Verzicht - Seidel kündigt Werbeoffensive für Energiestandort Lubmin an: Nach dem Verzicht des dänischen Energiekonzerns Dong Energy auf den Bau eines Steinkohlekraftwerks in Lubmin hat die Landesregierung eine Werbeoffensive für den Energie- und Industriestandort am Greifswalder Bodden angekündigt.
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Dabei werde man sich zunächst auf das Machbare wie den Bau von zwei Gaskraftwerken und weitere Gewerbeansiedlungen konzentrieren, sagte Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) am Mittwoch in Lubmin.

Lubmin sei der bedeutendste Industriestandort des Landes, betonte der Minister. «Hier sind vor allem Investoren aus der gesamten Energiebranche willkommen, mit Ausnahme der Atomwirtschaft», fügte Seidel hinzu. Derzeit seien am Standort des ehemaligen Kernkraftwerks 400 neue Arbeitsplätze entstanden, unter anderem in der Produktion von Biokraftstoffen, im Schiffbau, im Kranbau und in der Vormontage von Offshore-Windkraftanlagen.

Nach einem am selben Tag vorgelegten Gutachten hätte der Bau des 2,4 Milliarden Euro teuren Steinkohlekraftwerks allein im Bau- und verarbeitendem Gewerbe der Region Aufträge im Umfang von 574 Euro ausgelöst. Hinzu wären für die einheimischen Werften Aufträge zum Bau von Kohlefrachtern im Umfang von 280 Millionen Euro gekommen, sagte Gutachter Manfred Matschke. Es wären 285 neue Arbeitsplätze im Kraftwerk, in ausgelagerten Bereichen sowie in Wartungs- und Instandsetzungsfirmen entstanden. Während der Bauphase hätte die Tourismusbranche von schätzungsweise 642 000 Übernachtungen profitiert.

Zuvor hatte der CDU-Wirtschaftsrat Mecklenburg-Vorpommern die Landesregierung aufgefordert, einen neuen Betreiber für das noch in der Genehmigungsphase befindliche Steinkohlekraftwerk zu finden. Der Standort verfüge mit seinem Hafen, der Anbindung an die geplante Ostseepipeline, den vorgesehenen Gaskraftwerken und der nahegelegenen Universität Greifswald über ideale Voraussetzungen für ein Energiekompetenzzentrum, sagte der Ratsvorsitzende Andreas Mau. Er appellierte an die Landesregierung, sich nicht allein für die Windenergie stark zu machen. «Auch neue Kraftwerke sind vonnöten, damit Spannungsschwankungen im Windenergie-Stromnetz ausgeglichen werden können», betonte Mau.

Dong Energy war Ende 2009 nach heftigen Protesten von Umweltschützern von seinen Kohlekraftwerksplänen in Lubmin zurückgetreten. Das Unternehmen wollte in Kooperation mit mehreren deutschen Stadtwerken bis 2012 zwei Kohlemeiler mit insgesamt 1600 Megawatt Leistung errichten. Das Genehmigungsverfahren läuft noch.

Lubmin (ddp-nrd)