ROUNDUP, IAEA-Chef

Die Gefahrenlage im russisch besetzten Kernkraftwerk Saporischschja in der Ukraine hat sich aus Sicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zuletzt deutlich verschärft.

11.04.2024 - 19:21:49

IAEA-Chef sieht steigende Gefahr von Atomunfall im AKW Saporischschja

Die jüngsten Drohnenangriffe auf die Anlage "haben das Risiko eines Atomunfalls signifikant erhöht", warnte IAEA-Chef Grossi am Donnerstag in Wien. In einer Sondersitzung des Gouverneursrates der IAEA forderte er militärische Entscheidungsträger und die Staatengemeinschaft dringend dazu auf, für Deeskalation zu sorgen.

Vertreter Kiews und Moskaus gaben sich bei der IAEA-Sitzung erneut gegenseitig die Schuld für die Vorfälle. Die ukrainische Diplomatin Natalija Kostenko wies russische Vorwürfe als "Lügen" zurück, wonach das ukrainische Militär das frontnahe AKW attackiert habe. Das Gegenteil sei der Fall "Die Beweise sind eindeutig: Russland verursacht absichtlich nukleare Bedrohungen", sagte sie. Die Ukraine werde nun hoffentlich "diese gefährlichen Aktionen stoppen", sagte Russlands Botschafter Michail Uljanow hingegen nach der Sitzung.

Vertreter der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union vermieden Schuldzuweisungen. Sie betonten jedoch, dass Russlands andauernde militärische Besetzung des AKW die Grundursache der Spannungen rund um die Anlage sei.

Am Sonntag hatten in Saporischschja stationierte IAEA-Beobachter über drei Drohnenattacken auf das größte AKW Europas berichtet. Demnach wurde die Kuppel eines Reaktors und Ziele in unmittelbarer Nähe von Reaktorgebäuden getroffen. Dabei sei es zu keinen schweren Schäden an der Anlage gekommen, doch mindestens eine Person sei zu Schaden gekommen, hieß es. Die Beobachter berichteten auch über Schüsse von russischen Kräften, die in dem AKW stationiert sind. Am Dienstag wurde das IAEA-Team vor Ort vom russischen Management der Anlage über einen weiteren Drohnenangriff auf ein Ausbildungszentrum des AKW informiert. Grossi kündigte an, nächste Woche zum UN-Sicherheitsrat nach New York zu reisen, um sich für die Sicherheit des Kraftwerks einzusetzen.

@ dpa.de