Bundespolizeidirektion, München

Bundespolizeidirektion München: Mutmaßliche Schleusung unter höchst widrigen Bedingungen / Stundenlang in eiskalten Kofferraum gesperrt - Hose von Urin durchnässt

07.12.2023 - 13:14:05

Bundespolizeidirektion München: Mutmaßliche Schleusung unter höchst widrigen Bedingungen / Stundenlang in eiskalten Kofferraum gesperrt - Hose von Urin durchnässt. Mittenwald / Garmisch-Partenkirchen - Die Bundespolizei hat am Mittwoch (6. Dezember) an der B2 nahe Mittenwald die offenkundige Schleusung von sechs Syrern in einem überbesetzten Pkw beendet. Einer der Geschleusten musste bei Außentemperaturen unter dem Gefrierpunkt stundenlang im Kofferraum zubringen, ehe er von den Bundespolizisten durchfroren und mit einer Urin-durchnässten Hose aus seiner misslichen Lage befreit werden konnte. Zusammen mit dem ukrainischen Fahrer waren seit dem Vorabend insgesamt sieben Personen in dem Auto, das lediglich für fünf Insassen zugelassen ist. Vier der syrischen Mitfahrer hatten sich ununterbrochen ungesichert auf die Rückbank zu zwängen. Am Donnerstag wurde der Ukrainer in die Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim gebracht.

Kurz vor dem Mittenwalder Ortseingang stoppten die Beamten des Bundespolizeireviers Garmisch-Partenkirchen den Pkw mit slowakischem Kennzeichen. Der 36-jährige Fahrer wies sich bei der grenzpolizeilichen Kontrolle mit einem ukrainischen Reisepass und einem slowakischen Führerschein aus. Auf dem Beifahrersitz befand sich ein junger Mann ohne Papiere. Schon beim Blick auf die Rückbank war den Bundespolizisten klar, dass die Fahrt nicht fortgesetzt werden konnte. Dort saßen eingepfercht drei Minderjährige und ein Erwachsener. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse auf der für maximal drei Personen vorgesehenen Sitzmöglichkeit war an ein Anschnallen mit den eingebauten Sicherheitsgurten nicht zu denken. Auch die vier konnten sich nicht ausweisen. Bereits während ihrer Kontrolle machten sie wiederholt auf den Kofferraum aufmerksam. Als die Beamten die Heckklappe der Limousine öffneten, fanden sie einen völlig durchfrorenen Jugendlichen, der sich notdürftig in eine Rettungsfolie eingewickelt hatte. Seine Hose war im oberen Bereich vom eigenen Urin durchdrungen. Der Kofferraum dürfte bei den vorherrschenden Minusgraden einem Eisschrank geglichen haben, da dorthin vom Fond des Fahrzeugs her spürbar keine Wärme gelangt war.

Die sechs Mitfahrer erklärten ursprünglich aus Syrien zu stammen. Vier von ihnen sind gemäß dem jeweils angegebenen Alter (14, 16, 16, 16) noch minderjährig. Die zwei Erwachsenen sind nach eigenen Angaben 18 und 25 Jahre alt. Ihren Schilderungen zufolge waren sie nach vorausgegangenen Schleusungsetappen in der Slowakei zu dem Pkw gelotst worden. Bei dem ukrainischen Fahrer soll es sich um den von der Schleuserorganisation geschickten "Abholer" gehandelt haben. Pro Person hätte die Schleusung ab Serbien bis zu 2.500 Euro gekostet. Das Geld hätten einige der sechs Syrer erst während eines mehrmonatigen Zwischenaufenthalts in der Türkei verdienen müssen. Der ukrainische Fahrer sei bis auf eine Tankunterbrechung von der Slowakei bis nach Deutschland durchgefahren. Seine syrischen Begleiter habe er für die Dauer des Tankvorgangs angewiesen, im Wagen sitzen zu bleiben. Der Kofferraum, in dem sich einer der 16-Jährigen befand, sei durchgängig geschlossen geblieben.

Die sechs Migranten, die über starken Durst klagten, wurden getrennt von ihrem Fahrer mit Unterstützung der Bayerischen Landespolizei zum Bundespolizeirevier nach Garmisch-Partenkirchen gebracht. Dort konnten sie zunächst versorgt werden. Nach Abschluss aller erforderlichen polizeilichen Maßnahmen wurden die erwachsenen Syrer einer Münchner Aufnahmestelle für Flüchtlinge, die Minderjährigen dem Jugendamt Garmisch-Partenkirchen zugeleitet. Der ukrainische Fahrzeugführer wurde wegen Einschleusens von Ausländern unter lebensgefährdenden beziehungsweise unmenschlichen Bedingungen angezeigt und am Donnerstagvormittag beim Amtsgericht in München vorgeführt. Auf richterliche Anordnung hin musste der mutmaßliche Schleuser, der in der Slowakei gemeldet ist, die Untersuchungshaft antreten. Die Ermittler der zuständigen Bundespolizeiinspektion Rosenheim gehen von einer organisierten Schleusung aus.

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