Berlin (ddp). Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) geht davon aus, dass die Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt begrenzt sind. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) sieht derweil keine Anzeichen für massenhafte Entlassungen.

Scholz hält es für realistisch, die Zahl der Arbeitslosen unter vier Millionen zu halten. Er sagte der «Bild am Sonntag»: «Wir können das schaffen. Und es ist jede Anstrengung wert, das zu versuchen.» Es spreche viel dafür, dass wir es durch den Ausbau der Kurzarbeit hinbekommen, «dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit viel geringer ausfällt». Im Einzelfall müssten Arbeitnehmer allerdings zu Opfern bereit sein.

BA-Vorstand Raimund Becker sagte der «Berliner Zeitung» (Samstagausgabe), Signale für massenhafte Entlassungen seien bislang nicht in größerem Umfang zu erkennen. «Eher ist das Gegenteil der Fall: Die Unternehmen versuchen, in der Krise ihr Personal festzuhalten», sagte Becker.

Die BA geht dem Blatt zufolge davon aus, dass die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2009 um 332 000 auf 3,6 Millionen steigen wird. «Dabei ist berücksichtigt, dass die Konjunkturprogramme der Regierung den befürchteten Konjunktureinbruch abfedern werden», sagte Becker und warnte vor Horrorszenarien für den Arbeitsmarkt.

Der Deutschlandchef der Unternehmensberatung Boston Consulting Group, Christian Veith, empfahl Unternehmern im «Handelsblatt» (Montagausgabe), in der Krise weniger auf Entlassungen zu setzen. «Wer zu viele qualifizierte Leute vor die Tür setzt, gefährdet die Zukunft», sagte er.

Derweil will die Metallindustrie im Südwesten weniger Kurzarbeitergeld bezahlen. Laut Tarifvertrag müssen die Unternehmen in Baden-Württemberg das Kurzarbeitergeld der Bundesanstalt auf deutlich mehr als 90 Prozent des Nettoentgelts aufstocken. Dadurch arbeiten derzeit Zehntausende Beschäftigte von Daimler, Bosch und diversen anderen Autozulieferern weniger, ohne dass sie wesentliche Einbußen am Nettoverdienst erleiden. Dies werde dem Arbeitgeberverband Südwestmetall zu teuer, berichtete die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung». Die IG Metall wolle aber nicht von dem Vertrag abrücken.

Arbeitsminister Scholz schlug in dem Interview mit der «Bild am Sonntag» nach dem Streit mit der Union für die Zeitarbeitsbranche einen Mindestlohn vor, der im Westen «bei etwas über 7,30 Euro» liegt. «Dies ist mein sechster Vorschlag und es ist definitiv mein letzter», sagte Scholz. Er bezweifele aber, dass der Koalitionspartner dem zustimmen wird. «Mein Verdacht wird immer größer, dass die Union in Wahrheit die Zeitarbeiter gar nicht vor Ausbeutung schützen will», sagte Scholz.

Weiterhin will Scholz die Rechtsposition von Frauen stärken, die von ihrem Arbeitgeber den gleichen Lohn wie ihre männlichen Kollegen einklagen wollen. «Deshalb müssen wir den Frauen den Klageweg erleichtern. Die Unternehmen sollen verpflichtet werden, die Daten für einen Gehältervergleich zur Verfügung zu stellen», sagte er der «Bild am Sonntag».

(ddp)