Berlin (ddp-bln). Ulrich Kissing ist zum neuen Vorstandsvorsitzenden der Investitionsbank Berlin (IBB) ernannt worden. Der 52-jährige Banker wird Nachfolger von Dieter Puchta, der die Bank Ende August verlässt, wie die IBB am Mittwoch mitteilte. Nach Auffassung der frauenpolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion, Ulrike Neumann, steht die Neubesetzung des Vorstandspostens der Gleichstellungsverpflichtung der Verfassung entgegen. Die Linke wies die Kritik zurück.

Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) zeigte sich davon überzeugt, dass Kissing mit mehr als 23 Jahren Erfahrung in den unterschiedlichen Bereichen des Bankgeschäfts die Arbeit seines Vorgängers Puchta erfolgreich fortsetzen werde. Unter der neuen Führung stehe «die IBB als moderne Förderbank Berliner Unternehmen weiter als starker Partner zur Seite, der sich auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten durch Verlässlichkeit auszeichnet», sagte Wolf.

Die IBB hat sich nach Kissings Einschätzung in den zurückliegenden Jahren zu einer erfolgreichen Förderbank entwickelt, die sehr gut aufgestellt sei. Deshalb sehe er seine Hauptaufgabe darin, die Bank für den Standort Berlin kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Neumann erinnerte daran, dass das Berliner Abgeordnetenhaus Ende Juni einstimmig den Senat aufgefordert habe, die Chefposten bei landeseigenen Unternehmen «geschlechtergerecht» zu besetzen. «Dass nun mitten in der parlamentarischen Sommerpause und noch vor der angeforderten Berichterstattung auch der zweite Vorstandsposten der IBB mit einem Mann besetzt worden ist, kritisieren wir scharf», sagte die Abgeordnete. Im Mai war bereits Frank Schneider Nachfolger des ausgeschiedenen IBB-Vorstandsmitglieds Birgit Roos geworden.

Die stellvertretende Fraktionschefin der Linken, Jutta Matuschek, bezeichnete das Verfahren zur Besetzung des IBB-Chefpostens als transparent. Der Senat habe bei der Suche nach einem neuen Vorstand erstmals Stellengesuche in zwei überregionalen Tageszeitungen veröffentlicht und eine Personalberatungsagentur damit beauftragt, besonders nach geeigneten Frauen zu suchen. Die beste Eignung sei letztlich das Kriterium gewesen, nach dem die Neubesetzung entschieden werden musste, sagte Matuschek.

Kissing studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Regensburg. Nach seinem Diplom war er von 1985 bis 1986 Assistent am Lehrstuhl für Investition und Finanzierung an der Universität Regensburg. Seine Bankenlaufbahn begann er 1986 bei der DB Deutschen Bank AG Augsburg/Frankfurt am Main. Nach verschiedenen Stationen im DB-Konzern war er von 2003 bis 2008 im Vorstand der Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG. 2007 und 2008 war er zudem Mitglied des Aufsichtsrats der Berliner Bank AG.

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