Magdeburg, Synagoge

Magdeburger Bürger haben im Nationalsozialismus 1938 die Synagoge in ihrer Stadt zerstört.

10.12.2023 - 14:07:07

Magdeburg hat wieder eine Synagoge. Jetzt ist ein neues jüdisches Gotteshaus entstanden - dank des jahrzehntelangen Engagements von Magdeburgern.

  • Teilnehmer der Thora-Überführung vor wenigen Tagen in Magdeburg. - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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  • Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff spricht bei der feierlichen Eröffnung der Neuen Synagoge in Magdeburg zu den Gästen. - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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  • Polizisten sichern das Gelände um die Neue Synagoge in Magdeburg. - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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Teilnehmer der Thora-Überführung vor wenigen Tagen in Magdeburg. - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpaSachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff spricht bei der feierlichen Eröffnung der Neuen Synagoge in Magdeburg zu den Gästen. - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpaPolizisten sichern das Gelände um die Neue Synagoge in Magdeburg. - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Im Zentrum Magdeburgs ist eine neue Synagoge eröffnet worden - 85 Jahre nach der Zerstörung des alten jüdischen Gotteshauses. «Der Neubau der Synagoge steht für ein friedliches Miteinander und für Pluralismus», sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bei einem Festakt. Jüdisches Leben werde wieder deutlich sichtbarer und erlebbar. «Wir werden als Landesregierung auch künftig jüdisches Leben in Sachsen-Anhalt sichtbar machen, es fördern und schützen.»

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sprach von einem Tag der Freude und des Stolzes. Er verwies auf die widrigen Umstände, die die jüdische Gemeinschaft in der DDR erlebte. 1946 hätten nur noch 120 Juden in Magdeburg gelebt, Gottesdienste fanden in einem Wohnhaus statt. Anfang der 1980er-Jahre umfasste die jüdische Gemeinde nur noch etwa 20 Mitglieder. Erst Zuwanderung aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion ließ sie in den 1990-er Jahren deutlich wachsen.

Heute hat die Synagogen-Gemeinde Magdeburg eigenen Angaben zufolge rund 400 Mitglieder. «Jüdisches Leben in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte, die auch dem Mut gerade jüdischer Zuwanderer zu verdanken ist», sagte der Zentralratspräsident.

Architekt: Dezent und zurückhaltend

Der am Ende 7,6 Millionen Euro teure Bau ist Ergebnis jahrzehntelangen Engagements Magdeburger Bürgerinnen und Bürger, die Spenden für den Neubau sammelten. Ein Förderverein steuerte 500.000 Euro bei, die Synagogen-Gemeinde 300.000 Euro, die Stadt Magdeburg stellte das Grundstück zur Verfügung. Den größten Teil der Kosten für den Bau trug das Land Sachsen-Anhalt.

Architekt Wolfgang Sattler bezeichnete die neue Synagoge als dezent und zurückhaltend. Trotz notwendiger Sicherheitsmaßnahmen sei in den Neubau ein Gefühl von Leichtigkeit, Offenheit und Licht eingebracht worden. An der Außenfassade findet sich auf Hebräisch der Spruch: «Denn mein Haus soll ein Gebetshaus für alle Völker genannt werden». Das Gebäude steht zwischen einem Hotel und Wohnhäusern.

Alte Synagoge vor 85 Jahren zerstört

Die alte Magdeburger Synagoge wurde im Nationalsozialismus 1938 bei den Novemberpogromen von Bürgern der Stadt zerstört - wenig entfernt von dem heutigen Neubau. 1999 gründete sich der Förderverein «Neue Synagoge Magdeburg», der sich seitdem für den Bau einsetzte. Der Förderverein schenkte der Synagogen-Gemeinde nun ein Bild der historischen, zerstörten Magdeburger Synagoge.

In Dessau-Roßlau war erst am 22. Oktober die neue Weill-Synagoge eröffnet worden. Der Angriff der Hamas auf Israel hatte erst rund zwei Wochen zurückgelegen. Ministerpräsident Haseloff sagte in der neuen Magdeburger Synagoge: «Wir alle sind entsetzt über die Verbrechen der Hamas. Unsere Gedanken sind bei den Menschen in Israel, den Opfern und den Hinterbliebenen.» Der Terror müsse beendet und die Hamas zur Rechenschaft gezogen werden.

Auch Zentralratspräsident Schuster erinnerte an die aktuelle Lage in Nahost, an die Menschen, die noch in Geiselhaft der Hamas seien. Die jüdische Gemeinschaft sei in Gedanken und Gebeten bei ihnen, bei ihren Familien. Schuster betonte: «Wir werden unser Leben nicht durch Terror bestimmen lassen.»

@ dpa.de