Buchhaltung, Buchführung

Die Zukunft der Buchhaltung - So könnte sie aussehen

29.10.2021 - 09:10:00

Buchhaltung ist wirklich steinalt. Erste Hinweise auf Zahlensteine gibt es aus der Zeit um 10000 v. Chr. und das erste Buchhaltungssystem soll es in Mesopotamien um 9000 v. Chr. gegeben haben. Kann so etwas altes, eine Zukunft haben? Und wenn ja, welche?

 
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Vom Soll und Haben auf Papyrus Rollen zum Algorithmus der künstlichen Intelligenz

Die doppelte Buchführung ist für bestimmte Unternehmensformen gesetzlich vorgeschrieben, schon deswegen wird Buchhaltung eine Zukunft haben. Doch sie wird anders aussehen, als bisher. Hierfür ist es wichtig, sich beruflich zu entwickeln und sich stetig fortzubilden. Die Digitalisierung erleichtert vieles in der Buchhaltung, stellt die Mitarbeitenden aber auch vor neue Herausforderungen. Galten Bilanzen bislang immer noch als Spezialfall für den Bilanzbuchhalter, wird es unumgänglich sein, diese Kompetenzen bereits mit in die Grundausbildung zu legen.

KI in der Buchhaltung

Auszubildende in kaufmännischen Berufen sitzen vor Blöcken und tragen in T-Konten von Hand ein, welche Buchung aufgrund eines vorgegebenen Buchungssatzes vorgenommen werden muss. Sie sollen das Prinzip verstehen. Das wird nach wie vor unerlässlich bleiben, selbst wenn es schon seit Jahrzehnten Computerprogramme gibt, die sich scheinbar nicht um einen Buchungssatz scheren, sondern einfach buchen, was man eingibt. Mit künstlicher Intelligenz soll das sogar noch weiter automatisiert werden. Was grundsätzlich auch gut möglich ist, denn die Buchhaltung ist geradezu prädestiniert dazu, intelligente Rechenmaschinen zu trainieren. Die Zeit, dass Rechnungsbeträge abgetippt werden müssen, wird also bald vorbei sein.

Trotzdem muss ja das Grundverständnis bei dem Menschen, der letztendlich verantwortlich gemacht wird, wenn etwas nicht stimmt, vorhanden sein. Wie will er sonst erkennen, dass etwas nicht stimmt?

Künstliche Intelligenz wird also einen Großteil an Aufgaben übernehmen, die teilweise ja auch wirklich lästig sind. Das Vergleichen von Zahlenfolgen und Abtippen von Beträgen, Kunden- und Rechnungsnummern wird automatisiert, der Ausgleich von Verbindlichkeiten und die Ausgabe von Mahnungen ebenfalls. Was genau macht dann der Buchhalter in seiner Arbeitszeit?

Neue Aufgaben für Buchhalter

Langweilig wird es dem Buchhalter nicht werden. Erstens wird die Einführung moderner Techniken ja immer noch vom schleppend vorangehenden Breitbandausbau ausgebremst und zweitens stellt Big Data so viel Potential bereit, das nicht einmal ansatzweise effektiv genutzt wird. Also stehen Datenanalyse, Prognosen und strategische Aufgaben auf dem Plan. Wer, wenn nicht der Buchhalter, hat das Gespür für Zahlen und die Erfahrung, Trends zu erkennen?

Die Kommunikation und infolge dessen die Rhetorik des Buchhalters muss deutlich stärker ausgeprägt sein als bisher. Denn er muss seine Analysen aufbereiten und die Ergebnisse für andere verständlich formulieren. Die Zeiten, in denen die Buchhaltung sich hinter verschlossenen Türen vor ihre klappernden Rechenmaschinen setzte, sind vorbei. Mehr denn je, müssen sie sich auch in andere Unternehmensbereiche einarbeiten, um in der Lage zu sein, Prognosen zu erstellen.

IT in der Buchhaltung

Blicken wir auf die Anfänge der IT in der Buchhaltung, denken wir sicher sofort an Datev. Doch tatsächlich war der Einsatz von einfachen Rechenmaschinen bereits ein Vorläufer davon. Und wie haben Programme sich verändert? Nicht nur von der Optik her, die Tools, die in Buchhaltungsprogrammen enthalten sind, werden immer vielfältiger. Mit ihnen muss der Buchhalter der Zukunft umgehen können. Im Idealfall hilft er sogar mit, sie zu verbessern oder Anregungen für neue Tools zu geben.

Corona hat Schwachstellen in der Buchhaltung aufgezeigt. Die Pandemie verbannte von heut auf morgen viele Mitarbeitende in der Buchhaltung in ihre Homeoffices. Abgesehen davon, dass sich in Unternehmen, die die Digitalisierung bis dato schlichtweg verpennt haben, wurden Schwachstellen deutlich, die sich für die Buchhaltung von morgen, als Lerngeschenk entpuppt haben.

Papierloses Büro – mehr Traum als Wirklichkeit. Vom papierlosen Büro ist vor allem die Buchhaltung noch meilenweit entfernt. Rechnungen werden immer noch mehrfach kopiert und wer im Homeoffice arbeiten wollte, konnte dies oft nicht, weil beispielsweise Eingangsrechnungen nicht digitalisiert vorlagen und wenn doch, fehlte der Zugriff auf zentrale Speicherorte.

Daten – Umgang, Nutzung und Schutz stellen ebenfalls eine Herausforderung für den Buchhalter von morgen dar. Dicke Ordner mit gedruckten Rechnungen in einem Schrank zu verschließen, reicht als Datenschutzmaßnahme für den Buchhalter der Zukunft nicht mehr aus. Die Datenschutzverordnung gibt vor, wie mit Daten umzugehen ist und wie sie genutzt werden dürfen. Verstöße gegen den Datenschutz können mit sehr empfindlichen Strafen belegt werden. Entsprechend müssen die Buchhalter sich mit dem Thema auseinander setzen und sich hier ebenfalls qualifizieren.

Buchhaltung – alt bewährtes und modernes

Die Grundsätze der Buchhaltung sind quasi in Stein gemeißelt. Die doppelte  Buchführung wurde im Mittelalter erstmals angewandt. Auch wenn sich die Arbeit in der Buchhaltung gewandelt hat, die Basics sind geblieben. Die Aufgaben für Buchhalter wandeln sich, weil langweilige Aufgaben automatisiert werden und der technische Fortschritt neue Herausforderungen an die Buchhalter stellt. Stetige Fortbildung ist unerlässlich und der Blick über den Tellerrand erlaubt. Denn Buchhalter müssen sich in Unternehmensbereiche vorwagen, die ihnen bislang nur auf dem Papier bekannt waren. Entsprechend sind Skills gefragt, auf die Buchhalter bis vor einigen Jahren noch gut verzichten konnten. Kreativität, Kommunikationsgeschick und Rhetorik beispielsweise waren Attribute, die man nicht vordergründig bei Buchhaltern gesucht hat. Doch sie sind bereits aktuell gefragt und werden in Zukunft noch relevanter sein. Die strategischen Aufgaben des Buchhalters, werden ihm Probleme aufzeigen, für die schnelle, sichere und ggf. auch kreative Lösungen gefragt sind, die trotzdem nicht im Widerspruch zur Sorgfalt und Genauigkeit stehen, die in der Buchhaltung oberste Priorität behalten wird.

Nicht zuletzt werden auch Themen wie Klimawandel und Umweltschutz nicht an den Buchhaltern vorbeigehen. Zum einen können sie aktiv etwas tun, wenn sie wirklich auf rein digitaler Basis arbeiten und damit Ressourcen schonen, zum anderen ist es bereits jetzt gang und gäbe, die Emissionen des Unternehmens zu erfassen und zu kontrollieren. Schließlich gibt es Vorgaben, Richtwerte und eine ethische Verpflichtung. Die Digitalisierung bringt einen gewissen Energiebedarf mit. Die Anwendung der Endgeräte wird den Buchhalten in Fleisch und Blut übergehen, doch dabei muss auch die Ressourcenschonung im Fokus bleiben.

Fazit: Die Buchhaltung wird mit mehr Aufgaben einhergehen als bislang. Um ihnen gewachsen zu sein, ist es nötig, sich weiterzubilden und auf die Digitalisierung und ihre Folgen einzustellen. Von Buchhaltern wird mehr technisches Knowhow erwartet und sie müssen ihre Soft Skills stärken. Hohe Anforderungen kommen auf die Buchhalter der Zukunft zu, dafür bleiben ihnen monotone händische Abläufe erspart.