Mainz (ddp-rps). Statt in die Schule zu gehen, fährt Axel Grünert am Dienstag lieber Rikscha. Gerade hat der 18-jährige Gymnasiast ein älteres Ehepaar vom Mainzer Hauptbahnhof zum Dom kutschiert und dafür 15 Euro erhalten. «Puhhh», schnauft er und wischt sich mit dem Handrücken über die Stirn: «Ich finde es toll, dass wir den armen Kindern in Afrika helfen können.» Der junge Mann im gelben T-Shirt ist einer von rund 53 000 Schülern in Rheinland-Pfalz, die am Dienstag einen «Tag für Afrika» gearbeitet haben.
Knapp 200 000 Schüler beteiligten sich bundesweit an dem Aktionstag des Vereins Aktion Tagwerk. Unter dem Motto «Dein Tag für Afrika» erarbeiteten sie nach Angaben des Vereins rund 1,3 Millionen Euro und spendeten ihren Lohn für mehrere Bildungsprojekte des Vereins Human Help Network in fünf afrikanischen Ländern.
In Ruanda werde die Ausbildung von Waisenkindern unterstützt, berichtet die Gründerin und Geschäftsführerin der Aktion Tagwerk, Nora Weisbrod. In Südafrika flössen die Spenden in die Aufklärungsarbeit über Aids und HIV, im Sudan und in Angola in den Bau von Grundschulen. Und in Burundi werde eine Pharmazeutisch-Technische-Assistenz-Ausbildung gefördert.
Rikschafahrer Grünert sagt, sein persönlicher Gewinn aus der Aktion sei, dass man sich intensiver damit beschäftige, unter welchen Bedingungen Gleichaltrige in Afrika lebten. Während er für die «gute Sache» strampelt, verkaufen andere Schüler Brötchen, kopieren Akten, schrubben Treppen, waschen Autos. Ihre Arbeitgeber sind Unternehmen, Verwaltungen, Privatpersonen.
«Kinder in Afrika wollen in die Schule gehen, aber oft haben sie kein Geld dafür, oder es gibt keine Schule - hier setzen die Projekte an», sagt Aktion-Tagwerk-Chefin Weisbrod. Die 26-Jährige aus Mainz hatte die Aktion während eines Freiwilligen Sozialen Jahres bei Human Help Network ins Leben gerufen und Jahr für Jahr ausgebaut. Beim ersten Mal im Jahr 2003 blieb die Aktion noch auf Rheinland-Pfalz beschränkt. Mittlerweile beteiligen sich Jugendliche aus allen Teilen Deutschlands daran. Am Dienstag etwa gingen in der Villa Hammerschmidt, dem Bonner Sitz des Bundespräsidenten, zwei Schüler den Gärtnern zur Hand.
Weisbrod zeigt sich beeindruckt davon, «mit wie viel Engagement und Kreativität die Schüler auf Jobsuche gingen und Aktionen organisierten, um Geld für Gleichaltrige in Afrika zu verdienen». Die große Teilnehmerzahl zeige, dass die Idee der Kampagne funktioniere.
Das Spendensammeln, betont Mitstreiterin Hannah Halbritter, sei nur ein Teil der Arbeit der Aktion Tagwerk. Weiteres Ziel sei es, die Themen Entwicklungsarbeit und Entwicklungspolitik in Afrika in den deutschen Schulunterricht zu integrieren. Dafür tourten die jungen Mitarbeiter der Aktion mit einem Infomobil von Schule zu Schule, erläutert die Leiterin der Bundesbüros.
ddp/sae/mwa




























