«Es ist zermürbend, wenn einem monatelang keiner sagt, woran man ist», sagte der Schiffbauer. Bereits als 16-Jähriger habe er auf der Wismarer Werft angefangen, Schiffe zu bauen. «In meinem Alter habe ich nun kaum mehr Hoffnung auf einen neuen Job», fügt Czarnowky hinzu.

Rund 1200 Arbeiter sind nach Angaben der IG Metall Küste dem Protestaufruf der Gewerkschaft nach Schwerin gefolgt. Sie fordern eine Verlängerung der Transfergesellschaften für die früheren Wadan-Werften bis zum 31. Juli. Außerdem verlangen die Demonstrationsteilnehmer aus ganz Norddeutschland eine sichere Finanzierung des zu Monatsbeginn eingegangenen ersten Schiffbauauftrags für die heutigen Nordic Yards-Werften seit der Übernahme durch den russischen Investor Vitaly Yusufov im August des Vorjahres. Von der Landesregierung und vom Eigner erwarten sie klare Bekenntnisse zu den in den Strudel der Wirtschaftskrise geratenen Werften.

IG-Metall-Bezirksleiterin Jutta Blankau appellierte an Yusufov, die im Kaufvertrag zugesicherte Beschäftigung von mindestens 1200 Mitarbeitern einzuhalten, um den Weggang von hoch qualifizierten Beschäftigten in andere Branchen und Bundesländer zu verhindern. Das Know-how der beiden Nordic-Werften seien ihre Schiffbauer, sagte sie. Von den Banken fordert Blankau eine bessere Unterstützung. Der erste Schiffbauauftrag für Nordic Yards dürfe nicht an der Finanzierung scheitern.

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sagte, es sei das gemeinsame Ziel von Bund, Land und Werftarbeitern, dass der Schiffbau in Mecklenburg-Vorpommern eine Zukunft habe. Sellering zeigte sich optimistisch, dass sich in den nächsten Wochen ein Finanzierungskonzept für den aktuellen Schiffbauauftrag erstellen lasse. «Ich setze darauf, dass wir es schaffen» sagte er.

Für den 25. März plant die IG Metall nach eigenen Angaben Belegschaftsversammlungen auf den beiden Werften. Einen Tag davor will sich die Landesregierung erneut mit dem Werfteigentümer zu einem Gespräch treffen und zu einer Entscheidung über den eventuellen Fortbestand der Transfergesellschaften für die früheren Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde kommen. Die Auffanggesellschaften laufen Ende des Monats aus.

Mit der Demonstration vor dem Schloss ist Schwerin genau 18 Jahre nach der ersten Werftenkrise im Land wieder zum Schauplatz von Schiffbauer-Protesten geworden. Nach diversen Werksbesetzungen als Folge der schleppenden Privatisierung der damals in der Deutschen Maschinen- und Schiffbau AG (DMS) vereinten ostdeutschen Werften hatten am 4. März 1992 rund 4000 Werftarbeiter vor der Staatskanzlei demonstriert.

Nach dem Vorentscheid des Vorstands der Treuhandanstalt sowie von Bundes- und Landesregierung, die Wismarer MTW-Werft und das Rostocker Dieselmotorenwerk an den Bremer Vulkan und die Neptun-Warnow-Werft an den norwegischen Kvaerner-Konzern zu übereignen, kamen am 11. März 6000 Schiffbauer erneut an den Regierungs- und Parlamentssitz. Sie protestierten für eine Privatisierung der drei Betriebe unter dem Dach der Bremer Vulkan AG. Im Zuge der Werftenkrise trat Ministerpräsident Alfred Gomolka (CDU) wenige Tage später zurück.

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