Sassnitz/Schwerin (ddp-nrd). Nach dem unfreiwilligen frühzeitigen Ausstieg aus der Heringsfangsaison haben die Küstenfischer Mecklenburg-Vorpommerns Proteste angekündigt. Zum Auftakt sei am Dienstag eine Kundgebung in Schwerin geplant, teilte der Landesverband der Kutter- und Küstenfischer Mecklenburg-Vorpommern am Montag in Sassnitz mit. Kritik an der Fischereipolitik von EU, Bund und Land äußerte auch die FDP-Landtagsfraktion.
Während der Aktion vor dem Landwirtschaftsministerium wollen die Kutterbesatzungen und Mitarbeiter von Fischereihäfen ein Protestschreiben an Agrarminister Till Backhaus (SPD) überreichen. Darin warnen sie vor einem Aus für ihr Gewerbe. Grund dafür sei die restriktive Fischereipolitik der EU, der Bundesregierung und des Landes, heißt es in dem der Nachrichtenagentur ddp vorliegenden Papier.
Gefordert wird vor allem ein praktikables Fischereimanagement auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Dazu sollte künftig auch das Wanderverhalten der Fische bei der Bestimmung von Umfang und Verbreitungsgebiet der Bestände berücksichtigt werden. Zudem verlangen die Fischer eine Überarbeitung der EU-Kontrollverordnung und eine staatliche Kostenübernahme für vorgeschriebene Schweinswal-Schutzsysteme. Außerdem sollten Maßnahmen zur Reduzierung der Kormoranbestände an der deutschen Ostseeküste ergriffen werden.
Die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Landtag, Sigrun Reese, sagte, der Unmut der Fischer über die fehlende Unterstützung sei mehr als berechtigt. Sie kritisierte, dass die große Koalition einen Antrag ihrer Fraktion zur Erarbeitung einer Strategie für die Sicherung der Fischerei kürzlich abgelehnt hatte. Die Fischer kämpften mit steigenden Kosten, sinkenden Fangquoten, zunehmender Bürokratie und wachsender Kormoranpopulation.
Reese schlug vor, den Fischern zusätzliche Aufgaben im staatlichen Umweltmanagement zu übertragen. Solange die Fischbestände strittig und die Fangquoten niedrig seien, könnten die Besatzungen neben der traditionellen Fischerei zum Beispiel auch gegen Entschädigungen für Fauna-Flora-Habitat-Beobachtungen, ph-Wert- oder Pegelstandsmessungen eingesetzt werden.
Die Küstenfischer hatten im Frühjahr trotz ungewöhnlich guter Fangergebnisse die Heringssaison fast einen Monat früher als üblich einstellen müssen, weil die EU zuvor die Fangquote um 40 Prozent reduziert hatte. Anlass dafür war ein wissenschaftliches Gutachten Rostocker Fischereibiologen, wonach die Larvenpopulationen der Heringe in den Küstengewässern drastisch zurückgegangen sein sollen. Vertreter von Fischereigenossenschaften forderten daraufhin ein entsprechendes Gegengutachten. Nach Einschätzung des Landesverbandes entfiel bislang fast die Hälfte der Jahreserlöse auf den Heringsfang.
(Quelle: Landesverband auf ddp-Anfrage; Reese in einer Mitteilung)
ddp/som/kos




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