Doch der Richter erließ einen Vorführungsbefehl für den 42-Jährigen: Die Polizei machte sich auf die Suche nach dem Angeklagten und brachte ihn ins Gericht.

Nach einer Untersuchung in der Vorführzelle kam der Arzt zu dem Schluss, dass der Angeklagte verhandlungsfähig sei. Der Patient müsse sich zwar regelmäßig einer Dialyse unterziehen, doch er sei in guter Verfassung. Mit dreistündiger Verspätung konnte der Prozess schließlich beginnen: Der schmale Mann nahm offenbar wohlauf in dunkelblauer Strickjacke und weißen Turnschuhen auf der Anklagebank Platz. Der Richter begrüßte ihn sarkastisch: «Da freuen wir uns aber, dass sie da sind».

Beim Verlesen der Anklage blätterte der Staatsanwalt in seinem Hefter eine Seite nach der anderen um. Es dauerte lange, insgesamt werden Joao Mario B. 74 Anklagepunkte zur Last gelegt: Er soll gegen Bezahlung unter anderem widerrechtlich Ehen geschlossen und offizielle Dokumente wie Reisepässe und Geburtsurkunden ausgestellt haben. Außerdem soll er sich unrechtmäßig einen Doktortitel zugelegt haben. Immer wieder schüttelte Joao Mario B. leicht den Kopf, die Augenbrauen zusammengezogen, die Stirn in Falten.

Der Staatsanwalt führte an, dass der Angeklagte als Präsident des «Bundeszentralrats für Schwarze in Deutschland» aufgetreten sei und sich als Konsul und «enger Vertrauter» der Botschaft von Angola ausgegeben habe. In Wirklichkeit sei er jedoch zu keiner Zeit für die Botschaft tätig gewesen und nicht autorisiert gewesen, Dokumente zu erstellen. «Er verschaffte sich eine nicht nur vorübergehende Einnahmequelle von erheblichem Umfang», sagte der Staatsanwalt.

So habe Joao Mario B. für 300 Euro Ehen geschlossen, ohne dafür befugt gewesen zu sein. Die Ehen sind daher allesamt ungültig. Zudem habe er Reisepässe mit Hilfe eines Aufklebers verlängert und gegen eine Gebühr von 100 Euro Visa erstellt, berichtete der Staatsanwalt. Ein Zeuge sei damit nach Angola geflogen. Dort sei das Visum nicht akzeptiert und die Einreise verweigert worden. Der Mann habe noch am selben Tag zurück nach Frankfurt fliegen müssen.

«Das klingt so dramatisch», sagte Joao Mario B., «ich kann das aufklären.» Er habe eine Vollmacht von der Ausländerbehörde, begann er, brach aber wieder ab: Auf Anraten seines Anwalts will er sich erst zu einem späteren Zeitpunkt zu den Vorwürfen äußern. Doch der Richter äußerte die Sorge, dass der 42-Jährige beim nächsten Verhandlungstermin vielleicht wieder nicht von selbst erscheinen könnte, und drohte ihm mit Haft. Joao Mario B. beteuerte, dass er auf jeden Fall erscheinen wird: «Ich komme nächstes Mal, kein Problem», versprach er. Der Prozess wird Montag (15. Februar) fortgesetzt.

Frankfurt/Main (ddp-hes)