COP28Umweltverbände, Klimagipfel-Beschlüsse

Umweltverbände bewerten die Beschlüsse der Weltklimakonferenz in Dubai überwiegend positiv - rügen aber etliche Schlupflöcher und vermissen auch Ehrgeiz in vielen Formulierungen.

13.12.2023 - 11:46:49

COP28/Umweltverbände: Klimagipfel-Beschlüsse positiv - aber Schlupflöcher

Das UN-Treffen markiere nach 30 Jahren Klimaaktivismus den Beginn vom Ende der Öl-, Gas- und Kohleindustrie - "nicht mehr, auch nicht weniger", sagte am Mittwoch der geschäftsführende Vorstand von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser. Es blieben Schlupflöcher, rügte er. "Die Dominanz und das destruktive Vorgehen der ölexportierenden Länder, der einflussreichen Öl- und Gaslobby sowie der kohleabhängigen Länder wurden auf der Weltklimakonferenz überdeutlich und verhinderten weitergehende und verbindliche Beschlüsse."

Der Abschlusstext fordert die Staaten zwar auf, sich von den fossilen Energien abzuwenden, fiel aber schwächer aus als der zuvor diskutierte klare Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas.

Viviane Raddatz, Klimachefin beim WWF Deutschland, sagte: "Die Zeit, unbegrenzt Öl ins Feuer zu gießen, ist vorbei." Erstmals werde auf einer UN-Klimakonferenz das Kernproblem der Klimakrise benannt. "Das ist ein immens wichtiges Signal - auch gegen die Erschließung neuer Öl- und Gasquellen." Dennoch bleibe festzuhalten, dass die Welt acht Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen mit ihren Fortschritten zu langsam ist, um die globale Erhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Der Oxfam-Experte Jan Kowalzig nannte die Beschlüsse der Konferenz eine gute Grundlage, die sich nun aber natürlich auch in konkreter Politik widerspiegeln müsse. Dabei sollten die reichen Länder deutlich schneller und umfassender vorgehen als die einkommensschwachen Länder - die in der Regel auch kaum zur Klimakrise beigetragen hätten. Weiter sagte er: "Das Ergebnis hat jedoch auch bedenkliche Schattenseiten und Schlupflöcher, darunter die Betonung der Rolle von Erdgas als Übergangslösung. Das werden Förderländer und die fossile Industrie als Freifahrtschein für die Ausweitung der Gasförderung werten." Enttäuscht müsse man auch darüber sein, dass die COP28 es nicht geschafft hat, bei der finanziellen Unterstützung für die ärmeren Länder Fortschritte zu erzielen.

Luisa Neubauer von Fridays for Future sagte, die Klimabewegung habe für diese globale Abkehr von fossilen Energien hart gekämpft. Angesichts des Widerstands der fossilen Lobby sei dies ein großer Schritt. Dennoch habe die Klimakonferenz gezeigt, "dass die Profite der Öl-Firmen bis heute erfolgreicher beschützt werden als die betroffensten Regionen der Welt." Clara Duvigneau von Fridays for Future bilanzierte: "Gemessen an dem, was im heißesten Jahr der Menschheitsgeschichte notwendig ist, reicht die COP-Einigung nicht in Ansätzen."

Der Politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals, sagte, die Beschlüsse von Dubai könnten ein historischer Schritt werden - "aber nur, wenn in den nächsten Jahren tatsächlich weltweit ein massives Herunterfahren von Kohle, Öl und Gas erfolgt."

@ dpa.de