Baden-Württemberg, Deutschland

Prominente müssen des Öfteren als Namensgeber neu entdeckter Arten herhalten.

15.08.2023 - 12:02:20

Biden-Fossil und Abba-Spinne - Prominente als Namensgeber. Die Bandbreite ist groß, sowohl bei der Auswahl der Stars und Sternchen als auch bei den Pflanzen, Insekten, Schlangen und Spinnen.

  • Björn Ulvaeus (l-r), Anni-Frid Lyngstad, Agnetha Fältskog und Benny Andersson sind Abba. - Foto: Alberto Pezzali/AP/dpa

    Alberto Pezzali/AP/dpa

  • Ein Modell der Wespe «Aphanogmus kretschmanni», die nach Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann benannt wurde. - Foto: Bernd Weißbrod/dpa

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Björn Ulvaeus (l-r), Anni-Frid Lyngstad, Agnetha Fältskog und Benny Andersson sind Abba. - Foto: Alberto Pezzali/AP/dpaEin Modell der Wespe «Aphanogmus kretschmanni», die nach Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann benannt wurde. - Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Eine entdeckte Tausendfüßler-Art trägt den Namen von Mega-Star Taylor Swift, eine Mottenart erinnert wegen ihrer gelblich-weißen Schuppen an den früheren US-Präsidenten Donald Trump und die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg bekam nicht nur einen kleinen Käfer ab, sondern auch eine Schnecke und einen Frosch. Die Biologie bietet ein weites Feld der Möglichkeiten, wenn es gilt, neu entdeckte Arten nach Stars und Sternchen zu benennen.

Meist dient die publicityträchtige Namensgebung einem bestimmten Zweck. Denn wenn unter jährlich Hunderten von neu entdeckten Spinnen eine Art oder Gattung auch nach Udo Lindenberg benannt wird, steigt natürlich die Reichweite. Ihre Namen müssen Prominente ungefragt für diese Werbung hergeben. Ein Entdecker muss nur einem bestimmten Schema folgen: Erst kommt die (groß geschriebene) Gattung, dann die (klein geschriebene) Art.

Beispiele gefällig? Einige der jüngsten «Taufen»

- Eine Schmetterlings-Gattung erinnert an den Bösewicht Sauron aus der Fantasy-Buchreihe «Herr der Ringe». Warum? Wegen ihres auffälligen Musters mit schwarzen Ringen auf gelbem Grund auf den Flügeln der Tiere. Die Ringe ähneln nach Angaben des Natural History Museums in London dem alles sehenden Auge Saurons aus den Büchern von J.R.R. Tolkien. «Diesen Schmetterlingen einen ungewöhnlichen Namen zu geben, hilft dabei, Aufmerksamkeit auf diese zu wenig wahrgenommene Gruppe zu lenken», sagte demnach die Schmetterlings-Kuratorin des Museums, Blanca Huertas.

- Australische Spinnenforscher haben die schwedische Kultband im Namen einer Gruppe von Kugelweberspinnen verewigt. Abba sei eine der Lieblingsbands der beiden Wissenschaftler Volker Framenau und Pedro Castanheira von der Murdoch Universität in Perth, erklärt die Hochschule. «Der Gattungsname ehrt die schwedische Popgruppe Abba, deren Songs und die nachfolgenden Musicals Mamma Mia! (2008) und Mamma Mia - Here We Go again! (2018) für stundenlange Unterhaltung bei den Autoren sorgten», heißt es in der Studie der beiden Forscher in der Fachzeitschrift «Evolutionary Systematics».

- Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann kann auf eine nach ihm benannte Wespenart blicken: Die Wespe «Aphanogmus kretschmanni» ist winzig klein, parasitisch und hat Stacheln am Hinterleib. «Ich finde super, dass er sich für den Naturschutz und die Biodiversität einsetzt», erklärt Wespenentdeckerin Marina Moser die Namensfindung. Die in Tübingen gefundene und in Stuttgart erforschte Wespenart sei zudem wie der Regierungschef «ein wichtiger Baden-Württemberger».

- Eine Meereskrebsart trägt seit dem vergangenen Jahr den Namen der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht. Die wissenschaftliche Benennung des rot gefärbten Krebses als Cherax wagenknechtae geht auf den Tierexperten Christian Lukhaup aus Waiblingen bei Stuttgart zurück, der das Tier bei einem Aufenthalt in Indonesien entdeckt hatte. Die Politikerin habe ihn inspiriert, entschlossen für eine bessere und fairere Zukunft zu kämpfen, begründet Lukhaup seine Namenswahl.

- Ein Tier muss auch gar nicht mehr unbedingt lebendig sein, um an einen Promi zu erinnern: Das Fossil eines Vampir-Tintenfisches haben Wissenschaftler nach US-Präsident Joe Biden benannt. Das rund 328 Millionen Jahre alte im US-Bundesstaat Montana entdeckte Stück sei 1988 dem Royal Ontario Museum in Kanada gespendet worden und habe dann dort lange in einer Schublade gelegen, berichtet die «New York Times» unter Berufung auf Christopher Whalen, einen Paläontologen des American Museum of Natural History in New York.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Neil Landman gab Whalen dem Fossil den Namen «Syllipsimopodi bideni», um Bidens Präsidentschaft zu gedenken und weil sie von seinen Plänen, den Klimawandel anzugehen, und wissenschaftliche Forschung zu fördern, ermutigt worden seien, wurde Whalen zitiert.

- Jüngster Neuzugang bei den Namensgebern für tierische Taufen ist der Hollywood-Schauspieler Harrison Ford, bekannt durch seine Rolle als legendärer Kino-Archäologenheld «Indiana Jones». Nach ihm wird eine im Mai entdeckte Schlangenart aus den Anden Perus mit dem wissenschaftlichen Namen «Tachymenoides harrisonfordi» benannt. Anerkannt werde Fords Einsatz für den Naturschutz, erklärte Schlangenexperte Edgar Lehr. Nicht nur. «So machen wir natürlich auch ein bisschen auf die Tiere aufmerksam und auf die Tatsache, dass noch zahllose Arten unentdeckt sind», sagte Lehr, der das Forscherteam in Peru geleitet hat.

@ dpa.de