Hrubesch, Liebeserklärung

Horst Hrubesch soll bei seiner zweiten DFB-Rettungsaktion die Frauen zu Olympia führen.

20.10.2023 - 13:58:32

Hrubesch startet mit Liebeserklärung bei den DFB-Frauen. In der Causa Voss-Tecklenburg deutet der Verband erstmals an, dass es keine gemeinsame Zukunft geben könnte.

Mit einer Liebeserklärung an die deutschen Fußballerinnen und der Zuversicht eines überaus erfahrenen 72-Jährigen hat Horst Hrubesch sein Amt als Interims-Bundestrainer angetreten.

Seine Ruhe strahlt sichtlich auf seine Nebenmänner Bernd Neuendorf und Andreas Rettig aus. Die Situation in der deutschen Frauen-Auswahl nach dem WM-Debakel und der andauernden Erkrankung von Cheftrainerin Martina Voss-Tecklenburg bleibt aber schwierig genug.     

Für Hrubesch war es «eine Selbstverständlichkeit» einzuspringen. «Die meisten Spielerinnen kenne ich. Ich weiß, was für eine Qualität drinsteckt. Ich habe die Mannschaft einfach lieben gelernt. Was ich da gekriegt habe, was ich mitnehmen konnte, das war schon sensationell gut. Auch für mein Leben», sagt er. 

Unterstützung von Kanzlerseite

Der Hamburger hatte bereits 2018 für acht Monate auf diesem Posten ausgeholfen und soll nun die deutschen Frauen aus der Krise und zu Olympia 2024 in Paris führen. Mit einigen Spielerinnen hatte Hrubesch all die Jahre Kontakt gehalten: «Teilweise haben sie mir auch zu Weihnachten eine Karte geschrieben, und ich habe ihnen zum Geburtstag gratuliert.» 

Moralische Unterstützung bekommen Hrubesch und die Fußballerinnen um Kapitänin Alexandra Popp sogar von Kanzlerseite: Olaf Scholz besucht die deutsche Auswahl am Dienstag auf dem DFB-Campus. Die Vize-Europameisterinnen spielen in der Nations League am kommenden Freitag (17.45 Uhr) in Sinsheim gegen Wales und am 31. Oktober (20.00 Uhr) in Reykjavik gegen Island.

Im Kampf um die Olympia-Tickets können sie sich nach der 0:2-Auftaktniederlage in Dänemark keinen weiteren Ausrutscher erlauben, auch wenn es zuletzt ein 4:0 gegen Island gab. 

Anderes Tempo und weniger Kontakte

«Jetzt geht es darum, Verantwortung zu übernehmen – und zwar jede einzelne», appelliert Hrubesch an die Spielerinnen. Verzichten muss er auf Stammkeeperin Merle Frohms, die dem VfL Wolfsburg derzeit wegen einer Gehirnerschütterung fehlt.

«Ich glaube an diesen Kader, ich glaube an diese Spielerinnen», sagte Hrubesch und erklärt mit Blick auf die erstarkte internationale Konkurrenz: «Ich denke, dass wir da ein anderes Tempo an den Tag legen werden mit weniger Kontakten.»  

Der DFB hatte am 28. September mitgeteilt, dass Hrubesch auf unbestimmte Zeit Voss-Tecklenburg ersetzt. Die 55-Jährige war bei der WM in Australien mit dem deutschen Team in der Vorrunde gescheitert; ihre Rückkehr gilt als unwahrscheinlich.

«Sie werden nicht ernsthaft erwarten, dass ich Gerüchte kommentiere. Wir sind Arbeitgeber von Martina Voss-Tecklenburg, wir warten in Ruhe ab. Hier wird in keinster Weise Druck ausgeübt. Wir müssen und wollen, dass sie sich gut erholt. Das ist das Allerwichtigste», sagt DFB-Präsident Neuendorf zu der viel diskutierten Personalie. 

Zukunft ohne Voss-Tecklenburg

Sport-Geschäftsführer Rettig deutet an, dass es eine Zukunft ohne Voss-Tecklenburg geben könnte: «Wir müssen vorbereitet sein für den Fall, dass es keine Brücke gibt.» Hrubesch hat sich erst mal nur für die Qualifikation für Paris 2024 verpflichtet: «Ich bin da jetzt nicht festgelegt, in der Form, dass ich sage, ich gehe auf jeden Fall zu Olympia.»

Für den Europameister von 1980, der mit der männlichen U 21 in Rio de Janeiro 2016 das Olympia-Finale gegen Brasilien verlor, sind die Sommerspiele das große Ziel. Die deutschen Frauen holten damals Gold.

«Einige sind dabei, die das schon erreicht haben, die auch Medaillen gewonnen haben», sagt Hrubesch. «Allein für den Frauenfußball in Deutschland ist das ein Ansporn, den du einfach so wahrnehmen musst, dass du einfach dabei sein musst.» 

Weiter vakant ist auch der Posten des neu geschaffenen Sportdirektors für die Frauen. Man werde noch mit «weniger als fünf Personen sprechen», sagte Rettig, der aber einräumte, dass der Frauenbereich nicht gerade zu seinen Kernkompetenzen gehört. «Wir sind mit Hochdruck dran.»

@ dpa.de