iran. Tausende Mitarbeiter von Rettungsdiensten seien landesweit im Einsatz. Das UN-Menschenrechtsbüro ging am Dienstag auf Berichte über einen Angriff auf eine Mädchenschule am Samstag mit fast 200 Toten ein und verlangte eine umfassende Untersuchung. Nach Angaben einer Sprecherin könnte es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Israelische Vertreter hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der besagten Region bekannt. Sie wollten die Berichte ebenso wie die Amerikaner prüfen. Am Dienstag kamen Menschenmassen zu Trauerfeiern in der betroffenen Stadt zusammen.

Neue Schäden auf Gelände von Urananreicherungsanlage

Inmitten der israelisch-amerikanischen Angriffe bestätigte die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) neue Schäden an Eingangsgebäuden der unterirdischen Urananreicherungsanlage in Natans. Die Organisation geht nicht davon aus, dass Radioaktivität freigesetzt und die Anlage weiter beschädigt worden ist, wie sie mitteilte. Israel und die Vereinigten Staaten hatten bereits im vergangenen Sommer Einrichtungen des iranischen Atomprogramms bombardiert. 

Iranische Gegenangriffe reißen nicht ab

Bei neuen iranischen Raketenangriffen auf Israel wurden mehrere Menschen im Zentrum des Landes verletzt. Der israelische TV-Sender N12 berichtete, es habe mehrere Einschläge von Raketen- und Trümmerteilen in verschiedenen Gegenden rund um die Küstenmetropole Tel Aviv gegeben. Zuvor hatte es in weiten Teilen des Landes Luftalarm gegeben und Sirenen geheult. Zahlreiche Einwohner harrten in Schutzräumen aus. 

Der Iran setzte auch seine Angriffe auf die Golfregion fort. Die katarische Regierung sieht mittlerweile «rote Linien» überschritten. Nicht nur attackiere der Iran militärische Ziele, sondern nehme auch lebenswichtige Infrastruktur ins Visier. Auch aus anderen Ländern wurden Angriffe gemeldet. Die Vereinigten Arabischen Emirate teilten mit, trotz der «Schwere der Ereignisse» strebe das Land keine Ausweitung der Konfrontation an.

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