Bistum, Woelki

Um den umstrittenen Kölner Kardinal Woelki wird es nicht ruhig.

27.06.2023 - 10:25:39

Durchsuchungsaktion bei Ermittlungen gegen Woelki. Das neueste Kapitel: Die Staatsanwaltschaft steht vor der Tür.

Am Dienstagmorgen steht der Kölner Erzbischof am Eingangstor seiner Residenz Ermittlern gegenüber, die das Gebäude durchsuchen wollen. Die Szene, die von mehreren Medien im Bild festgehalten wird, bringt die neue Eskalationsstufe im Streit um den in der Dauerkritik stehenden Geistlichen auf den Punkt:

Jetzt steht die Staatsanwaltschaft schon direkt vor der Tür von Kardinal Rainer Maria Woelki. Hintergrund sind Ermittlungen wegen des Verdachts des Meineides und der falschen Versicherung an Eides Statt.

Die Ermittler legen pünktlich um 8.00 Uhr los. Neben Räumen des Erzbischöflichen Hauses wird laut Staatsanwaltschaft auch im Generalvikariat und im Offizialat in Köln durchsucht. Außerdem stehen Ermittler in Kassel und Lohfelden in Hessen vor den Geschäftsräumen des EDV-Dienstleisters, der den E-Mail-Verkehr des Erzbistums verwaltet.

Vorwürfe gegen Woelki

Das Ziel der Staatsanwälte: Sie wollen Dokumente sicherstellen, die im Zusammenhang mit Äußerungen Woelkis stehen, in denen er laut Vorwürfen nicht die Wahrheit gesagt haben soll. Außerdem solle die innerbistümliche Kommunikation zu diesen Vorgängen erhoben werden, heißt es.

Mehrere Anzeigenerstatter werfen Woelki falsche Versicherung an Eides Statt vor, außerdem steht der Vorwurf des Meineids im Raum. Es geht dabei um zwei Komplexe, in denen Woelki laut den Vorwürfen mehr über Missbrauchsvorwürfe gegen Geistliche gewusst haben soll, als er öffentlich sagte.

Zum einen ist da der Fall Winfried Pilz. Dem 2019 gestorbenen Sternsinger-Chef werden Missbrauchsvorwürfe gemacht. Woelki hat in einem presserechtlichen Verfahren versichert, erst von Juni 2022 an mit dem Fall befasst worden zu sein.

Außerdem geht es um die Beförderung eines Priesters zum stellvertretenden Düsseldorfer Stadtdechanten. Der Pfarrer hatte Jahre zuvor mit einem 16 Jahre alten Prostituierten Sex gehabt, außerdem gab es Missbrauchsvorwürfe gegen ihn. Woelki versicherte in einer beeideten Aussage, bei der Beförderung dessen Personalakte nicht gekannt zu haben. «Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe!», erklärte er im März.

Diese Darstellung wird von einem Anzeigenerstatter aber angezweifelt, auch die Staatsanwaltschaft sieht einen Anfangsverdacht. In diesem Fall geht es um den Verdacht des Meineids. Darauf steht eine Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr, in minder schweren Fällen eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis fünf Jahren.

Hinweis auf Unschuldsvermutung

Woelki hat in der Vergangenheit alle Vorwürfe bestritten. Am Dienstag äußerte er sich zunächst nicht weiter dazu. Das Erzbistum Köln bestätigte die Durchsuchung und teilte mit, man bitte die Öffentlichkeit, eine ergebnisoffene Untersuchung nicht zum Anlass zu nehmen, Vorverurteilungen auszusprechen.

Auch die Staatsanwaltschaft Köln betonte die Unschuldsvermutung und die Tatsache, dass sich die Maßnahmen auf die Erhellung eines lediglich anfänglichen Verdachts richteten. Die Ermittler erklärten weiter, dass Woelki «in keiner Weise die aktive oder auch nur passive Vertuschung von oder gar Beteiligung an Missbrauchstaten zur Last gelegt wird.» Die Aus- und Bewertung der sichergestellten Beweismittel wird geraume Zeit in Anspruch nehmen.

Auch Kritik von Papst

Der Kölner Oberhirte steht wegen seines Umgangs mit Missbrauchsvorwürfen schon länger in der Kritik. Papst Franziskus hatte ihn vor einiger Zeit aufgefordert, ein Rücktrittsgesuch bei ihm einzureichen. Das hat Woelki getan.

Der Papst hat bisher aber nicht entschieden, ob er es annimmt - stattdessen will er nach eigenem Bekunden warten, bis sich die Lage im Erzbistum Köln beruhigt hat. Nach den Durchsuchungen sagte der Kirchenrechtler Thomas Schüller der «Rheinischen Post», es liege nun an Woelki, selbst zu entscheiden, ob er die Reißleine ziehe.

«Allerdings zeigt sein bisheriges Verhalten, dass er an seinem Bischofsstuhl klebt und sein persönliches Wohlergehen über das der Erzdiözese Köln stellt», kritisierte er. «Das ist das eigentliche Drama.»

@ dpa.de