Prävention - Weniger HIV-Neuinfektionen in Hessen: Grüne fordern mehr Geld für Prävention - Aidshilfe warnt vor Ansteckungsrisiken Zum Welt-Aids-Tag am Dienstag haben die Grünen im Landtag mehr Geld für Aufklärung und Prävention gefordert. Die Landesregierung müsse die Streichung der Zuschüsse für die Aidshilfen wieder rückgängig machen, forderte die Fraktion am Montag in Wiesbaden. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts haben sich in Hessen in diesem Jahr etwas weniger Menschen mit dem HI-Virus infiziert als im Vorjahr.
Vergrößern Prävention - Weniger HIV-Neuinfektionen in Hessen | Bild: ©

Die hessische Aidshilfe will mit einer neuen Kampagne unterdessen mit den Irrtümern über Ansteckungsrisiken aufräumen.

Die Grünen-Gesundheitsexpertin Kordula Schule-Asche warnte vor einer Verharmlosung der Krankheit. Die Bereitschaft, sich auf das HI-Virus testen zu lassen, werde immer geringer. «Hier muss es mehr Präventionsarbeit zur Vermeidung der Infektion geben», sagte Schulze-Asche. Die vielen ehrenamtlich Engagierten dürften nicht allein gelassen werden. Die Grünen hätten dafür in ihren Haushaltsanträgen rund 200 000 Euro zusätzlich vorgesehen.

Dem Robert-Koch-Institut zufolge haben sich im laufenden Jahr bislang 225 Menschen mit dem HI-Virus angesteckt, im vergangenen Jahr seien es 240 gewesen. In Hessen lebten rund 6500 Menschen mit der Krankheit, darunter etwa 1200 Frauen und 20 Kinder. Mit rund 70 Prozent stellten Männer, die Sex mit anderen Männern hatten, den größten Anteil an den Neuinfektionen. Grund dafür sei die erheblich höhere Wahrscheinlichkeit, innerhalb der Gruppe auf einen HIV-positiven Sexualpartner zu treffen.

Nach Angaben des Statistischen Landesamts stieg die Zahl der Aids-Toten in Hessen im vergangenen Jahr. Insgesamt 53 Menschen starben an den Folgen einer Aids-Erkrankung, darunter 38 Männer und 15 Frauen. Erstmals seien im vergangenen Jahr auch wieder mehr Menschen mit HIV stationär behandelt worden. Den Angaben zufolge wurden 237 Patienten in den Krankenhäusern aufgenommen, das sei ein Anstieg um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die hessische Aidshilfe will mit Hilfe der Kampagne «Ich weiß, was ich tu´» mit noch immer verbreiteten Irrtümern über Ansteckungsrisiken aufräumen. Statt der Bewerbung von Kondomen rücke das Projekt die Gefahren individueller Schutzstrategien von homosexuellen Männern stärker ins Bewusstsein, sagte der Geschäftsführer der hessischen Aidshilfe, Klaus Stehling. «Dass Kondome schützen, muss man heute keinem schwulen Mann mehr erklären», betonte Stehling. Viele hätten aber andere Strategien entworfen, um sich beim Sex nicht anzustecken.

Dazu gehöre, sich auf sein Gefühl zu verlassen. Es gebe Männer, die sich allein aufgrund Herkunft, Aussehen oder Verhalten ihres Partners auf ungeschützten Geschlechtsverkehr einließen, sagte Stehling. Dies komme gerade in ländlichen Gegenden häufig vor. Viele Männer gingen davon aus, dass die Ansteckungsgefahr in Städten viel größer sei. «Das zu glauben, ist durchaus menschlich», betonte Stehling. «Das Infektionsrisiko wird dadurch jedoch nicht geringer.»

Neben Aufklärung ziele die Kampagne auch auf eine stärkere Bewerbung des HIV-Tests. Rund ein Drittel der Infektionen werde erst mit dem Auftreten von Krankheitssymptomen festgestellt. Möglichkeiten der Therapie seien dann oftmals schon stark eingeschränkt, das Risiko der Verbreitung deutlich höher.

Frankfurt/Main (ddp-hes)