Seit 2008 segelt der südafrikanische Umweltaktivist und Extremsportler Mike Horn im Rahmen dieser Aktion um die ganze Welt, um in ärmeren Regionen Projekte zum Schutz der Umwelt umzusetzen. Auf einzelnen Etappen nimmt er dabei Jugendliche mit, die ihn bei seiner Mission unterstützen sollen.
Am Samstag startet Lucie auf ihre zweiwöchige Pangaea-Expedition durch Indien. Aus 300 Bewerbern weltweit wurde sie für die Reise auf dem Segelboot ausgewählt.
Horn will mit seinem Projekt jungen Menschen die Bedeutung des vielfältigen Ökosystems näher bringen und ihnen gleichzeitig die Möglichkeit geben, aktiv Projekte zur Bewahrung der natürlichen Ressourcen und zur Steigerung der Lebensqualität der Menschen in den Entwicklungsländern zu unterstützen. Vom Südpol über Neuseeland, den indisch-pazifischen Ozean, die Wüste Gobi, das arktische Meer bis in den tropischen Regenwald Brasiliens führen die Expeditionen.
Die Jugendlichen im Alter von 13 bis 20 Jahren, die sich bei Horn als Teilnehmer des Young Explorers Program (YEP) bewerben, sammeln Daten, säubern Strände oder fischen Müll aus dem Meer. Lucie wird mit dem Schiff auf dem Ganges unterwegs sein und Proben zur Qualität des Wassers nehmen und dokumentieren sowie Umweltschutzprojekte in kleineren Dörfern umsetzen. Sie weiß schon jetzt: «Das wird kein Urlaub, das wird richtig anstrengend.»
Noch gut erinnert sich die 16-Jährige an das harte Auswahlcamp, das im November in der Schweiz stattfand. Von 300 Bewerbern wurden 16 Jugendliche dorthin eingeladen, 9 kamen weiter. «Ich kam mir ein bisschen vor, wie in einer Casting-Show, nur dass unter allen gleich eine super Atmosphäre herrschte. Da gab es eigentlich keine Konkurrenz», sagt Lucie. Sie und die anderen mussten in dem Camp schließlich nicht nur ihre Begeisterung für den Umweltschutz sondern auch sportliche Fitness zeigen.
Dazu gehörten auch ein 24-Stunden-Marsch in den Bergen, in denen die in Gruppen aufgeteilten Jugendlichen nur mit einem Kompass ausgestattet wurden, oder ein Test des Lungenvolumens. Lucie und ein anderer Deutscher schnitten dabei besonders gut ab. «Die anderen konnten sich das gar nicht erklären und meinten, das läge daran, dass ich aus den Bergen komme. Dabei ist Bremen doch totales Flachland», sagt sie schmunzelnd.
Doch nicht nur durch ihre körperliche Fitness konnte Lucie, die für die Zeit der Expedition von der Schule befreit wurde, überzeugen. Die Jugendlichen mussten auch klar machen, wie sie sich für die Umwelt bereits heute einsetzen. Lucie ist seit mehreren Jahren bei Greenpeace aktiv und ihre Mutter berichtet, dass ihr der Umweltschutz schon früh am Herzen lag. «Als Kind hat sie schon immer Tierbilder aus Zeitschriften ausgeschnitten oder Vögel beobachtet.»
So sehr sie wissen, dass ihre Tochter auf dem Boot gut aufgehoben ist, machen sich Lucies Eltern aber auch Sorgen um ihr Kind, wenn es am anderen Ende der Welt mit einem Segelboot auf dem Ganges reist. «Aber wir wissen, wie sehr sie sich auf die Expedition freut», sagt Anette Knor. Lucie selber ist so kurz vor der Abreise ziemlich aufgeregt. Angst vor der Reise hat sie jedoch nicht, sagt sie. «Nur Leichen auf dem Ganges, die dort nach den Bestattungen oft rumschwimmen, möchte ich nicht so gerne sehen.»
Horns Intension ist es, dass sich die Jugendlichen auch nach der Expedition weiter für den Umweltschutz einsetzen. Lucie hat dafür bereits große Pläne. Sie will sich insbesondere für den Artenschutz im Wattenmeer engagieren. Im Idealfall sollen die Jugendlichen laut Horn durch das Projekt zu «Umweltbotschafter» werden, um in ihrem Umfeld auch andere zu einem umweltbewussteren Verhalten motivieren.
Lucie hat dieses Ziel eigentlich schon vor ihrer Abreise erreicht. Als sie gerade über ihre Reisepläne berichtet, tappt ihre zehnjährige Schwester Elisabeth mit einem Fernglas um den Hals auf die Dachterrasse im Haus der Familie, um Vögel zu beobachten. Und auch Lucies Bruder Anton hat sich schon für den Umweltschutz begeistern lassen: Er will im Jahr 2012 an einer Pangaea-Expedition teilnehmen.
ddp/jsp/muc


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