Ace, Frehley

Vor über 20 Jahren stieg Ace Frehley bei Kiss aus.

20.02.2024 - 13:38:21

Ace Frehley: «Frag mich gar nicht erst nach Kiss». Doch auch nach ihrem Abschiedskonzert bleibt die Band in seinem Leben präsent.

Eigentlich will Ace Frehley gar nicht mehr über seine Ex-Band sprechen. «Frag mich gar nicht erst nach Kiss, denn ich habe absolut nichts über sie zu sagen», sagt der Gitarrist und Sänger im Video-Interview der Deutschen Presse-Agentur, ohne dass er überhaupt darauf angesprochen wurde.

Wenige Tage vor dem Interview haben Kiss in New York ihr Abschiedskonzert gespielt. Frehley war nicht dabei und ist angeblich auch nicht traurig darüber. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass der 72-Jährige es seinen ehemaligen Kollegen mit seinem neuen Soloalbum «10,000 Volts», das am 23. Februar erscheint, zeigen will.

«Wegen der Lästereien meiner alten Partner habe ich manchmal das Gefühl, dass ich etwas beweisen muss, aber in Wahrheit muss ich das nicht», sagt «Space Ace», der 2001 sein letztes Kiss-Konzert spielte. «Mein Soloalbum von 1978 mit «New York Groove» ist heute immer noch relevant. Ob du es glaubst oder nicht, ich habe es gestern angehört, die Songs sind immer noch überzeugend. Und ich denke, dass es beim neuen Album genauso sein wird, nur dass es modern produziert ist. Mein Gesang ist jetzt stärker als damals, und ich finde, die Songs sind besser.»

Durch diesen Vergleich hängt der Gitarrist mit der markanten, leicht nasalen Stimme die Messlatte unnötig hoch. Dabei erwartet niemand, dass ihm noch einmal so ein Kultalbum gelingt. Tatsächlich ist «10,000 Volts», das Frehley mit Gitarrist Steve Brown von der Hardock-Band Trixter («Give It To Me Good») schrieb, ein grundsolides Rockalbum, das Frehley-Fans gefallen dürfte. Ein Überflieger des Genres ist es nicht.

Keine Lust auf Experimente

Der gebürtige New Yorker bewegt sich auf gewohntem Terrain, serviert treibenden, hymnischen Hardrock («Fighting For Life»), Bluesrock («Walking On The Moon») und krachende Riffs («Cosmic Heart»). Frehley, der den 70er-Jahre-Kiss-Klassiker «I Was Made For Loving You» nie mochte, weil er Disco-Musik nach eigener Aussage hasst, hat keine Lust auf Experimente. «Ich werde immer ein Hardrock- und Bluesrock-Gitarrist bleiben.»

Dabei ist das Highlight des neuen Albums erstaunlicherweise die Ballade «Back Into My Arms Again». «Ich hab das vor 40 Jahren geschrieben, auf Youtube findet man ein Demo davon», erzählt der Kultgitarrist. Sein Songwriting-Partner Brown entdeckte die Aufnahme und war verblüfft, dass der Song vorher nie auf einem Album gelandet war. «Und siehe da, er hat mich überzeugt, das Lied neu aufzunehmen, und es ist großartig geworden.»

Frehley hält sich fit

Frehley hat viel vor. Er ist nach eigener Aussage seit fast 20 Jahren trocken und mit 72 gut in Form. «Ich mache Fitness, ich habe fast 20 Kilo abgenommen, meine Verlobte kocht bio und ich nehme meine Vitamine», sagt er fast ein wenig stolz. «Das macht einen großen Unterschied in meinem Leben und in Bezug darauf, wie ich mich fühle.»

Ab März will er wieder auf Tournee gehen, vorerst nur in den USA, weil er keinen gültigen Pass besitzt. Grund dafür sind Probleme mit den Steuerbehörden, die er bald zu klären hofft. «Mein Anwalt arbeitet gerade daran», versichert er. «Ich will für mein Leben gern wieder nach Europa kommen.»

Lizenzgebühren für das Make-up

Dass Kiss wirklich aufhören, bezweifelt der «Spaceman», der früher im silberfarbenen Kostüm auftrat. Ihm wäre es ohnehin lieber, sie würden weitermachen, weil er für die Nutzung des von ihm entworfenen Make-ups Lizenzgebühren kassiert. Er lacht. «Die bezahlen mich jedes Jahr.»

Nicht ausgeschlossen, dass er sogar mit den Ex-Kollegen, zu denen er ein merkwürdiges Verhältnis pflegt, irgendwann wieder etwas unternimmt. Trotz öffentlicher Streitereien ließ er Paul Stanley vor einigen Jahren auf seinem Soloalbum singen und ging mit Gene Simmons auf PR-Tour. «Ich bin mit allen in der Band befreundet, am besten wohl mit Gene», sagt er. «Wir sind alle Rock'n'Roll-Brüder.» Aber eigentlich wollte Ace Frehley ja gar nicht über Kiss sprechen.

@ dpa.de